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Kostenlos-Kultur Das Umsonst-Prinzip revolutioniert die Wirtschaft

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Das Buchcover von

Trotzdem können Sie aufatmen: Immerhin geht der Wert nicht verloren, er wird lediglich neu verteilt und mitunter auf eine Art und Weise, die sich nicht in Geld messen lässt. 

Um zu sehen, wie dies in der Praxis aussehen soll, werfen wir einen Blick auf Craigslist, das zentrale städtische Online-Netzwerk mit Anzeigenseiten für alle möglichen Bedürfnisse, von Jobs, Wohnungen über Handwerker und Dienstleistungen bis hin zu Foren und vielem anderen mehr. 

Seit seiner Gründung vor 13 Jahren gilt Craigslist bei den Zeitungsverlagen Amerikas als Sündenbock, der ihnen durch seine kostenlosen Kleinanzeigen mindestens 30 Milliarden Wertverlust an der Börse eingebracht haben soll. Trotzdem macht Craigslist gerade einmal genug Gewinn, um die Rechnungen für seine Server bezahlen und sich ein paar Dutzend Mitarbeiter leisten zu können. 

2006 machte die Web-Seite über die paar Sachen, die es nicht kostenlos anbietet – eine Jobbörse in elf US-Städten und eine Wohnungsbörse in New York City – einen Gewinn von 40 Millionen US-Dollar. Das sind gerade einmal zwölf Prozent der 326 Millionen US-Dollar, um die der Umsatz im Bereich Kleinanzeigen jährlich sinkt.

Kombination aus umsonst und bezahlt entscheidend

Doch der Gründer Craig Newmark schöpft nur einen Bruchteil des gesamten Werts ab, denn das meiste davon wird in irgendeiner Form auf die Hunderttausende von Besuchern dieser Web-Seite umgelegt. 

Im Vergleich zu den herkömmlichen Kleinanzeigen in den Tageszeitungen sparen die Besucher von Craigslist eine Menge Geld, und ihre Anzeige ist länger öffentlich. Wer sich durch die Kleinanzeigen klickt, dem bietet Craigslist die ganz normalen Vorteile des Internets, von einfachen Suchfunktionen über automatische Benachrichtigungen.

Da beides zusammen sehr viele Besucher anzieht (genau, die Max-Strategie), ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Wohnungsinhaber einen Interessenten für sein Apartment oder der Unternehmenschef einen neuen Mitarbeiter findet, höher als bei anderen Medien. Free hat die Kunden zwar angelockt, aber geblieben sind sie wegen der hohen Markteffizienz, die mit ihm einhergeht.

Anzeigen ermöglichen kostenlose Internet-Spiele

Vor der Präsidentschaftswahl in Nordamerika 2008 fiel den Spielern, die sich mit einem Live-Autorennen namens Burnout Paradise auf ihrer Xbox vergnügten, auf, dass eine der Plakatwände an der Rennstrecke in ihrem Spiel bemerkenswert aktuell war. Man sah Barack Obama, der einen einlud, voteforchange.com, eine der Web-Seiten seiner Wahlkampagne zu besuchen. 

Nein, es handelte sich hierbei nicht um eine politische Aussage der Programmierer. Obamas Wahlbüro hat für diese Werbung in die Tasche greifen müssen. Und das ist nur eine von Tausenden von Werbeanzeigen, die sich in Videospielen für Spielkonsolen wie der Xbox 360, Sony PS3 oder auf PCs breitmachen.

In einigen Fällen sorgen diese Anzeigen für zusätzliche Einnahmen, doch zunehmend ermöglichen sie das kostenlose Spielemodell. Es gibt Spiele, in denen die Werbung bereits von Anfang an in das Originalspiel integriert ist, doch da die Anzahl an Online-Spielen konstant zunimmt, lassen sich die Werbeanzeigen auch im Handumdrehen einbauen, indem die Plakatwände, die Poster an den Häuserfassaden oder sogar die Kleidung der Charaktere je nach Werbeträger Gestalt annehmen. 

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