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Kunstmarkt Der Nachwuchs holt auf

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Andy Warhol noch an der Spitze

Und auch im Art Report hat Warhol 2010 einen doppelten Spitzenplatz inne: Die Ikone der Pop-Art führt nicht nur die Allzeit-Bestenliste zeitgenössischer Kunst an, er hat auch 2010 sein Punktekonto gemehrt wie sonst kein anderer Künstler – gefolgt von Heroen wie dem US-Installationskünstler Bruce Nauman, dem Allround-Genie Pablo Picasso oder dem deutschen Kunstschamanen Joseph Beuys. Sie zementierten ihre durch die Wertschätzung von Museen, Galeristen und Sammlern über Jahre aufgebaute, dominante Position im Olymp der Kunstwelt.Doch der Blick auf den aktuellen Art Report zeigt auch: Jenseits der Platzhirsche des Kunstgeschehens bewegt sich viel: Neben Nachwuchskünstlern wie der Wahl-Berlinerin Kwade gilt das für Künstler zwischen Mitte 40 und Mitte 50, die in der Blüte ihrer Entwicklung stehen und deren kunsthistorische Bedeutung nach einer Phase früher Anerkennung nun kontinuierlich steigt. „Diese sogenannten Mid-Career-Artists“, sagt Manfred Schumacher, Geschäftsführer von Art Logistics, „haben derzeit gute Karten.“

Kluger Clown - Maurizio Cattelan

Mal steckt er ein Pferd in die Wand eines Museums, mal nagelt er eine spärlich bekleidete Frauenfigur an die Außenwand einer Kirche, mal lässt er eine knabenhafte Hitlerfigur auf Knien um Vergebung bitten, mal den Papst zu Boden taumeln: Bei der Wahl seiner Themen ist Maurizio Cattelan nie zimperlich. Erst im Sommer wurde seine riesige Stinkefinger-Skulptur vor der altehrwürdigen Mailänder Börse installiert: schönen Gruß an die Zocker. Der 50-jährige Italiener, der in New York lebt, gilt als permanenter Provokateur – und kluger Clown der Kunst. Mit Augenzwinkern jongliert Cattelan mit religiöser Identität, Posen der Macht, der Exaltiertheit des Grauens. Und schuf so ein aufsehenerregendes Werk zwischen absurder Komik und existenzieller Tragik. Und geschickter Verknappung: Neue Arbeiten sind rar, kosten oft Millionen Euro und sind hoch begehrt bei potenten Sammlern wie François Pinault, erstklassigen Galeristen wie Marian Goodman in New York und den wichtigsten Museen weltweit: 2010 stellte Cattelan etwa in Paris, New York, Houston und Hamburg aus – und gehörte zu den fleißigsten Punktesammlern unter allen lebenden Künstlern. Das könnte so weitergehen: Das New Yorker Guggenheim- Museum, so unken die Kunstauguren, soll bereits eine Cattelan-Retrospektive planen.

Sentimentaler Spaziergänger - Francis Alys

Eigentlich war der Architekt und Ingenieur 1986 nach Mexiko City gereist, um ein paar Monate beim Wiederaufbau der von Erdbeben stark zerstörten mexikanischen Hauptstadt zu helfen – und so dem belgischen Militärdienst zu entgehen. Doch Alys blieb fasziniert von seiner Wahlheimat: „Sie ist gefährlich, chaotisch, macht süchtig – alle Grenzen werden hier offenbar“, sagt Alys. Und lässt keine Gelegenheit aus, diese zu überschreiten: Wie ein wandelndes Echolot testet der 51-Jährige auf seinen Video-Streifzügen die Untiefen seiner Umgebung: Lässt sich mit gezückter Pistole von der Polizei festnehmen, läuft mit einem magnetischen Spielzeughund durch die Straßen, schiebt einen Eisblock durch die Mittagshitze. Oder schickt Museumsbesucher über ein Feld aus bunten Gummimatten, die zum Schweigen auffordern. Subtiler Humor, der Kuratoren gefällt: 2010 waren seine Arbeiten in Madrid, Frankfurt, Wien und London zu sehen. Und ab Mai 2011 in der MoMa- Dependance P.S.1 in New York. Dieser Ruhm hat seinen Preis: Frühe Alys-Collagen kosten heute 24 000 Euro.

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