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Kliniksaniererin Vor dieser Frau fürchten sich die Krankenhäuser

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Vieles davon will sie in Kärnten umsetzen. Sie mag das Land und seinen Menschenschlag: "Die österreichische Gelassenheit fehlt den Deutschen manchmal", findet Manegold. Klüngel war ihr als langjährige Köln-Bewohnerin nicht neu, "aber die politischen Dimensionen in Österreich habe ich doch unterschätzt", gibt sie zu. Doch sie nutzt ihren größten Nachteil – mangelnden Stallgeruch – geschickt als Vorteil: "Ich war niemandem verpflichtet, habe kein Parteibuch. Das verschafft mir ein hohes Maß an nötiger Neutralität."

Die konnte sie von ihren Klinikdirektoren nicht erwarten. In den fünf Häusern regierten je drei Chefs: ein ärztlicher, einer für den Pflegedienst und ein kaufmännischer. "Der Vorstand hatte kaum Durchgriffskompetenz und weniger Einfluss als der lokale Bürgermeister. Das ist jetzt anders", sagt Manegold, und ein maliziöses Lächeln umspielt ihren Mund.

Erfolge geben Manegold recht

Ihr Glück ist das österreichische Beamtenrecht. Danach werden Direktoren für fünf Jahre bestellt und müssen sich regelmäßig bewerten lassen. "Alle 15 mussten sich in einem Assessment-Center der Frage stellen, ob sie für das Arbeiten in den neuen Strukturen geeignet sind", sagt Manegold. Jetzt verantwortet in jeder Klinik nur noch ein Direktor alle Bereiche.

Erste Erfolge gäben Manegold recht, sagt Stefan Drauschke, Arzt und Chef der Berliner Unternehmensberatung GÖK: "Sie ist auf dem besten Weg zu zeigen, dass ein kommunaler Klinikkonzern mit wirtschaftlich fundierter und mitarbeiterorientierter Führung sowie klaren strategischen Vorgaben ähnlich erfolgreich arbeiten kann wie private Klinikketten."

Noch immer sei es unüblich, als Kauffrau und Alleinvorstand eine Klinikgruppe mit 3000 Betten zu führen und die ärztliche und pflegerische Kompetenz in den nächsten Ebenen intensiv einzubinden. "Das berührt offene oder verdeckte Tabus der oft sehr ärztlich orientierten Expertenorganisationen", sagt Drauschke.

Fachleute statt Politiker

Ihren Erfolg verdankt Manegold vor allem den Rahmenbedingungen des von ihr mitgestalteten neuen Kabeg-Gesetzes. Danach wird der Aufsichtsrat nicht mehr nach politischen, sondern nach fachlichen Kriterien besetzt. Die Kabeg ist jetzt ein Gesamtunternehmen statt ein lockerer Verbund, der Alleinvorstand hat alle Durchgriffsrechte. Der Betriebskostenzuschuss des Landes wird gedeckelt. Kliniken sollen sich auf medizinische Schwerpunkte konzentrieren, ihr Personal gemeinschaftlich nutzen, den Einkauf bündeln und die Verwaltung verschlanken.

Zur Beruhigung der Mitarbeiter steht im Gesetz auch eine Arbeitsplatzgarantie, betriebsbedingte Kündigungen wurden ausgeschlossen. Frei werdende Stellen aber werden in der Regel nicht mehr besetzt, befristete Verträge nicht verlängert. Prompt unterzeichneten 1500 Pflegemitarbeiter eine Petition gegen die Sparmaßnahmen.

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