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Krisenmanagement Wie Manager gegen die Krise kämpfen

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Branche: Automobil

Problem: Nachfrageeinbruch

Lösungsansatz: Taktzeiten verlängern, mehr Verantwortung für die Mitarbeiter

Karl Anton, 53 Jahre alt, seit 25 Jahren bei Ford, pflegt einen klaren und offenen Umgangston. Der Leiter des Fiesta-Werks in Köln-Niehl will seinen Mitarbeitern auch nichts vormachen: „Ich kann meinen Leuten zwar sagen, wie unsere Finanzzahlen aussehen. Aber wenn sie mich fragen, ob ihr Arbeitsplatz hundertprozentig sicher ist oder wie viele Fahrzeuge wir dieses Jahr im Mai produzieren werden, dann kann ich darauf nur erwidern, dass ich das auch nicht weiß.“

Anton ist verantwortlich für über 4.000 Beschäftigte, die er durch den aktuellen Schlamassel führen muss. Drei-, viermal am Tag kommen Mitarbeiter in sein Büro, die sich Sorgen um ihren Job machen. „Das geht mir wirklich nahe“, sagt Anton. Er musste auch schon 600 Zeitarbeiter nach Hause schicken – eine heikle Aktion. Denn die Leihkräfte wurden teilweise durch Ford-Mitarbeiter aus anderen Betrieben ersetzt, etwa aus dem Getriebebau oder dem Ersatzteillager. Zuvor mussten die Leihkräfte die Ford-Arbeiter oft noch für die Tätigkeit am Band anlernen. „Da bin ich hingegangen und hab mit den Leiharbeitern und unseren Ford-Mitarbeitern geredet“, sagt Anton, „einfach war das nicht.“

Er versucht zu retten, was zu retten ist; sucht den direkten Kontakt. Früher, erzählen Mitarbeiter, hätten die Kollegen den damaligen Werksleiter kaum gesehen. Anton hingegen läuft – im Pullover oder mit offenem Hemd­­­­­kragen – häufig durch die Fertigung.

Mit Selbstständigkeit und Eigeninitiative durch die Krise

Der Werksleiter hat in den vergangenen Jahren die Produktion modernisiert und die Arbeiter zu Selbstständigkeit und Eigeninitiative angehalten – davon profitiert er nun in der Krise. Ford musste etwa die Fiesta-Produktion von 1830 auf 1750 Fahrzeuge am Tag drosseln; dadurch verlängern sich nun die Taktzeiten. Anton sorgte dafür, dass die Werker die daraus resultierenden Probleme in Eigenregie lösen. „Die Mitarbeiter entscheiden selbst, wie sie ihre Arbeit neu organisieren, wer welchen Handgriff ausführt.“ Ein Arbeitsplaner, sagt er, „würde dafür Wochen oder Monate brauchen“.

Kleinere Krisen erledigen die Mitarbeiter nun selbstständig. Neulich, zur Spätschicht, Anton war bereits zu Hause, hatte ein Zulieferer versehentlich nur rechte Bremsleitungen geliefert. Um die Montage trotz fehlender Teile weiterlaufen zu lassen, bogen die Ford-Werker aus den überschüssigen Teilen kurzerhand linke Bremsleitungen zurecht. Zwei Tage später haben sie die Provisorien dann durch die inzwischen eingetroffenen linken Bremsleitungen ausgetauscht. Werksleiter Anton konnte getrost zu Hause bleiben. „Früher“, sagt er, „hätte die Produktion gestanden.“

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