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Korruption und Spionage In der Krise steigt die Wirtschaftskriminalität

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Laptops können abgefilmt Quelle: ZBSP

Das Bundeskriminalamt verfolgte im Jahr 2008 insgesamt 84550 Fälle von Wirtschaftskriminalität. Durch die Straftaten entstand der Wirtschaft in Deutschland ein Gesamtschaden von 3,4 Milliarden Euro. Das ist ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Aber die Dunkelziffer dürfte weiterhin um ein Vielfaches höher liegen. Denn die wenigsten Delikte werden zur Anzeige gebracht.

Der Grund: Jeder Skandal lässt die interne Revision schlecht dastehen. Und er belastet die Beziehungen zu Geschäftspartnern und Behörden, die Arbeitsmoral der Beschäftigten und bei großen Unternehmen möglicherweise sogar den Aktienkurs.

Risikofaktor Technik

Um so wichtiger sind Präventionsmaßnahmen. 

Grundsätzlich ist jedes IT-Gerät anfällig für Spionage. Sämtliche Firmencomputer müssen daher durch Firewalls geschützt und E-Mails nur verschlüsselt versendet werden. Mitarbeiter dürfen weder Programme herunterladen noch private Messengerdienste benutzen. 

Ein beliebter Trick, um an Informationen aus fremden Unternehmen zu kommen, sind USB-Sticks mit Hacker-Software, die als Werbegeschenke getarnt sind. Einmal verwendet, spähen sie jedes Gerät aus. Immer wieder bringen Putzkräfte oder Boten heimliche Spionagewerkzeuge an. Keylogger werden zwischen Tastatur und PC gesteckt und leiten alle Eingaben weiter. 

Gegen Wanzen helfen abhörsichere Räume. Zusätzlich sollten Handys und Smartphones bei vertraulichen Gesprächen immer ausgeschaltet werden.

Sogar Dokumente und Informationen auf Displays von Laptops oder Blackberrys können noch aus vielen Metern Entfernung gespiegelt und aufgenommen werden. Geschäftsinformationen sollten niemals in der Öffentlichkeit bearbeitet werden.  Und auf Reiselaptops sollten sowieso nur die allernötigsten Informationen mitgenommen werden.

Risikofaktor Mensch

Der typische Täter ist oft ein langjähriger Mitarbeiter, der die genauen Abläufe im jeweiligen Unternehmen kennt und sicher ist, nicht aufzufliegen. Das ergab eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rölfs Partner. Doch bei einer genauen Kontrolle der Zahlungsströme fliegen Ungereimtheiten oft schon auf. Die beste Prävention sei daher, ein transparentes und effektives Controlling einzuführen, das potenziellen Tätern klar macht, dass sie in jedem Fall erwischt werden.

Dazu müssen Unternehmen eine kritische Risikoanalyse durchführen, die aufzeigt, wo externe und interne Quellen für Kriminalität liegen. Alle sensiblen Entscheidungsprozesse sollten nach dem Vier-Augen-Prinzip erfolgen.

Außerdem sollten Unternehmensrichtlinien eingeführt werden, die beispielsweise besagen dass grundsätzlich keine Bestechungsgelder gezahlt werden und dass Mitarbeiter keine Geschenke annehmen dürfen. An diesen Codex müssen sich alle halten, andernfalls müssen sie einheitlich bestraft werden – vom Pförtner bis zum Vorstand.

„Besonders die Chefetage muss solche Regeln vorleben“, betont Sicherheitsberater Nagel und kritisiert gleichzeitig die zu lasche Strafverfolgung. Laut PwC-Studie landen Betrugsfälle von Topmanagern seltener vor Gericht, nämlich nur in 33 Prozent der Fälle. Beim mittleren Management sind es immerhin 49 Prozent, andere Beschäftigte werden in 54 Prozent der Fälle angezeigt.

Die PwC-Studie ergab darüber hinaus, dass sieben von zehn Straftaten durch Tippgeber aufgedeckt werden. Um diese Zahl weiter zu erhöhen, sollten Unternehmen „Whistleblower“-Systeme einrichten, über die Mitarbeiter Auffälligkeiten auch im Verhalten von Vorgesetzten an einen unabhängigen Prüfer melden können.

Manchmal werden Mitarbeiter aber auch manipuliert, damit sie Informationen preisgeben. Beim sogenannten „Social Engineering“ bedienen sich Spione psychologischer Tricks: Da werden Ingenieure in Fachdiskussionen verwickelt bis sie Spezialwissen verkünden. Sekretärinnen werden nach der Familie und Hobbys des Chefs ausgefragt, um aus den Informationen Passwörter zusammen zu setzen. Oder einzelne Mitarbeiter werden mit Gefälligkeiten überhäuft bis sie erpressbar werden. Hier helfen nur Schulungen und die ständige Sensibilisierung der Angestellten und Führungskräfte.

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