WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Länderüberblick Deutschlands korrupte Wirtschaftspartner

Das Wirtschaftswachstum dieser Länder ist beeindruckend, die Zahl der Korruptionsfälle ist es auch. Wie China, Russland, Brasilien, die Golfstaaten und Nigeria gegen unsaubere Geschäftspraktiken vorgehen und worauf deutsche Investoren achten sollten.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Russland: Firmen für einen einzigen Tag

Konzerne wie Hewlett-Packard Quelle: dapd

In Russland Geschäfte zu machen ist für international tätige Unternehmen nicht einfach. Die ausgedehnte Bürokratie führt zu einem Mangel an Transparenz in den Geschäftsbeziehungen und schafft ein fruchtbares Umfeld für Korruption und sogenannte „grey practices“. Die Grauzone zwischen Legalität und Illegalität im Geschäftsalltag entsteht durch finanzielle Mechanismen, hinter denen Korruption, Betrug und Veruntreuung stehen. So werden bei großen Aufträgen Ein-Tages-Firmen gegründet, über die Vermittler Schmiergelder zahlen und die sie nach der Auftragsgewinnung sofort wieder auflösen. So bleiben die Empfänger anonym.

Viele ausländische Unternehmen sind sich dieser häufig indirekten Verbindungen zur Bestechung nicht bewusst. Trotzdem kann dies zu strafrechtlicher Verfolgung führen, insbesondere vor dem Hintergrund der verschärften internationalen Gesetzeslage. Konzerne wie Hewlett-Packard oder Daimler sind wegen Bestechung in Russland zu empfindlichen Strafen verurteilt worden.

Doch es gibt auch positive Entwicklungen: Russische Unternehmen setzen nach und nach höhere Standards durch. Das gilt vor allem für Branchen, die für ausländisches Kapital geöffnet und teils auch auf dieses angewiesen sind – etwa Finanzen und Konsumgüter. Auch der russische Präsident Dmitri Medwedew wirbt für einen Anti-Korruptions-Kurs. Unerlässlich für ausländische Unternehmen in Russland sind Compliance-Verantwortliche, die sich mit dem lokalen Umfeld und Geschäftspraktiken sehr gut auskennen.

China: Vorsicht vor roten Briefen

Gegen Korruption hart vorzugehen ist für die chinesische Regierung von strategischer Bedeutung. Erfolglosigkeit dabei würde ihrem Anspruch politischer Legitimität schaden. Dies zeigt zusammen mit internationalen Gesetzen Wirkung. In den USA gab es in der jüngsten Vergangenheit eine Reihe von Verhandlungen wegen Verstößen gegen den Foreign Corrupt Practices Act, die sich in China abgespielt hatten. Bislang sind nur wenige Fälle ans Licht gekommen, aber der Trend zur aktiven Korruptionsbekämpfung ist eindeutig. Nach Erfahrungen von Control Risks resultieren die meisten Betrugs- und Korruptionsfälle bei internationalen Firmen aus einem Mangel an Wachsamkeit beim mittleren Management und auf Vorstandsebene. Regelmäßige Compliance-Überprüfungen mit besonderem Blick auf Art und Honorierung von Beraterverträgen sind wichtig. Auch die Beziehungen ihrer Partner und Handelsvertreter zu Politik und Militär sollten Unternehmen in China gründlich und wiederholt unter die Lupe nehmen. Darüber hinaus ist bei Bewirtung und Gastfreundschaft Sorgfalt geboten. Hier sind sowohl für regionale als auch für internationale Mitarbeiter klare Richtlinien notwendig – beispielsweise Regeln zum Umgang mit Forderungen nach Hong Baos. Das sind zu Feiertagen übliche „rote Briefumschläge“, die Bargeld enthalten. Eine Firma sollte keine Geschenke verteilen, die die Empfängerseite zu einer Gegenleistung verpflichtet. Mal können 50, mal 100 Euro zu viel sein. Mitarbeiter sollten ihre Vorgesetzten oder Compliance-Beauftragten einschalten.

Nigeria: Antastbare Eliten

Eines der schwierigsten Länder für legale Geschäfte ist Nigeria. Der Druck, Bestechungsgelder zu zahlen, ist hoch. Dennoch haben auch Unternehmen Chancen, die sich den internationalen Compliance-Standards verpflichtet haben. Je offensiver eine Firma ihre Haltung gegen Korruption öffentlich kommuniziert, desto weniger Angriffsfläche bietet sie. Manche schnellen Geschäftsabschlüsse  werden dann zwar von anderen gemacht,  aber langfristig werden auch in Nigeria nur saubere ausländische Firmen bestehen können. Firmen wie Siemens nutzen heute ihre strengen Compliance-Regeln als Wettbewerbsvorteil.

So war die Medizintechnik‧sparte von Siemens bis 2009 von öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen und wurde dank des Compliance-Programms wieder zugelassen. Die Regierung hat ihre Anti-Korruptions-Bemühungen deutlich verstärkt. Die Regel, dass die politische und wirtschaftliche Elite nahezu unantastbar war und stets ungestraft davonkam, ist nicht mehr gültig. Wichtig sind Kenntnis der regionalen Geschäftsumgebung und Beratung durch qualifizierte Experten, Anwälte und Wirtschaftsprüfer. Vergleichsweise gute Compliance-Bedingungen gelten für die wichtigen Regionen Lagos und Cross River, seit dort eine Reihe von Fällen bekannt wurde – etwa die Siemens-Strafverfahren 2007/08 sowie die in den USA verhandelten Korruptionsfälle des Ölförder-Ausrüsters Halliburton und dessen Tochtergesellschaft KBR. KBR musste aufgrund jahrelanger Bestechung nigerianischer Beamter 579 Millionen Dollar Strafe zahlen.

Brasilien: Risiko Despachantes

Brasilien ist eine prosperierende Wirtschaftsmacht – aber der Ruf, hochgradig korrupt zu sein, stellt ein Hindernis für das Wachstum des Landes dar. Bestechung existiert auf nahezu allen Verwaltungsebenen, von der Zoll- und Einreisebehörde bis zur Vergabe großer Regierungsaufträge. Eine internationale Control-Risks-Befragung zu Korruption unter Unternehmen verschiedener Branchen ergab, dass aus Sicht brasilianischer Unternehmen das schlechte Image des Landes internationale Geschäftstätigkeiten und die Akquise ausländischer Investoren erschwert. Ausländische Firmen können das Korruptionsrisiko deutlich mindern. Gängig ist es in Brasilien, Behördengeschäfte wie Visa-Angelegenheiten oder Zollabfertigungen an spezialisierte Intermediäre, „Despachantes“, zu delegieren. Solche Vermittler reduzieren das Risiko, zur Zahlung von Bestechungsgeldern aufgefordert zu werden. Jedoch sollten sich Unternehmen bewusst sein, dass diese Vermittler gegebenenfalls ohne Zustimmung des Unternehmens in dessen Namen Bestechungsgelder zahlen. Die Auswahl der Despachantes ist daher entscheidend und sollte mit großer Sorgfalt erfolgen. Geschäftspartner, Handelskammern und Botschaften können dabei helfen.

Golfstaaten: Familiäre Verflechtungen

Eines der größten Compliance-Risiken in den Golfstaaten ist die Zusammenarbeit mit lokalen Handelsvertretern und Partnern. In bestimmten Branchen, etwa Rüstung, Ölförderung und Transport insbesondere in Saudi-Arabien, ist dies für ausländische Unternehmen allerdings vorgeschrieben. Daher ist es wichtig, diese Partner sorgfältig auszuwählen, ihnen klare Anti-Korruptions-Vorgaben zu machen und deren Umsetzung zu kontrollieren. Die Probleme entstehen in der Regel, weil Wirtschaft und Politik eng verflochten sind, oft durch familiäre Verbindungen. An den meisten größeren internationalen Korruptionsfällen waren lokale Intermediäre beteiligt, die im Auftrag ihrer ausländischen Partner Bestechungsgelder bezahlt haben. Internationale Regulierungen wie die Dritte Geldwäsche-Richtlinie der EU sowie der amerikanische Foreign Corrupt Practices Act fordern von Unternehmen daher, enge Verbindungen zu „politisch exponierten Personen“ zu vermeiden. In der Praxis heißt das, Geschäftsbeziehungen aufmerksam zu beobachten – und zwar in regelmäßigen Abständen neu, weil sich Besitzverhältnisse oder Führung von Firmen ändern. Das schließt ein, dem lokalen Partner unangenehme Fragen zu stellen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%