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Kostenlos-Kultur Das Umsonst-Prinzip revolutioniert die Wirtschaft

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Die Twitter-Gründer Biz Stone Quelle: AP

Bei Facebook und MySpace sind es die „Freunde“. Bei Ebay die Bewertung von Käufern und Verkäufern, bei Twitter die „Followers“, bei Slashdot kann man „Karma“ sammeln und so weiter. 

Alle Beispiele haben eines gemeinsam: Die Anwender können Imagekapital gewinnen und gegen Aufmerksamkeit eintauschen. Natürlich ist es dem Einzelnen überlassen, diese wiederum in Geld umzutauschen (woran viele kein Interesse haben), doch die Quantifizierung von Aufmerksamkeit und Image ist mittlerweile eine globale Angelegenheit geworden. In diesem Markt spielen wir, bewusst oder unbewusst, alle mit. Image als ehemals immaterielles Gut wird zunehmend greifbar.

Free ist weder Wunderwaffe noch Patentlösung. Wenn Sie verschenken, was Sie in Ihrem Beruf am besten können oder zu bieten haben, werden Sie nicht automatisch reich davon. Sie müssen sich schon etwas einfallen lassen und kreativ darin sein, wie sich ein guter Ruf und die Aufmerksamkeit, die man Ihnen wegen Free schenkt, in klingende Münze umwandeln lässt. 

Vernünftiges Free-Geschäftsmodell ist kein Kinderspiel

Bei jedem Menschen und jedem Projekt kann die Antwort auf diese Frage anders ausfallen, und manchmal wird es einfach nicht klappen. So ist das Leben nun mal – mir ist es nur ein ewiges Rätsel, weshalb man dann das Gratiskonzept zum Sündenbock für den eigenen Mangel an Vorstellungsvermögen und die eigene Intoleranz gegenüber einem möglichen Scheitern macht. 

Denken Sie jetzt bloß nicht, dass es ein Kinderspiel wäre, ein vernünftiges Geschäftsmodell aus Free zu entwickeln. Werfen wir doch mal einen Blick auf Twitter, dem (selbstverständlich kostenlosen) unglaublich populären sozialen Netzwerk, bei dem angemeldete Nutzer Textnachrichten mit höchstens 140 Zeichen erstellen und sie anderen Anwendern schicken, um die ganze Welt in kurzen Haiku-artigen Schnipseln erfahren zu lassen, was sie so treiben. 

Das Konzept „Kostet-nichts“ ist allein nicht genug

Nachdem das Twitterfieber nun die ganze Welt erfasst hat, hat das Unternehmen es endlich geschafft, die Rechnungen für die Bandbreite zahlen zu können. Letztes Jahr hat es einen Umsatzguru damit beauftragt, ein Geschäftsmodell zu entwickeln, und hat angekündigt, seine Strategie 2009 verkünden zu wollen.

Spekulationen, wie das wohl konkret aussehen könnte, reichen von Unternehmen, die dafür zahlen, dass ihre „Tweets“ Verbrauchern empfohlen würden (was ungefähr so ist, wie wenn man auf Facebook „Burger King“ als Freund hinzufügen würde) bis zum Nachweis der Benutzeridentität, um Missbrauch zu verhindern. Der Umsatzexperte hat auf jeden Fall alle Hände voll zu tun. 

Was heißen soll: Das Konzept „Kostet-nichts“ ist allein nicht genug. Es muss schon in irgendeiner Form mit dem Konzept „Kostet-was“ gepaart werden. Ebenso wie Gillettes kostenlose Rasierer nur Sinn ergaben, weil sie mit dem Kauf teurer Klingen gekoppelt wurden, sind die Inhaber von Web-Unternehmen gefordert, den Verbrauchern nicht nur Produkte anzubieten, die diese gerne kostenfrei nutzen, sondern auch solche, für die sie gerne gutes Geld hinblättern. 

Free mag zwar der beste Preis sein, er darf aber nicht der einzige bleiben.

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