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Konjunktur Deutschlands neues Wirtschaftswunder

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Konzentration auf Stärken

Viele Unternehmen gehen gekräftigt in eine mögliche neue Krise, weil sie sich von Problem- oder Randsparten getrennt haben, die nicht zum Geschäft passten. Siemens-Chef Peter Löscher etwa konzentrierte sich auf die Felder Industrie, Energie und Gesundheit, verkaufte 2008 weitgehend die Reste der Telekommunikation, die einst größter Umsatzbringer im Konzern war. Und mit dem im Herbst geplanten Börsengang der Lichttechniktochter Osram will sich der Siemens-Chef eines hart umkämpften Geschäftsfeldes entledigen, in das er aufgrund des Technologiewandels enorm investieren müsste.

Auch der Chipproduzent Infineon steht anders da als vor drei Jahren. Konzernchef Peter Bauer verkaufte das zuletzt boomenden Mobilfunkgeschäft an Intel für 1,1 Milliarden Euro bar. Dadurch traf er gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: zum einen verfügt Infineon jetzt über ein nervenschonendes Finanzpolster von 2,6 Milliarden Euro. Das dürfte es dem konjunktursensiblen Unternehmen ermöglichen, auch längere Durststrecken zu bewältigen. Gleichzeitig ist Bauer seine wettbewerbs- und kostenintensivste Sparte los.

Milliarden in Petto

Selten sind Deutschlands Unternehmen mit einem so dicken finanziellen Polster in die Krise gegangen wie heute. Auch im Mittelstand ist die Eigenkapitaldecke reichlich bemessen. „Die Eigenkapitalquote hat sich bei den kleinen und mittleren Unternehmen in den vergangenen Jahren stetig verbessert, auch in der Krise“, sagt Volker Ulbricht, Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftsauskunftei Creditreform. Die Eigenkapital-Quote ist um 30,6 Prozent auf 35,6 Prozent gestiegen. Gewinne wurden einbehalten, frisches Eigenkapital zugeführt. „Insbesondere die Kleinen und mittleren Unternehmen gehen stark wie nie in die Krise“, sagt Ulbricht.

Aber auch die Großen stehen so gut wie nie zuvor da. Ein Drittel der deutschen Top-100-Unternehmen haben nicht nur genug Eigenkapital, sondern darüber hinaus eine negative Nettoverschuldung, also liquide Mittel und Bargeld übrig.

Dermaßen gut gerüstet, werden deutsche Unternehmen vielleicht sogar noch mehr zu Angstgegnern ihrer ausländischen Konkurrenten als zu Leidtragenden der nächsten Krise. Maßvolle Lohnpolitik, flexible Arbeitszeitmodelle, satte Auftragspolster, starke Bilanzen, Fokussierung auf gewinnträchtige Geschäfte – Deutschlands Industrie ist seit der Krise 2008/09 noch weiter nach vorn gefahren.

„Der Abstand zu den internationalen Wettbewerbern“, sagt Christian Schuh von A.T. Kearney, „hat sich sogar noch vergrößert.“

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