WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Krisenmanagement Wie Manager gegen die Krise kämpfen

Seite 2/9

Branche: Sportartikel

Matthias Malessa: Personalchef bei Adidas geht auf Sparkurs Quelle: Andreas Körner für WirtschaftsWoche

Problem: Befürchtete Konsum-Unlust

Lösungsansatz: Einstellungsstopp, Sparprogramm, Marketingoffensive

Matthias Malessa fällt nicht weiter auf – wie alle hier ist er ein sportlicher Typ. Wer den 49-Jährigen im blau-gelben College-Blouson bei Adidas sieht, möchte ihm am liebsten ein Football-Ei zuwerfen und mit ihm ein Spielchen auf dem Unternehmenscampus beginnen. Malessa ist der Personalchef von Adidas, und auf den ersten Blick sieht nichts nach Krise aus im fränkischen Herzogenaurach. Europas größter Sportartikelhersteller ist 2008 gewachsen, dank Olympia und Fußball-EM dürfte der Umsatz über den 10,3 Milliarden Euro des Jahres 2007 liegen. Malessa kümmert sich um 37.000 Mitarbeiter in weltweit mehr als 150 Tochterunternehmen – so viele waren es noch nie.

Doch das war gestern. 2009 droht Ungemach – wer weiß, wie Käufer und Läufer weltweit auf die Wirtschaftskrise reagieren? Treiben sie weiter im gewohnten Maß Sport? Kaufen sie auch künftig neue Laufschuhe, wenn die alten erste Macken haben? Wie entwickelt sich der Sportmarkt?

Die Adidas-Spitze begegnet der Unsicherheit mit einer Doppelstrategie: einerseits mit verstärktem Marketing. Andererseits mit einer vorsichtigen Personalpolitik – ein Fall für Malessa. Die Linie hat Konzernchef Herbert Hainer in einer Mail an alle Mitarbeiter vorgegeben, in der er einen Sparkurs ankündigte. Die Finanzkrise, schrieb der Vorstandschef, verändere die Märkte und auch das Verhalten der Kunden. Damit, so Hainer, „bedroht die Krise auch unsere Geschäftsaussichten“.

Für Malessa heißt das, er darf neue Leute allenfalls noch in den Läden einstellen, die Adidas in Eigenregie in Wachstumsmärkten wie China eröffnet. Darüber hinaus muss er, wie seine Kollegen bei Lufthansa und SAP, einen Einstellungsstopp exekutieren. Frei werdende Stellen werden nicht wieder besetzt; die Arbeitsbelastung für die verbleibenden Mitarbeiter steigt zunächst einmal. Für Adidas ist das eine ungewohnte Situation: In den vergangenen Jahren hatte der Konzern kräftig aufgestockt.

Balance zwischen Sparen und Investieren

Wie konsequent Malessa sparen muss, zeigt sich bis ins Detail. Obwohl 2008 ein großes Sportjahr mit den Olympischen Spielen in Peking und entsprechendem Stress für die Mitarbeiter war, fallen die beliebten Jahresabschluss-Partys aus, die der Konzern üblicherweise in allen seinen Dependancen rund um den Globus veranstaltet. So spart Adidas weltweit gut 4,6 Millionen Euro. Bei einem Umsatz von mehr als zehn Milliarden Euro ist das zwar ein symbolischer Beitrag. Doch Personalchef Malessa betont: „Wir arbeiten an der richtigen Balance zwischen Sparen und Investieren.“ Dazu gehören etliche Einschnitte.

Der für 2009 geplante Bau eines Fitness-Centers für die Mitarbeiter in der Zentrale ist abgesagt. Das Gebäude sollte einen zweistelligen Millionenbetrag kosten. Der Reiseetat soll um 15 Prozent gesenkt, auf externe Berater möglichst verzichtet werden. Schon vor drei Jahren wurden die Kekse bei Besprechungen abgeschafft; nun soll auch am Büromaterial gespart werden. Der Einkauf von Papier und Briefumschlägen wird stärker zentralisiert; das bringt Mengenrabatte und spart somit Geld. „Wenn man das für 150 Länder macht, kommt schon einiges zusammen“, sagt Malessa.

Der gelernte Volkswirt weiß, wo sich sparen lässt. Seine Karriere bei Adidas begann er als Controller. Malessa schiebt einen USB-Stick in den Rechner. Der Stick ersetzt die mehrseitigen Kostenstellenberichte, die Malessa aus allen Teilen des Konzerns erhalten hat. Der Konzern sei toll gewachsen, sagt er. Aber jetzt sei es an der Zeit zu schauen, wo „wir Speck angesetzt haben. Das ist wie ein Fitnessprogramm“.

Gleichwohl setzt Adidas alles daran, die Nachfrage nach seinen Produkten zu steigern. So hat Konzern-Chef Hainer einen millionenschweren Ausrüstervertrag mit dem Internationalen Leichtathletik-Verband abgeschlossen und den Sponsoringvertrag mit dem weltweit populärsten Rugby-Team, den All Blacks aus Neuseeland, verlängert. Beide Verträge überbrücken das Jahr 2009 locker – sie laufen bis 2019. Keine Partys, kein Fitness-Center für die Mitarbeiter. Von Reisekosten bis zum Büromaterial: Adidas spart überall.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%