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Krisenmanagement Wie Manager gegen die Krise kämpfen

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Branche: Zeitarbeit

DIS-Regioanlchefin in Dresden: Marion Haring Quelle: Jürgen Lösel

Problem: Fehlende Anschlussaufträge

Lösungsansatz: Weiterbildung, verstärkte Akquise

Seit einigen Wochen beschleicht Marion Haring ein ungutes Gefühl, wenn sie ihren Reinraumanzug anlegt und eines der Halbleiterwerke in Dresden betritt, um ihre Mitarbeiter zu besuchen. „Die Stimmung ist schlecht“, sagt sie. „Die Halbleiterindustrie leidet ja bereits etwas länger als die restliche Wirtschaft, aber das ist die schlimmste Situation, die ich je erlebt habe.“

Die 55-Jährige leitet die Dresdner Niederlassung des Zeitarbeitsunternehmens DIS, einer Tochtergesellschaft des Weltmarktführers Adecco. Viele ihrer Mitarbeiter im „Silicon Saxony“, wie die Region an der Elbe in Anspielung an die US-Halbleiterhochburg Silicon Valley heißt, sind in den Chipfabriken krisengeschüttelter Hersteller wie Infineon und AMD beschäftigt. Qimonda etwa konnte kurz vor Weihnachten gerade noch einmal mit Steuergeldern aus Sachsen und Portugal vor der Pleite gerettet werden.

Zu Beginn des Jahres 2008 hatte die resolute Personalmanagerin 1000 Leiharbeiter, meist Fachkräfte wie Mikroelektroniker oder Techniker, an die Unternehmen entliehen. Davon sind nur noch 600 im Einsatz, rund 100 stecken in Weiterbildungsmaßnahmen. Von etwa 300 Mitarbeitern hat sie sich getrennt.

Haring bemüht sich, neue Jobs für Mitarbeiter zu finden, die von den entleihenden Unternehmen zurückgeschickt werden. Falls sich für Mitarbeiter keine neue Stelle findet und die DIS auch keine Weiterbildungsmaßnahme vermitteln kann, bleibt ihr allerdings nur die Kündigung.

Leichter Aufschung für zweite Jahreshälfte erwartet

Diese letzte Konsequenz versucht sie, falls irgend möglich, zu vermeiden: Haring und ihre Personaler schieben oft am Wochenende Überstunden, um Gespräche mit den Mitarbeitern zu führen und bei den Kunden-Unternehmen nach geeigneten Arbeitsplätzen zu suchen. Wenn sie einen neuen Einsatzort für ihre Mitarbeiter angeboten bekommt, hilft sie ihnen bei der erforderlichen Bewerbung. Es kam auch schon vor, dass die Chefin höchstselbst das Anschreiben verfasste.

DIS-Managerin Haring weiß, wie wichtig das für sie selbst und ihren Arbeitgeber ist. Denn Mitarbeiter, die sie jetzt ziehen lassen muss, könnten ihr fehlen, wenn die Krise überstanden ist. Leiharbeiter sind die Ersten, von denen sich Unternehmen im Abschwung trennen, sie sind aber auch die Ersten, die zu Beginn des Aufschwungs wieder nachgefragt werden.

Auch deshalb kümmert sich die Verleiherin so nachdrücklich um ihre Leute. Als im Dresdner Rathaus eine Datenbank für Arbeitssuchende eingerichtet wurde, in der ihre Leiharbeiter, weil ja bei DIS fest beschäftigt, fehlten, reagierte sie prompt: „Ich habe das persönlich genommen und musste etwas tun.“ Sie verfasste einen persönlichen Brief, in dem sie die Vorzüge ihrer Mitarbeiter herausstellte, und schickte ihn an 200 Unternehmen im Umkreis, mehr als die Hälfte antwortete. 25 neue Aufträge konnte sie so einholen, 100 DIS-Leiharbeiter fanden einen Einsatzort.

Zwei Tage in der Woche ist Haring auf Achse, um mit Personalabteilungen in den Unternehmen zu verhandeln und Einsatzorte für ihre Mitarbeiter zu akquirieren. „Die Verhandlungen sind schwierig“, sagt sie. Doch sie will nicht aufgeben.

Für das erste Halbjahr 2009 sieht sie zwar schwarz. Gerne würde sie Kurzarbeit beantragen – doch noch steht nicht fest, ob dies für Zeitarbeitsunternehmen wie DIS überhaupt möglich ist. Haring will auch versuchen, ihren Mitarbeitern noch mehr Weiterbildungsmaßnahmen als bisher anzubieten.

Für die zweite Hälfte des Jahres erwartet sie bereits wieder einen leichten Aufschwung. Und dann, meint sie zuversichtlich lächelnd, würden sich die Unternehmen vielleicht schon wieder um jeden Techniker prügeln.

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