WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Konzernumbau ThyssenKrupp kopiert Siemens

Seite 5/5

Die größte Überraschung landete Hiesinger mit seiner Mitteilung, die gesamte Edelstahlproduktion verkaufen zu wollen. Die Probleme beim Edelstahl sind schon länger Thema. Die Branche in Europa leidet unter Überkapazitäten. Hiesingers Vorgänger Schulz suchte lange vergeblich nach Fusionskandidaten. Dabei hatte er es jedoch versäumt, den Edelstahl mit seiner bekannten Marke Nirosta nach dem Vorbild des Konkurrenten ArcelorMittal auszugliedern, neue Allianzen zu erleichtern.

Mehr noch: Während Schulz in Europa für die vier deutschen Edelstahlwerke neue Partner suchte, ließ er munter ein neues Edelstahlwerk in Alabama planen, gleich neben dem neuen Flachstahlwerk.

Damit ist die Pirouette perfekt. Viele eingefleischte Kruppianer fragen sich, warum überhaupt in USA noch gebaut werden soll. Hiesinger und sein Oberaufseher Cromme spekulieren, den Wert der Edelstahlsparte steigern zu können, wenn das Werk in Alabama hinzukommt.

Gute Aussichten für Stoßdämpferhersteller Bilstein

Am schwierigsten dürfte die Trennung von der US-Tochtergesellschaft Waupaca werden. Die Produktion von Gussteilen aus Stahl oder Aluminium für Getriebe- und Motoren ist kapitalintensiv und erfordert hohe Investitionen, Geld verdienen lässt sich damit nur schwer. „Die meisten Autohersteller produzieren ihre Gussteile selber“, sagt Berater Ostermann.

Für den Stoßdämpferhersteller Bilstein sind die Aussichten zwar etwas besser. „Das ist eine interessante Marke“, sagt Experte Ostermann. Problematisch sei aber, dass 8 der 14 Standorte in Europa liegen. „Komponenten wie die von Bilstein gelieferten Teile werden heute aus Kostengründen überwiegend in Ländern wie China, Indien oder Mexiko gefertigt, selbst einige osteuropäische Standorte sind einfach zu teuer.“

Ein potenzieller Käufer ist nach Ostermanns Einschätzung die chinesische Fawer Automotive Parts, mit rund zwei Milliarden Dollar Jahresumsatz einer der zehn größten chinesischen Zulieferer. Fawer produziert Fahrwerkskomponenten, Motorenteile und Aggregate etwa für Heizung und Klimatisierung und gehört zu den Volkswagen-Zulieferern in China. Mit dem Getriebehersteller ZF Friedrichshafen unterhält das Unternehmen ein Joint Venture. Dass Fawer alle europäischen Produktionsorte übernehmen würde, glaubt Berater Ostermann aber nicht: „Interessant ist Bilstein als Know-how-Lieferant für einen chinesischen Käufer.“

Potente Käufer gesucht

Schwer zu beurteilen sind die Verkaufschancen für die 13 Standorte des Karosserieteileherstellers ThyssenKrupp Tailored Blanks. Einerseits ist die Fertigung so kapitalintensiv wie die Gussherstellung, infrage kommt daher nur ein Interessent mit gut gefüllter Kasse. Kotflügel oder Türen gelten zudem als technologisch wenig anspruchsvoll. Andererseits dürfen die Blechlieferanten nicht zu weit vom Hersteller entfernt produzieren, sonst sind die Kosten für den Transport der schweren Teile zu hoch. Denkbar ist deshalb, dass sich ein Zulieferer aus Deutschland der ThyssenKrupp-Töchter erbarmt. Infrage käme nach Einschätzung von Branchenkennern die Paderborner Familienfirma Benteler mit 23 000 Mitarbeitern und einem Umsatz von sechs Milliarden Euro. In seiner trutzigen Konzernzentrale -wartet Heinrich Hiesinger auf Angebote. 

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%