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Kostenlos-Kultur Das Umsonst-Prinzip revolutioniert die Wirtschaft

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Der brasilianische Quelle: dpa/dpaweb

Es stimmt schon, dass sein Experiment gescheitert ist, aber das sagt mehr über sein Experiment denn über Free aus. Wer direkt neben seinem Geschenk eine Spendenbüchse aufstellt, macht, wie es Mike Masnick von Techdirt – einer Plattform für Neues aus der Welt der Technik – so schön ausdrückte, den Fehler, „etwas herzuschenken und dann auf den lieben Gott zu vertrauen“. Im Prinzip können wir in seinem Fall nicht von einem gescheiterten Geschäftsmodell sprechen, sondern müssen so ehrlich zugeben, dass es überhaupt keines war.

Was wäre denn ein besseres Geschäftsmodell? Als Erstes: Verschenken Sie Ihr Buch zum Zeitpunkt des Erscheinens, nicht erst Jahre später. 

Nehmen wir Paulo Coelho. Im Jahr 2007 stiegen die Verkaufszahlen seiner Bücher auf mehr als 100 Millionen Stück an, was er größtenteils auf den Rummel zurückführt, der um ihn gemacht wurde, als er Exemplare seines beliebtesten Buchs „Der Alchimist“ und Dutzende von Übersetzungen seiner neuen Bücher auf Internet-Tauschbörsen wie BitTorrent stellte.

Bücher umsonst

Anfangs war sein Verlag HarperCollins alles andere als begeistert von der Idee, dass einer seiner besten Autoren zum Produktpiraten seines eigenen Buchs mutiert. Deshalb verfasste Coelho ein Fake-Blog namens Pirate Coelho, in dem er sich als Fan ausgab, der sich anschickte, die Werke des Autors zu „befreien“. 

Damit erregte er die gewünschte Aufmerksamkeit, und sogar seine älteren Bücher fanden sich erneut auf der Bestsellerliste der „New York Times“. Als 2007 sein neues Buch „Die Hexe von Portobello“ erschien, machte er genau dasselbe noch einmal, und wieder wurde es ein Bestseller. 

Das wiederum erregte die Aufmerksamkeit von HarperCollins. Der Verlag beschloss letztendlich, jeden Monat ein neues Buch von Coelho auf dessen Web-Seite kostenlos anzubieten (die Dauer dieses Angebots war jedoch auf einen Monat beschränkt, und das Format war so kodiert, dass sich die Datei nicht ausdrucken ließ). 

Preispolitik auf Basis von Versioning

Selbst weniger bekannte Autoren können das Prinzip erfolgreich nutzen. Matt Mason – aus seiner Feder stammt „The Pirate’s Dilemma“ – bot den Lesern seines E-Books an, nur das zu zahlen, was es ihnen wert war. Im Schnitt wurden 5 US-Dollar je Buch per PayPal überwiesen. Von den knapp 8.000 Anwendern, die sich sein Buch herunterluden, zahlten sechs Prozent den Durchschnittspreis von 4,20 US-Dollar. 

Insgesamt sind das nur ein paar Tausend US-Dollar Umsatz, aber er ist davon überzeugt, dass ihm diese Aufmerksamkeit einen Zusatzverdienst in Höhe von 50.000 US-Dollar für Vorträge bescherte.

Die Wirtschaft hat kein Problem mit Preisen von null. Die Preispolitik basiert in der Regel auf dem sogenannten Versioning, dem Anbieten von Produkten bei unterschiedlichen Zielgruppen zu unterschiedlichen Preisen. 

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