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Leasing-Trend Kreativität verschafft neues Geschäft

Warum nicht ein Pferd leasen? Oder ein Bild? Die Gesellschaften erweitern die Liste der Leasingobjekte um exotische Güter wie Ölgemälde, Oldtimer und Patente. Leasingnehmer haben den Vorteil, weniger Kapital zu binden.

Auch Pferde werden heute geleast. Quelle: dpa

FRANKFURT. Autos oder Computer zu leasen ist heute eine Selbstverständlichkeit. Aber ein Pferd oder ein Gemälde, einen Zeitschriftentitel oder eine Adresskartei? Auch für all das finden sich Leasinganbieter - meist geht es für die Leasingnehmer darum, weniger Kapital zu binden. Will sich etwa ein Unternehmen keine Bilder für die Bürowände kaufen, ist Leasing eine mögliche Alternative. Zwar sind es keine Van Goghs oder Gaugins, die dann am Arbeitsplatz hängen. Die Preise der Bilder bewegen sich aber immerhin von einigen tausend bis mehreren zehntausend Euro.

Häufig dauern die Verträge vier bis fünf Jahre, am Ende kann der Leasingnehmer das Bild zu einem Restkaufwert erwerben - ähnlich wie beim Autoleasing. "Das sind Spezialitäten, die wir abdecken und über die wir neue Kunden ansprechen können", sagt Dierk Cordes, geschäftsführender Gesellschafter von Leasconcept in Essen - das Unternehmen bietet zum Beispiel Kunstleasing an. "Aber es ist nicht die Basis unseres Geschäfts".

Cordes schätzt, dass 15 bis 20 Prozent des Neugeschäfts von Leasconcept von rund 70 Mill. Euro im Jahr auf Spezialitätenleasing entfallen. Neben Kunstwerken gehören Oldtimer oder Pferde zu den nicht ganz alltäglichen Leasinggütern. Den größten Teil machen hingegen Fahrzeuge, Industrie- , Agrar- und Gastronomietechnik sowie die Ausrüstung für Großveranstaltungen - Scheinwerfer, Mischpulte und Großlautsprecher - aus.

Interessante Leasingobjekte finden sich auch in so genannten Sale-and-lease-back-Konstruktionen, bei denen das Unternehmen zunächst der Leasinggesellschaft eine Vermögensanlage verkauft und diese anschließend zurückleast. So least der VVA-Verlag beziehungsweise dessen Tochter b&d media Network aus Hamburg mittlerweile die Titel von drei seiner Zeitschriften zurück, die sie zuvor an die Leasinggesellschaft Comprendium verkauft hatte. "Viele Unternehmen wissen gar nicht, was sie an Werten im Unternehmen haben", sagt Comprendium-Vertriebsgeschäftsführer Peter Köhler.

So machte ein Unternehmen aus der Telekommunikationsbranche seine Adressdatei zu Geld und least sie derzeit zurück. Zwischen zehn und 100 Euro ist ein einzelner Kontakt den Nutzern wert. Bei einer ganzen Datei kann schnell ein ordentlicher Betrag zusammenkommen. Auch hier laufen Leasingverträge vier bis fünf Jahre. Die Verträge sollten so gestaltet sein, dass die Verträge zum Ende der Leasinglaufzeit wieder in den Bestand des Unternehmens zurückfallen", sagt Köhler. Denn das Telekom-Unternehmen möchte natürlich nicht irgendwann ohne seine Adressen oder der Verlag ohne seinen Zeitschriftentitel dastehen.

"Viele Unternehmen wollen mit solchen Finanzierungen nicht genannt werden. Sie möchten nicht den Eindruck erwecken, dass sie ihr Tafelsilber verkaufen", sagt Köhler. Das gilt häufig gerade dann, wenn die eigene Marke verkauft und zurückgeleast wird. Doch wenn ein Unternehmen etwa über eine Akquisition nachdenke, könne Verkauf und Zurückleasen der Marke die Banklinie entlasten und als Beimischung zur klassischen Finanzierung dienen, meint Köhler.

Kein Problem mit der Veröffentlichung der Transaktion hatte hingegen Underberg. Dass der Schnapsbrenner seine Marke Underberg an ein Konsortium verkaufte und zurückleaste, galt in der Branche vor zwei Jahren als Durchbruch. Der Büromaschinenvertreiber Triumph-Adler verkaufte im vergangenen Jahr ebenfalls seine Marke Utax und least sie zurück.

Auch für die Marken von Zulieferunternehmen, die beim Endkonsumenten nicht so bekannt seien, gebe es einen Markt, sagt Köhler von Comprendium. Er rechnet damit, dass immaterielle Vermögenswerte wie Marken oder Patente in der Leasingbranche zulegen werden. Für sein eigenes Unternehmen sagt er: "Wir wollen den Anteil massiv erhöhen." Derzeit mache das Leasing immaterieller Wirtschaftsgüter, das vor gut einem Jahr gestartet sei, rund zehn Prozent des Neugeschäftsvolumens von zuletzt 300 Millionen Euro im Jahr aus. Das Leasing von Vereinsmarken im Sportbereich etwa sieht Köhler als Wachstumsmarkt.

Die Überlegung, dass die Margen für die Leasinggeber umso höher seien, je ungewöhnlicher das Leasingobjekt, ginge aber nicht auf, meint Cordes von der Essener Leasconcept. "Es gibt immer irgendeinen Wettbewerber, so dass sich die Preise regulieren." Wichtig sei, dass es für ungewöhnlichere Leasingobjekte Experten gebe. So arbeiten die Leasingfirmen mit Kunsthistorikern, Patent- und Markenbewertern zusammen.

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