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Konzernumbau ThyssenKrupp kopiert Siemens

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Abschied

Wie wird das Modell Siemens für ThyssenKrupp aussehen? Hiesinger, ein Bauernsohn aus dem schwäbischen Bopfingen, der bei Siemens einen rasanten Aufstieg erlebte, bleibt wortkarg. Seine Antworten beschränken sich oft auf ein verschmitztes Lächeln oder ein vielsagendes Schweigen. Einer seiner Lieblingsätze ist: „Sie unterschätzen das.“

ThyssenKrupp soll künftig als Unternehmen dastehen, das international, besonders in Schwellenländern wie Brasilien, Indien und China gut dasteht. Dafür ist der gesamte Vorstand vor Wochen nach China gereist, um mit der chinesischen Wirtschaftselite, dem Wirtschafts- und Planungsministerium zu sprechen. Herausgekommen ist dabei, dass der Konzern in China Werke für Aufzüge bauen will, ThyssenKrupp-Elevator gilt noch als Kernkompetenz des Revierkonzerns. Die Methode, den gesamten Vorstand zum Zwecke der Selbstpräsentation in ein fremdes Land zu schicken, hat Hiesinger von Siemens mitgebracht. Dort schickte Gerhard Cromme – er ist nicht nur Aufsichtsratschef von ThyssenKrupp, sondern auch von Siemens – ebenfalls den gesamten Vorstand nach Russland, um dort eine neue Strategie für die Zulieferung von deutscher Kernenergietechnik für russische Atomkraftwerke zusammen mit den Russen auszuloten.

Archaische Stahlkultur

Auch in Indien will Hiesinger ThyssenKrupp stark vergrößern. 5400 Beschäftigte sind dort zurzeit im Einsatz, vor allem in der Aufzugssparte und im chemischen Großanlagenbau der ThyssenKrupp-Tochter Uhde. Um diese Unternehmen herum will ThyssenKrupp wachsen, vor allem auch organisch durch Hereinholen von Großaufträgen und Vergrößerung der Fertigungskapazitäten.

Viele Beteiligungsunternehmen führen Eigenleben

Über seine langfristigen Ziele im Inland sowie für den Gesamtkonzern hüllt sich der gelernte Elektroingenieur Hiesinger noch in Schweigen. Intern heißt es, er empfinde die Stahlkultur in dem traditionsreichen Ruhr-Konzern als archaisch. Zudem gälten ihm die vielen Beteiligungen im Maschinen- und Komponentenbau als unübersichtlich und noch wenig beherrschbar. Viele Beteiligungsunternehmen, die seit Jahrzehnten zu ThyssenKrupp gehören, pflegen noch immer ein von der Konzernzentrale abgeschottetes Eigenleben. Die Personalentwicklung ist nicht abgestimmt, junge Hochschulabsolventen, die in der Stahlproduktion starten, haben in der Aufzugssparte keine oder wenig Chancen – und umgekehrt.

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