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Krisenmanagement Wie Manager gegen die Krise kämpfen

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Branche: Maschinenbau

Problem: Aufträge gehen zurück

Lösungsansatz: Flexible Arbeitszeit, Umstrukturierung

Krise hin, Krise her – über die Feiertage gönnt sich Firmenpatriarch Dietmar Hermle, Vorstandssprecher der Maschinenfabrik Berthold Hermle im schwäbischen Gosheim, Skiferien in Lenzerheide im schweizerischen Graubünden. Denn bei dem Fräs- und Bearbeitungsmaschinenbauer ruht die Arbeit für drei Wochen. Nur eine Notbesetzung für Service und Vertrieb steht bereit; Bauleute und Montagetruppen nutzen die Gelegenheit für ungestörtes Arbeiten.

Mit der erwarteten Rezession hat die Betriebsruhe nichts zu tun. Zweimal im Jahr macht Hermle eine mehrwöchige Pause. „Das haben wir auch in Zeiten größten Auftragsdrucks so gemacht“, sagt er, „unsere Leute schaffen übers Jahr schwer und brauchen Erholung.“ Das Unternehmen jedenfalls, beruhigt Hermle seine Leute, gehe „gestärkt in die Rezession, schlaflose Nächte bereitet mir die Krise nicht“.

Der 55-Jährige, der seit 1993 die Familienfirma führt, muss ein kleines Kunststück schaffen. Vorhandene Aufträge sind termingerecht zu Ende zu bringen. Danach aber muss er die Produktion herunterfahren, weil die Aufträge zurückgehen. So schiebt Hermle derzeit noch ein Auftragspolster von zwei Monaten vor sich her. Bis Ende September hatte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um über 20 Prozent zugelegt, auch in den vergangenen vier Berichtsjahren waren Umsatz und Ergebnis jeweils zweistellig gewachsen. Noch vor wenigen Wochen fuhren die Mitarbeiter sogar Überstunden, doch jetzt ist der schwäbische Mittelständler sicher: „Im nächsten Jahr geht es bergab, und mit einem Jahr ist es nicht getan.“

Langer Bremsweg für Hermle

Sorgen um ihren Arbeitsplatz müssen sich die Mitarbeiter dennoch nicht machen. Wie eine Krise ohne harte Personalmaßnahmen zu meistern ist, hat Hermle bereits 2002 durchexerziert. Damals war der Umsatz innerhalb eines Jahres um fast 30 Prozent abgestürzt. „Das war“, sagt der Firmenchef, „eine gute Übung für uns.“ Die kann Hermle jetzt wiederholen. Die Instrumente dazu sind da. Die Arbeitszeitkonten der meisten Mitarbeiter sind bis zum Anschlag auf 200 Stunden gefüllt. Fehlen die Aufträge, können die Beschäftigten ihre Konten auf ein Minus von 200 Stunden herunterfahren.

Damit hat sich Hermle einen langen Bremsweg gebahnt. Gäbe es zum Beispiel ein Drittel weniger Arbeit als bisher, könnte das Unternehmen diese Durststrecke über 30 Wochen durchhalten, ohne Mitarbeiter entlassen oder Kurzarbeit anmelden zu müssen. Für die kommenden Monate hat Hermle Betriebspausen rund um Brückentage und Wochenenden bereits angekündigt. Seit Dezember arbeiten viele Mitarbeiter ohnehin nur noch die normale Wochenarbeitszeit von 38 Stunden.

Zugleich will Hermle die Zeit, in der es weniger zu tun gibt, für Weiterbildung und Umstrukturierungen der Produktion und der Abläufe nutzen: „Da hat sich in den vergangenen Jahren ein Nachholbedarf aufgebaut.“ Das Geld dafür ist da. Hermle geht zuversichtlich in die Krise. Erst kürzlich hat er die neuen Ausbildungsverträge für die Lehrlinge unterschrieben, die im September 2009 bei ihm anfangen. Die Zahl der Neuanfänger hat er noch einmal deutlich erhöht. Fast 90 Auszubildende lernen dann bei dem Mittelständler, der rund 800 Mitarbeiter beschäftigt.

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