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Krisenmanagement Wie Manager gegen die Krise kämpfen

Seite 8/9

Branche: Banken

Problem: Fehlendes Vertrauen, mangelnde Liquidität

Lösungsansatz: Aufgabe von Geschäftsfeldern, Personalabbau, besseres Netzwerk

Schlimmer kann es ja nicht werden, wird Axel Wieandt sich gedacht haben, als er im Oktober bei dem Münchner Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate seinen ersten Job als Vorstandsvorsitzender antrat. Da war die Bank gerade knapp an der Pleite vorbeigeschrammt und musste von der Bundesregierung und anderen privaten Banken gerettet werden. Ex-Hypo-Real-Estate-Chef Georg Funke hatte einen Scherbenhaufen hinterlassen — nicht nur wirtschaftlich. Er hatte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück verprellt und die ganze Hypo Real Estate stets wie eine Insel behandelt, ohne Kontakte zu wichtigen Entscheidern aufzubauen, kritisiert ein Insider: „Er dachte, er brauche kein Vertrauenspolster.“

Wieandt muss die Bank nun sanieren. Die ersten Schritte sind bereits getan: Die Hypo Real Estate erhält aus dem Rettungspaket der Bundesregierung Garantien im Umfang von 30 Milliarden, dazu kommen Kreditlinien von deutschen Banken und des Staates in Höhe von insgesamt 50 Milliarden Euro. Das sichert das kurzfristige Überleben.

Und Wieandt bemüht sich um gute Kontakte. Er verfügt über beste Verbindungen ins Bundesfinanzministerium und in die gesamte Branche. Seine Schwester Dorothee ist Partnerin bei der Investmentbank Goldman Sachs, sein Schwager Commerzbank-Chef Martin Blessing und sein Bruder Carl Partner bei der Unternehmensberatung McKinsey. Zu Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat er ebenfalls einen guten Draht. Hier arbeitete er zuletzt als Leiter der Konzernentwicklung.

Schonungslose Offenheit

Doch Netzwerke allein reichen nicht. Wieandt kann die Krise nur bewältigen, indem er auch einen Großteil des Geschäftes aufgibt. Die Zahl der Arbeitsplätze will er in den kommenden drei Jahren von 1.800 auf 1000 senken. Gleichzeitig muss er den Laden zusammenhalten. Ihm dürfen jetzt nicht die guten Leute und Spezialisten weglaufen. Das wäre ein Fiasko. Zu bieten hat Wieandt nichts – keine sicheren Arbeitsplätze, keine Gehaltserhöhungen.

Wieandt versucht deshalb, mit schonungsloser Offenheit und Vertrauensbildung zu arbeiten. „Die Leute sollen wissen, woran sie sind“, sei sein Credo, heißt es in der Bank. Die Mitarbeiter werden über interne Briefe regelmäßig informiert, wie es um die Bank steht und was die nächsten Schritte sein werden. Wieandt will jetzt zeigen, dass er ein Chef ist, der nah bei der Mannschaft steht, mit dem man reden kann. Deshalb sucht er oftmals auch den direkten Draht zu seinen Mitarbeitern und schaut spontan auch mal in deren Büros vorbei, anstatt sie in die Chefetage zu zitieren. Der Kontakt zum „Maschinenraum“, wie er seine Basis nennt, ist ihm wichtig – auch wenn es dort immer leerer wird.

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