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Lebensmittel Weltweit droht Nahrungsknappheit

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Chinas Premierminister Wen Jiabao kündigte diesen Monat an, Peking werde 12,9 Milliarden Yuan (1,43 Milliarden Euro) ausgeben, um die landwirtschaftliche Produktion zu stützen und Dürrefolgen zu lindern. Nach Ansicht von Benjamin Wey, dem Gründer und Präsidenten des in New York und Peking ansässigen Beratungsunternehmens New York Global Group, dürfte die chinesische Regierung Preiskontrollen für Lebensmittel verhängen, um soziale Unruhen zu verhindern. Produzenten und der Handel würden dann durch Subventionen einen Ausgleich erhalten. Nach Auskunft des bolivianischen Finanzministers Luis Arce plant sein Land, einen Teil der Zentralbank-Reserven von zehn Milliarden Dollar dafür zu verwenden, Kredite an Nahrungsmittelproduzenten zu vergeben und den Preisdruck abzufangen. Irland, Kanada, die USA, Spanien und Südkorea sowie die Stiftung von Bill und Melinda Gates sagten vergangenen Oktober zunächst 880 Millionen Dollar für den Global Agriculture and Food Security Fund zu. Der Fonds leistet bedürftigen Ländern Hilfe bei der Produktion von Nahrungsmitteln. Die ukrainische Landwirtschaftsministerin Mykola Prysjaschnjuk forderte die Weltbank dazu auf, eine „Welt-Getreidebank" zu schaffen. Diese könne die globale Versorgung mit Lebensmitteln sichern und Unruhen und Angst verhindern, sagte die Ministerin, deren Land einst als Kornkammer der Sowjetunion galt.

Weltbank wirbt für staatliche Hilfen

Die Weltbank befürwortet einen ähnlichen Ansatz. Sie tritt für kleine regionale Nahrungsmittelvorräte in katastrophengefährdeten Gebieten an. Weltbankpräsident Zoellick plädiert zudem für gezielte staatliche Hilfen für die Armen, zum Beispiel in Form von Schulspeisungen, sowie marktwirtschaftliche Mechanismen zur Preisfindung. Demnach sollen die Staaten für Transparenz sorgen und den freien Handel mit Nahrungsmitteln nicht behindern. Zuletzt soll erreicht werden, dass zuverlässigere Informationen zu Getreidevorräten in Schwellenländern bereitgestellt und die langfristigen Wettervorhersagen für Risikoregionen wie Afrika südlich der Sahara verbessert werden.

Die Menschheit ist Pandemien und Weltkriegen entgegengetreten – und an solchen Prüfungen gewachsen. Die Dürren und Überschwemmungen, die wir derzeit erleben, wirken sich nicht nur verheerend auf die Versorgung mit Nahrungsmitteln aus, sie sind auch die Vorboten eines heißeren und unberechenbareren Klimas. Könnten Hunger und die Gefahr, die er für die Mächtigen bedeutet, politische Führer endlich zum Handeln zwingen?

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