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Kunstmesse Art Cologne mit neuer Strategie

Heute beginnt die Kölner Kunstmesse Art Cologne. Rund 150 Galeristen zeigen in diesem Jahr ihre Werke - weit weniger als noch 2007. Die Verschlankung ist Teil der Strategie des neuen Leiters Daniel Hug.

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Art Cologne 2008: Rund 150 Quelle: dpa

Kölns Kunstmarkt Art Cologne ist in diesem Jahr „schlanker“: Rund 150 Galeristen zeigen bei der 42. Ausgabe der weltweit ältesten Kunstmesse ab heute (bis 20. April) ihr Angebot mit Werken von der Klassischen Moderne bis zur Gegenwart. Während bei der Messe zu Spitzenzeiten 300 Aussteller für Unübersichtlichkeit sorgten, hat sich das Angebot damit halbiert. Im Vergleich zum Vorjahr sind es immerhin noch rund drei Dutzend Kunsthändler weniger. Die verringerte Ausstellerriege ist Teil der neuen Strategie, die durch internationale Konkurrenz in die Krise geratene Kunstmesse am Rhein attraktiver zu machen.

Standorte von Basel und Berlin bis ins „hippe“ London und Miami hatten dem Kölner Marktplatz längst den Rang abgelaufen. Auch ein neuer neunköpfiger Galeristen-Beirat, vom dem bereits sieben Mitglieder aus den USA, London, Berlin, Düsseldorf und Köln benannt sind, soll der „Mutter aller Kunstmessen“ auf die Sprünge helfen. Das jüngste abrupte Aus für Kunstmessen in Frankfurt und Düsseldorf gilt in der Szene als warnender Donner: „Aber man soll den Kunststandort Deutschland nicht schlechter reden, als er ist“, meinte Messegeschäftsführer Oliver P. Kuhrt.

Die Art Cologne, auf der lediglich ein Drittel der Galeristen aus dem Ausland kommt, werde sich weiter internationalisieren: Hierfür wird der gerade eingestellte Kunstmessenleiter Daniel Hug, 39, ein aus der Schweiz stammender US-Galerist, als Krisenmanager in die Pflicht genommen. Auch mit Gratis-Mineralwasser für die Galeristen an den stressigen Aufbautagen kündigen sich neue Art Cologne-Zeiten an: „Sie sind hier plötzlich freundlich, darauf warte ich seit 25 Jahren“, kommentiert ein alterfahrener Düsseldorfer Aussteller die neuen Zeiten bei der alten Messe, die insgesamt straffer und in der zuletzt schlappen Sektion der aktuellen Kunst auch qualitativ verbessert daherkommt.

Krisenmanager: Der neue Quelle: dpa

Teuerstes Werk der diesjährigen Messe, die mit rund 70.000 Besuchern rechnet, dürfte der eher mittelmäßige „Halbakt mit erhobenen Armen“ (1910) zum Preis von 5,5 Millionen Euro des Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner sein. Bezaubernd ein von Amedeo Modigliani 1914 geschaffenes Tusche/Kreide-Porträt seines mexikanischen Kollegen, des Kahlo-Ehemannes Diego Rivera (385 000 Euro). Mit Goller-Gemälden der 1960er Jahre (je 130 000 Euro), dynamischen Zeichnungen Norbert Krickes oder farbstarken Abstraktionen des hochbetagten Rupprecht Geiger (7500 bis 25.000 Euro) sind weit unterbewertete Größen deutscher Nachkriegskunst zu finden.

Gleich in zwei Kojen werden Größen der deutschen Nachkriegskunst mit traditionellen afrikanischen Schnitzereien kombiniert. Einmal finden sich Nagelreliefs von Uecker und das wunderschön rätselhafte frühe Beuys-Blatt „Drei Hasen“ (95.000 Euro/1963) neben Schnitzkunst aus Afrika wieder, in einer anderen Koje ist es Konstruktives von Horst Antes.

Zwei eher unbedeutende kleine Arbeiten Gerhard Richters, abstrakte Farbkompositionen in künstlerischer Nähe seines furiosen Kölner Domfensters, fanden für je 70.000 Euro schon Abnehmer. Halb Gemälde, halb Skulptur ist Imi Knoebels großformatig-kantige Arbeit „Mennige“ (280.000 Euro/1976). Eine Sonderschau europäisch-asiatischer Kunstwerke mit Werken vom koreanischen Video-Pionier Paik bis zum japanischen Fotografen Sugimoto soll spürbar als Magnet ein neues, kaufkräftiges asiatisches Publikum anziehen. Dabei scheint die größere Zahl der umworbenen asiatischen Galeristen, bei denen viel aufgewärmte Pop-Art oder parodierter Mao-Realismus zu finden ist, den Kunstmarkt eher mit frischer Ware als mit wirklich frischen Ideen zu beliefern.

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