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LBBW-Chef Siegfried Jaschinski im Interview "Keine baldige Beruhigung"

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Was war Ihre Motivation, die Sachsen LB zu kaufen?

An einem Wochenende im August standen wir vor der Frage: Wird die Sachsen LB geschlossen, mit allen Konsequenzen – oder wird sie übernommen?

Und dann haben Sie die Sachsen LB aus ganz altruistischen Gründen übernommen.

Nein, aber wenn wir es nicht getan hätten, wäre die Bank geschlossen worden. Es gab ja keinen anderen, der zu diesem Zeitpunkt in der Lage war, sie zu übernehmen. Natürlich haben wir uns auch von dem Investment etwas versprochen.

Und was?

Wir sind seit Anfang der Neunzigerjahre mit drei Filialen der BW-Bank in Sachsen und Sachsen-Anhalt im Mittelstands- und Privatkundengeschäft aktiv, und das sehr erfolgreich. Über die Sachsen Bank werden wir noch weiter vorankommen. Wenn ich sehe, wie viele Unternehmen sich in Sachsen zum Beispiel im Bereich der erneuerbaren Energien gut entwickeln, bin ich sehr optimistisch. Und wir sehen auch die Chance, über den Stützpunkt in Sachsen unser Geschäft in Polen und Tschechien auszubauen. Einige Grenzsparkassen sind dort bereits aktiv und haben mehrere Tausend tschechische und polnische Kunden. Das ist ein Wachstumsmarkt, den wir uns von Sachsen aus erschließen können.

Woher kommt Ihr Optimismus, dass Sie das Unternehmensgeschäft in Sachsen so viel rentabler betreiben können als die Sachsen LB?

Bei ihr war das Unternehmenskundengeschäft reines Kreditgeschäft. Das ist zu wenig. Die LBBW verdient bei ihren Unternehmenskunden an der gesamten Kundenbeziehung, also am laufenden Konto oder dem Auslandszahlungsverkehr. Sie müssen eigentlich einem Unternehmer alle Finanzdienstleistungen anbieten können, um ertragreich zu sein. Ich denke, dass uns das auch mit der Sachsen Bank gelingen wird.

Ursprünglich hatten Sie auch vor, die WestLB zu übernehmen. Doch die Landesregierung in NRW wollte nicht. Hätten Sie sich vielleicht stärker bemühen müssen, die Politiker in Nordrhein-Westfalen für eine Fusion zu gewinnen?

Wir haben bei den Gesprächen eher eine passive Rolle eingenommen. Wir wurden von den Sparkassenverbänden in NRW gefragt, ob wir uns eine Fusion vorstellen können, und haben darauf eine Antwort gegeben. Im Fokus der Antwort stand, welches Geschäftsmodell bei einer zusammengeführten Bank sinnvoll sein könnte.

Sie haben damals mit den Sparkassenverbänden gesprochen. Gab es auch Verhandlungen mit NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers?

Wir haben nur auf die Anfrage der Sparkassenverbände geantwortet. Es gab Gespräche zwischen unseren Eigentümern und denen der WestLB. Wir haben hier nur zugearbeitet.

Hat Sie die Reaktion aus Düsseldorf, dass Sie dort als „Spätzlebank“ verhöhnt wurden, überrascht?

Ich hatte schon gedacht, dass die Rationalität in den Vorschlägen eine gewisse höhere Priorität haben würde.

Gibt es überhaupt Anlass zur Hoffnung, dass es im Gefolge der Finanzkrise noch mehr Zusammenschlüsse zwischen den allein oft kaum überlebensfähigen Landesbanken gibt? Wird es möglicherweise in fünf bis zehn Jahren nur noch eine einzige deutsche Landesbank geben?

Es wird möglicherweise nur noch eine Landesbank geben, die die Sparkassenzentralbankfunktion wahrnimmt, also die Sparkassen mit Produkten und Dienstleistungen versorgt. Das heißt aber nicht, dass nur eine Bank insgesamt übrig bleibt. Eine HSH Nordbank zum Beispiel kann auch gut weiterhin alleine bleiben. Warum sollte der weltweit größte Schiffsfinanzierer durch eine Fusion mit der Nord/LB noch größer werden? Die Gemeinsamkeiten der Landesbanken reduzieren sich doch im Wesentlichen auf die Eigentümerstruktur und die Sparkassenzentralbankfunktion. In den meisten anderen Geschäftsfeldern sind die Banken sehr unterschiedlich, so- dass Zusammenschlüsse nicht unbedingt etwas bringen.

Also planen Sie keine weiteren Übernahmen?

Es ist ja nicht damit getan, eine Bank zu übernehmen, man muss auch was draus machen. Es muss ein Mehrwert geschaffen werden. Wir müssen in diesem Jahr schon die Sachsen LB und die LRP Landesbank Rheinland-Pfalz integrieren. Im Jahr 2008 können wir deshalb nicht weiter aktiv werden.

Die BayernLB steckt in einer schweren Krise, möglicherweise ist die Landesregierung nun bereit, ihre Landesbank doch zu verkaufen. Kommt für Sie eine Fusion infrage?

Grundsätzlich sind wir immer gesprächsbereit. In diesem Jahr stehen jedoch die Integration von Sachsen LB und LRP im Vordergrund.

Eine weitere Möglichkeit der Marktbereinigung wäre es, Landesbanken mit Sparkassen zusammenzuschließen. In Hessen ist das ja bereits möglich, weil Sparkassen Stammkapital bilden und so von ihrer Landesbank übernommen werden können.

Ich denke nicht, dass das eine Verbesserung der betriebswirtschaftlichen Struktur der Landesbanken bringt. Jeder, der diesen Weg gehen will, muss sich darüber im Klaren sein, dass damit die Struktur der Bank verändert wird. Die Sparkassen sind Privatkundenbanken. Um dieses Geschäft rentabel betreiben zu können, benötigen sie mindestens acht bis zehn Millionen Kunden und eine straffe Struktur. Sie müssten massiv Arbeitsplätze abbauen, um das profitabel hinzubekommen.

Und das hält die Chefs der Landesbanken davon ab?

Die Frage ist doch eher: Warum sollten die Sparkassen oder deren Träger diesen Weg gehen wollen?

Also wird sich in Hessen durch die neuen Möglichkeiten nichts ändern.

Ich kann da nichts prognostizieren. Aber ich glaube, dass dieses Thema nur dann angegangen wird, wenn sich eine Sparkasse in einer absoluten Notlage befindet.

Welche Rolle wird die LBBW in Zukunft spielen, wenn es nicht zu einer großen Fusionswelle kommt. Wo sehen Sie noch weiteres Wachstumspotenzial?

Deutsche Banken waren immer stark als Banken der Unternehmen. Deutschland ist das Land in Europa mit den meisten und besten Unternehmen. Ich bin überzeugt davon, dass sich am Ende die Banken am stärksten entwickeln, die einen Zugang zu diesen Unternehmen haben. Damit meine ich nicht nur die großen Unternehmen, sondern auch die Mittelständler. Hier müssen wir weiter Kundenbeziehungen aufbauen, die über das Kreditgeschäft hinaus bis in unser Private Banking reichen. Wir haben uns in Baden-Württemberg bereits eine hervorragende Position erarbeitet und versuchen das auch in anderen Bundesländern. Wenn uns das gelingt, dürften wir in Ländern wie beispielsweise Belgien, Niederlande oder der Schweiz ein durchaus ernst zu nehmender Wettbewerber bei den Familienunternehmern und den Mittelständlern sein.

Das heißt, Sie wollen aus der LBBW eine Bank von europäischem Rang machen?

Das ist eine Option. Erst mal schaffen wir es vielleicht in Deutschland, und dann gibt es auch die Möglichkeit, das in anderen Ländern Europas hinzubekommen.

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