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Klimaschutz Wie Unternehmen ihre Fuhrparks grüner machen

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Grafik: Wege zur ökologischeren Autoflotte

Darauf setzt auch der Essener Energiekonzern RWE. Acht Prozent der 10 000 Fahrzeuge großen Flotte hat der Konzern seit dem Start seiner „Grünen Dienstwagenregelung“ 2009 auf Öko umgestellt. Weil Dienstwagen im Schnitt drei Jahre lang gefahren werden, braucht der Umstieg seine Zeit. Die Regelung basiert auf den gleichen Kriterien wie der EcoTest des ADAC. Dessen Grenzwerte für CO2, Stickoxide und Feinstaub erfüllen derzeit 332 Pkw-Modelle unterschied-licher Hersteller. „Keiner macht das so umfassend wie der ADAC“, sagt Joachim Löchte, Leiter Corporate Responsibility bei RWE. Die Herstellerangaben seien zu butterweich. Der RWE-Flotteneinkauf gebe daher „nur noch Fahrzeuge mit diesem ADAC-Prüfsiegel frei“.

Die grüne Dienstwagen-Offensive hat für die Unternehmen mehrere Vorteile: Ökologische Flotten schaffen „glänzende Imagewerte und sind obendrein kosteneffizient“, sagt Dataforce-Chefin Angela Böhm. Allein 2009 hat Datev so 80 000 Euro an Spritkosten eingespart.

Mitarbeiter müssen von Ökologie überzeugt werden

Wie es noch besser geht, zeigt der Bauchemiehersteller Sika Deutschland aus Stuttgart. Der kombinierte die Umstellung auf grünes Blech mit einem Wettbewerb, um Mitarbeiter zum Sparen beim Fahren anzuspornen. Zum einen kommen nur umweltfreundliche Fahrzeuge in die 405 Autos umfassende Flotte.

Zum anderen belohnt Sika sparsame Fahrer: Wer den – meist unrealistischen – Normverbrauch des Herstellers um weniger als zehn Prozent übersteigt oder sogar darunter liegt, erhält einen Gutschein über 100 Euro. Wer das nicht schafft, hat eine zweite Chance: Er muss mit dem eigenen Verbrauch zehn Prozent unter dem des Vorquartals bleiben. „Daraus hat sich ein regelrechter betriebsinterner Sport entwickelt“, sagt Fuhrparkleiter Atilla Böhm.

Höhepunkt ist dann der interne „Eco-Driver“-Wettbewerb, der das jährliche Ökofahrtraining abschließt: Den Siegern winken bis zu 5000 Euro. Die Spendierlaune lohnt sich auch für das Unternehmen: Die Gesamtkosten pro Fahrzeug verringerten sich 2009 um 1000 Euro auf 11 000 Euro, das summiert sich auf eine Flottenersparnis von fast einer halben Million Euro.

Was bei Sika schon gelungen ist, steht anderen Unternehmen noch bevor: Mitarbeiter vom ökologischen Engagement zu überzeugen. Immerhin beobachten Experten einen langsamen Wertewandel — vor allem in den Führungsetagen. „Für Geschäftsführer muss es nicht mehr die S-Klasse sein“, sagt Raiko Chabrowski, Geschäftsführer des Fuhrparkmanagement-Dienstleisters CPM.

Manchmal reichen sogar öffentliche Verkehrsmittel. Der Siemens-Vorstand verblüffte seine Manager im vergangenen Jahr mit dem Plan, sie zum Umsteigen auf Bus und Bahn zu bewegen. Inzwischen verzichten schon zehn Prozent der insgesamt 2500 Führungskräfte auf den Dienstwagen. Als Motivationshilfe lockte der Technologiekonzern mit Geld: Wer mitmacht, kassiert eine monatliche Mobilitätszulage von 650 Euro.

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