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Korruptionsaffäre Warum MAN Millionen von seinem Ex-Chef fordert

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MAN sah es 2009 als Erfolg, durch die Vorschriften das Volumen der gesamten Provisionszahlungen in Deutschland von rund zwei Millionen Euro pro Jahr auf einen sechsstelligen Betrag gedrosselt zu haben. Inzwischen wurde das Provisionunwesen ganz gestoppt. Das war es, was Samuelsson versäumt hatte. Er hätte viel schneller - und härter - durchgreifen müssen. Rund 20 von der internen Revision festgestellte Provisionsmissbrauchsfälle hat MAN selber geregelt und die Übeltäter entlassen. Nur ein Ex-Mitarbeiter wurde vom Unternehmen angezeigt und 2008 in Augsburg verurteilt: Wer ihm Wartungsaufträge gab, bekam als Dankeschön Kühlschränke, Fernseher und andere Elektrogeräte geschenkt. Samuelsson, der sich als Saubermann und Vorreiter in Sachen Compliance sah, wurde tragisch zum Opfer der alten Compliance-Unkultur - die Korruption, Kickback-Zahlungen, Kartellabsprachen und Steuerhinterziehung als lässliche Sünden sah. Dass er dafür nun so hart zur Rechenschaft gezogen wird wie kein Manager vor ihm, erscheint ungerecht. Denn mit der ruinösen 237-Millionen-Forderung wird ein Manager konfrontiert, der zu keinem Zeitpunkt im Verdacht stand, ein Schmiergeldsystem bewusst geduldet zu haben oder gar selber von verdeckten Zahlungen profitiert zu haben.

Ex-MAN-Chef wird extrem hart angefasst

Samuelsson hat "nur" versäumt, die maximalen Maßnahmen gegen Korruption und unfaire Wetbbewerbspraktiken zu ergreifen. Das passt auch zum verschärften Trend in der Anwendung des Strafrechts. So verurteilte der Bundesgerichtshof vor anderthalb Jahren den Revisionschef eines Unternehmens wegen Beihilfe zum Betrug nur deshalb, weil der nicht alles getan hatte, um eine Wirtschaftsstraftat zu verhindern, an der er selber aber nicht beteiligt war. Fazit: Was bei Samuelsson beschönigend politische Verantwortung genannt wird, ist schlicht Verantwortung. Trotzdem darf einem der fähige und sympathische Manager, der nun bei Siemens im Aufsichtsrat sitzt und mitansehen musste, wie der frühere Vorstandschef Heinrich von Pierer mit fünf Millionen Euro Schadenersatz für die dortige Korruptionsaffäre glimpflich davon kam, leid tun. Von Pierer hatte viel mehr als Samuelsson den Eindruck vermittelt, er verkörpere persönlich das Recht und stehe über den Paragraphen. Insofern liegt im Recht, das Piëch nun an Samuelsson anwenden will, auch ein Unrecht. Und hätte Piëch sich selbst so hart behandelt, wäre er bei Volkswagen nicht mehr im Amt. Dessen Konzern hat unter Piëchs Oberaufsicht immerhin die unvergessene VW-Affäre um bestochene Betriebsräte und Sex-Reisen auf Firmenkosten hervorgebracht, für die der damilge VW-Personalchef Peter Hartz verurteilt wurde. Für den Skandal hätte Piëch nach dem Maßstab, den er nun an Samuelsson anlegt, auch selber büßen müssen.

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