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KirchMedia-Pleite Insolvenzverfahren steht nach 16 Jahren vor dem Abschluss

Exklusiv
Der Medienunternehmer Leo Kirch Quelle: dapd

Die Kirch-Gruppe war bis zu ihrer Insolvenz und der nachfolgenden Zerschlagung im Jahr 2002 einer der größten deutschen Medienkonzerne. 2002 brach das Film- und Fernsehimperium von Leo Kirch zusammen. Die Milliardenpleite hatte Folgen für die gesamte deutsche Medienlandschaft – und für die Deutsche Bank. Jetzt erhalten die Gläubiger vom Insolvenzverwalter die letzte Zahlung.

Eines der spektakulärsten Insolvenzverfahren der deutschen Wirtschaftsgeschichte steht vor dem Abschluss. Mehr als 16 Jahre nachdem der Medienkonzern KirchMedia Insolvenz angemeldet hat, erhalten die Gläubiger nun die letzte Auszahlung des Insolvenzverwalters Michael Jaffé, berichtet die WirtschaftsWoche. Ende Juli hatte bereits das Amtsgericht München der so genannten Schlussverteilung zugestimmt. Ein Sprecher der Insolvenzverwaltung bestätigte die Informationen. Damit steuert die Großpleite auf ihr Finale zu. Mit der formalen Aufhebung des Insolvenzverfahrens wird in den kommenden Monaten gerechnet.

Die Film- und Fernsehgruppe von Leo Kirch, zu der unter anderem der TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 gehörte, war 2002 zusammengebrochen. In der Folge waren Gläubigerforderungen über rund fünf Milliarden Euro festgestellt worden. Die Zahlungen des Insolvenzverwalters an die ungesicherten Gläubiger, darunter US-Filmstudios, Banken und Rechteinhaber, summieren sich mit der letzten von insgesamt 13 Abschlagszahlungen auf knapp 2 Milliarden Euro. Die Gläubiger kommen mit der letzten Auszahlung nach Angaben eines Sprechers der Insolvenzverwaltung auf eine ungewöhnlich hohe Rückzahlungsquote von fast 40 Prozent ihrer ungesicherten Forderungen. 

Möglich wurde dies unter anderem durch die langjährige Verwertung der Film-Bibliothek, den Verkauf der operativen Bereiche der Unternehmensgruppe und durch die Durchsetzung von Schadenersatzansprüchen gegen die Deutsche Bank. Insgesamt umfasste das Kirch-Imperium mehr als 200 Beteiligungen. Rund 10.000 Arbeitsplätze konnten trotz der Pleite gerettet werden.

Milliardenschulden im Kirch-Konglomerat

Medienunternehmer Kirch, der 2011 im Alter von 84 Jahren starb, hatte das Kreditinstitut für die Pleite verantwortlich gemacht. Denn der damalige Bankchef Rolf Breuer hatte öffentlich Zweifel an Kirchs Kreditwürdigkeit geäußert.  „Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen“, sagte Breuer in einem Interview mit dem TV-Sender Bloomberg im Februar 2002. Zwei Monate später meldete die Kirch-Gruppe Insolvenz an.

Aus Sicht von Kirch hatten ihm die Banken nach Breuers Interview den Geldhahn zugedreht. Nach Lesart der Deutschen Bank hatte Breuer nur bereits Bekanntes geäußert. Die Pleite Kirchs sei auf zu hohe Schulden und eigene, unternehmerische Fehler zurückzuführen.

Tatsächlich hatte Kirch Media zum Zeitpunkt der Insolvenzanmeldung Schulden in Höhe von 6,5 Milliarden Euro. Der Konzern bestand aus einem höchst komplexen und unübersichtlichen Konglomerat teils miteinander verflochtener Tochterunternehmen und Beteiligungen. Kirch Media war neben anderen am Axel Springer Verlag, dem TV-Konzern ProSieben Sat.1 Media sowie an dem damals noch unter dem Namen Premiere bekannten Abonnement-Fernsehunternehmen beteiligt.

Zuerst sollte der Konzern weitgehend als Ganzes erhalten bleiben. Doch bald stellte sich heraus, dass das nicht funktionieren würde. Schließlich entschieden sich der Insolvenzverwalter und seine beiden Sanierer Wolfgang van Betteray und Hans-Joachim Ziems für den Einzelverkauf. Der US-Investor Haim Saban übernahm den TV-Konzern ProSiebenSat.1. Die Rechtehandelsfirma Beta Film, einer der größten Rechtehändler der Welt, ging an den früheren Kirch-Manager Jan Mojto. Die Pleite des Bezahlsenders Premiere, der heute Sky heißt, konnte nur knapp vermieden werden.

Posthumer Sieg gegen die Deutsche Bank

Die Insolvenz des Medienriesen zog wegen der Breuer-Äußerung einen langen Rechtsstreit zwischen dem Medienmanager und nach dessen Tod seinen Erben auf der einen und der Deutschen Bank auf der anderen Seite nach sich. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen, die teils sogar den Bundesgerichtshof beschäftigten, wurde der Rechtsstreit zwischen den Kirch-Erben und der Deutschen Bank im Februar 2014 durch Vergleich beendet. Das Geldinstitut zahlte schließlich eine Gesamtsumme von rund 925 Millionen Euro.

Leo Kirch selbst schien sich mit dem Absturz seines Unternehmens arrangiert zu haben. „Der Herr hat‘s gegeben, der Herr hat‘s genommen“, hatte er noch kurz vor der Pleite in einem seiner seltenen Interviews zu Protokoll gegeben.

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