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Kostenlos-Kultur Das Umsonst-Prinzip revolutioniert die Wirtschaft

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Buchautor Anderson Quelle: laif

Drei Monate später lagen die Ergebnisse dieses kühnen Unterfangens vor. Die DVDs von Monty Python lagen in der Rubrik Filme und Fernsehserien auf Platz zwei der Verkaufshits bei Amazon, die Verkaufszahlen hatten sich um sagenhafte 23.000 Prozent erhöht. Das Konzept „Free“ hat funktioniert, und das mehr als gut.

Ich selbst schreibe diese Zeilen auf einem Netbook-Computer für 250 US-Dollar, der neuesten Laptop-Generation mit rasanten Zuwachszahlen. Das Betriebssystem ist eine Gratisversion von Linux, obwohl das für mich gar keine Rolle spielt, da ich mit keinem anderen Programm arbeite als mit dem freien Web-Browser von Firefox – selbstverständlich auch Freeware. 

Paradoxe Verkausfssituation

Kein Programm auf meinem PC hat mich auch nur einen Cent gekostet, ganz gleich, ob ich damit E-Mails oder Twitter-Nachrichten versende. Auch der drahtlose Internet-Zugang kostet mich nichts, denn das übernimmt das Internet-Café, in dem ich gerade sitze.

Das ist das Paradoxe an Free: Die Unternehmen verdienen sich eine goldene Nase, obwohl ihre Produkte oder Dienstleistungen nichts kosten. Natürlich ist nicht alles kostenlos erhältlich, doch immerhin ist ein Markt für Produkte zum Preis von 0,00 US-Dollar entstanden, der dem eines großen Staates entspricht. 

Wie war diese Entwicklung möglich, und wohin führt sie noch?

1.600 Amphitheatre Parkway, Mountain View, Kalifornien – das ist die Hochburg von Free. Die Rede ist von Googleplex, der Zentrale des größten aller Unternehmen, die ihr Geld mit dem Verschenken von Dingen verdienen. 

Derzeit bietet Google an die 100 Produkte an, von Bildbearbeitungssoftware bis Textverarbeitungs- und Tabellenkalkulationsprogrammen – und fast alle zum Nulltarif. Dabei geht Google so vor, wie es einem modernen digitalen Unternehmen ansteht: Es verschenkt eine Reihe von Dingen und verdient seine Brötchen mit einigen wenigen anderen. 

Mit den Werbeeinnahmen bei einer Handvoll von Kernprodukten verdient sich Google eine derart goldene Nase – überwiegend mit Suchergebnissen und Werbeanzeigen, die auf den WebSeiten Dritter platziert werden und an deren Umsatz Google beteiligt ist –, dass es sich es leisten kann, ansonsten Free zu folgen.

Das klingt verrückt? Für Konzerne wie General Motors oder General Electric wäre es das vermutlich auch, aber für Firmen in der digitalen Welt kann sich so ein Ansatz als goldrichtig entpuppen, denn es ist der beste Weg, den größtmöglichen Markt zu erreichen und die Massen für ein neues Produkt zu begeistern. Googles CEO Eric Schmidt bezeichnet diese Taktik als „Max-Strategie“, und er ist sich sicher, dass sie eines Tages die Informationsmärkte bestimmen wird. 

Man muss nicht groß darüber nachdenken, um darauf zu kommen, weshalb diese Entwicklung den Branchen Angst macht, deren Einfluss auf die Preisgestaltung schwindet. Für alle Betroffenen ist die „Demonetarisierung“ traumatisch. 

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