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Landesbank HSH zahlt 45 Millionen Dollar umsonst

Aus Angst vor einem vollends ruinierten Ruf zahlte die Landesbank HSH Nordbank an Goldman Sachs 45 Millionen Dollar. Das Geld zu behalten, wäre vielleicht besser gewesen, denn der Ruf ist schon dahin.

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Die HSH Nordbank in Kiel: Die Quelle: dpa

Die HSH Nordbank steht wegen einer umstrittenen Überweisung in Höhe von 45 Millionen Dollar an die US-Investmentbank Goldman Sachs in der Kritik. Die Bank hatte den Betrag gezahlt, obwohl sie dazu möglicherweise nicht verpflichtet war, berichtet der NDR. Die HSH Nordbank bestätigte den Bericht auf Anfrage weitgehend, wies aber den Verdacht der Fahrlässigkeit zurück. Der Fall sei juristisch umstritten gewesen, sagte ein HSH-Sprecher.

Hintergrund ist ein Geschäft mit Kreditausfallversicherungen, sogenannten Credit Default Swaps (CDS). Goldman Sachs hatte sich bei der HSH gegen Kreditausfälle der Pleitebank Lehman Brothers versichert. Nach der Lehman-Pleite im September 2008 hätte die Landesbank im Grunde zahlen müssen. Doch Goldman Sachs verpasste eine Frist um mehr als drei Wochen, wie der NDR berichtete

Angst um die Reputation

Nach Informationen des NDR sollen sowohl die Rechtsabteilung der HSH Nordbank als auch eine internationale Anwaltskanzlei festgestellt haben, dass Ansprüche von Goldman Sachs an die Landesbank verfallen waren und die HSH Nordbank nicht hätte zahlen müssen. HSH-Sprecher Frank Laurich erklärte heute, der Sachverhalt sei „juristisch umstritten“ gewesen, deshalb sei gezahlt worden. Banksprecher Rune Hoffmann ergänzte laut NDR, im Fall eines Streits mit Goldman Sachs hätten „Marktgerüchte, die Bank würde CDS-Ansprüche nicht bedienen, schweren Schaden für die Reputation und für die Refinanzierung der Bank haben können. Dieses Risiko sollte vermieden werden.“

Dem NDR zufolge war der Aufsichtsrat der Bank nicht über den Vorgang informiert worden. Dies hätte aber geschehen müssen, hieß es unter Berufung auf Aufsichtsratskreise.

Kritik und öffentlich Häme

Die Landesbank kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen, ihr Ruf ist seit längerem stark angeschlagen. Bereits zwei Untersuchungsausschüsse in Hamburg und Kiel sowie die Staatsanwaltschaft beschäftigen sich mit dem Geschäftsgebaren der Bank, einen SPD-Antrag auf eine weitere Sonderprüfung nach dem Aktienrecht lehnten die Abgeordneten von CDU und GAL erst vorige Woche ab. Ebenfalls erst vorige Woche entließ die HSH zwei Manager in der Niederlassung in New York fristlos wegen diskriminierenden Verhaltens gegen Mitarbeiter.

Die HSH Nordbank hat massiv unter der Finanzkrise gelitten, die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein mussten sie mit Milliardenspritzen retten. Vorstandschef Dirk Nonnenmacher war zuletzt öffentlich in die Kritik geraten, als ihm eine Sonderzahlung von 2,9 Millionen Euro gewährt wurde. Auch von politischer Seite steht Nonnenmacher massiv in der Kritik.

Aufsichtsratschef Kopper nimmt Nonnenmacher in Schutz

Im Streit um die Lage der HSH Nordbank nimmt Aufsichtsratschef Hilmar Kopper den HSH-Vorstandschef in Schutz und greift den früheren Wirtschaftsminister Werner Marnette (CDU) an. „Würde Marnette seine Vorwürfe gegen eine Privatperson erheben, er hätte längst jede Menge Verfahren wegen übler Nachrede am Hals“, sagte Kopper in einem Interview. Marnette bescheinigt er „Besserwisserei und unbefriedigte Eitelkeit.“ Beides seien „schlechte Ratgeber, zumal wenn es an Fachwissen mangelt“.

Sein eigenes Schicksal koppelt Kopper an das des umstrittenen HSH-Vorstandschefs. Nonnenmacher sei „die Voraussetzung dafür, dass ich hier bin“, sagte Kopper, der selbst neun Jahre lang Chef der Deutschen Bank war. Die HSH verdanke Nonnenmacher, dass sie die Finanzkrise überhaupt überstanden habe. „Wenn andere die Ablösung des Vorstandsvorsitzenden fordern, dann sollen sie selbst die Verantwortung tragen und sagen, wie sie es besser machen würden“, sagte Kopper.

Noch Zittern bis 2012?

Marnette hatte den Verantwortlichen der HSH in der Vergangenheit vorgeworfen, sie hätten in einer Mischung aus „Unvermögen, Fehleinschätzung, Täuschen, Tarnen und Tricksen“ gehandelt. Nonnenmacher sei Teil des Systems. Vor wenigen Tagen behauptete der ehemalige Minister, die Bank verschleiere Milliarden-Risiken. In den Medien forderte Marnette, das Institut unter die Kontrolle des Bundes zu stellen. “Die HSH braucht in den nächsten Monaten wahrscheinlich neue Milliardenhilfen.“ Weil Schleswig-Holstein diese nicht stemmen könne, gehöre die Bank unter den Rettungsschirm des Bundes.

Heute will Marnette mit einer „Analyse“ zur HSH Nordbank nachlegen. Kopper zeigte sich hingegen überzeugt von dem Geschäftsmodell der Bank. „Die Kernbank steht und ist vernünftig aufgestellt“, sagte Kopper. Er zeigte sich auch optimistisch, dass die EU dem geplanten Umbau des Instituts zustimmt. „Ich meine, wir haben ein sehr realistisches Konzept vorgelegt, das Brüssel im Grundsatz gefallen müsste.“ Ob die Bank über den Berg sei, wisse man spätestens im ersten Halbjahr 2012.

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