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Lebensmittelpreise Schluss mit billig im Supermarkt?

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Doch Hitzewellen hin und Überschwemmungen her: Die durchschnittlichen weltweit erzielten Erntemengen bieten keinen Grund zur Panikmache. Weizen etwa verlor rund fünf Prozent an Menge. Getreide insgesamt etwa zwei bis drei Prozent. Der Internationale Getreiderat  kündigte für 2011 sogar wieder bessere Ernten an. Ob die Preise weiter steigen, ist ungewiss. Viele Experten rechnen in der zweiten Jahreshälfte mit einer spürbaren Beruhigung an der Preisfront.

Dennoch spüren die Verbraucher in Deutschland bei jedem Einkauf, wie alles teurer wird. Laut Recherchen des WDR-Verbrauchermagazins Markt stiegen die Lebensmittelpreise in den vergangenen fünf Jahren um 12,5 Prozent. Ein Anstieg, der von Vertretern der Lebensmittelindustrie noch als moderat eingestuft wird.  Matthias Horst, Geschäftsführer bei der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie betont, dass es in Deutschland seit jeher ein sehr niedriges Preisniveau für Lebensmittel gebe. „Das resultiert aus dem unglaublich harten Wettbewerb, den wir auf Handelsebene haben“, sagt Horst. Vordergründig profitiere der Verbraucher natürlich davon. Problematisch werde es jedoch, wenn das Preisniveau so niedrig ist, das insbesondere die kleinen und mittelständischen Lebensmittelhersteller Schwierigkeiten haben, mit den erzielten Verkaufspreisen auszukommen.

Dass jedoch auch im Lebensmittelhandel eine gewisse Schmerzgrenze erreicht zu sein scheint, zeigt sich in den Reaktionen von Aldi. Der Discounter ist teurer geworden. Lange hatten sich die Wächter des Niedrigpreises gegen Preissteigerungen gewehrt. Doch angesichts der gestiegenen Rohstoffkosten auf Lieferantenseite lenkten die Aldi-Einkäufer ein. Seit November sind schon viele Produkte mehr oder weniger unbemerkt verteuert worden. Und wenn Aldi die Preise hebt, dann macht die Konkurrenz mit. Richtig aufgefallen ist der Preisschub bei den Discountern allerdings erst im Januar, als mit Kaffee  ein wichtiger Lockartikel auf einen Schlag um 50 Cent pro Packung teurer wurde. Ein Preissprung bei Kaffee, den es seit Jahren nicht gab. Zudem wurden auch Backwaren, Müsli, Nüsse und Säfte teurer.

Da haben es die Großen der Branche scheinbar einfacher. Der Hamburger Tchibo-Konzern jedenfalls kündigte an, in diesen Tagen die Preise um maximal 50 Cent pro Pfund zu erhöhen. Auch Danone, der weltgrößte Hersteller von Joghurt (Activia, Fruchtzwerge) will sich das Geschäft nicht durch steigende Rohstoffpreise verderben lassen und die Preise erhöhten. Auch Wettbewerber Unilever (Dove, Lätta, Knorr) reagierte mit höheren Preisen auf die anziehenden Kosten für Rohstoffe. Der britisch-niederländische Konsumgüterkonzern verteuerte schon im vergangenen Weihnachtsgeschäft die Preise für verschiedene Produkte.

„Eine Herausforderung bleiben die steigenden Rohstoffpreise, die sich vor allem im ersten Halbjahr bemerkbar machen werden“, sagte auch Henkel-Chef Kasper Rorsted vor wenigen Tagen bei der Vorlage der Bilanzzahlen für das Geschäftsjahr 2010. Für 2011 erwartet Henkel (Pril, Persil, Pritt) ein Anziehen der Preise "im hohen einstelligen Prozentbereich". Der weltgrößte Klebstoffhersteller ist etwa von Rohstoffen abhängig, die wesentlich auf Öl basieren. Den Ölpreis hatten die Unruhen in vielen Staaten Nordafrikas in den letzten Tagen deutlich anziehen lassen. An Preiserhöhungen in allen Bereichen führe nun „kein Weg vorbei“. Im zweiten Halbjahr rechnet Rorsted dagegen mit einer spürbaren Entspannung.

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