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Lebensversicherungen im Vergleich Die besten Policen in Zeiten niedriger Zinsen

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Grafik: Rendite Lebensversicherung

Immobilien allein reichen nicht als Renditetreiber. Rainer Neumann, Kapitalanlagevorstand der R+V Versicherung, kauft mehr Aktien, Bank- und Unternehmensanleihen und verzichtet auf niedrig verzinste Staatspapiere.

Hinzu kommen Direktinvestitionen: Debeka beteiligt sich über Fonds an Solarparks. Branchenprimus Allianz kauft Aldi-Supermärkte und betreibt Wind- und Solarparks. „Letzteres sind Speziallösungen, die sich nur große Versicherer erlauben können“, sagt Lars Heermann, Leiter Lebensversicherung bei der Ratingagentur Assekurata. Bei kleinen Anbietern mit kleineren Portfolios fallen derartige Großprojekte zu stark ins Gewicht, sie halten sich deshalb eher zurück.

Risiken bleiben bei Solar- und Windinvestments: WestLB-Analystin Katharina Cholewa rechnet bei Windanlagen in Deutschland im Schnitt zwar mit sieben bis acht Prozent Rendite für die Betreiber. Allerdings können teure Teile verschleißen, nachdem Herstellergarantien abgelaufen sind. Selbst die Allianz ist sich nicht sicher, ob ihre Windanlagen die kalkulierte Rendite bringen: „Es bleiben technische Risiken, die man noch nicht abschätzen kann“, sagt Andreas Gruber, Kapitalanlagechef der Leben-Sparte. Betreiber müssen mit Flautejahren, wie 2006, rechnen. Bei Solarstrom bleibt das Risiko, dass Politiker langfristig die geförderte Stromzufuhr deckeln.

Abschlusskosten sollten möglichst niedrig sein

Längst nicht alle Versicherer aber können und wollen bei der Kapitalanlage neue Wege gehen. Einige haben schlicht zu wenig Kundengelder zum Anlegen: Wenn sie Großinvestments wagen und diese schiefgehen, würde dies ihr ganzes Portfolio mit nach unten reißen. Andere müssen in den nächsten Jahren viel Geld auszahlen, weil Verträge auslaufen. Das Kapital dieser Versicherer fließt dann in liquidere, schnell zu versilbernde Anlagen – zu mageren Renditen. Finsinger berechnet, welche Versicherer Portfolios so breit ausrichten können, dass sie langfristig mehr Rendite erzielen können.

Für Kunden muss der Versicherer mit dem höchsten Zins auf seine Kapitalanlagen dabei nicht immer der beste sein. Entscheidend ist vielmehr, wie viel Geld ein Versicherer seinen Kunden gutschreibt und am Ende der Vertragslaufzeit auszahlt. Zins gibt es nur auf das nach Abzug der Kosten angelegte Kapital. Versicherer legen rund 75 Prozent der Beiträge an, der Rest geht für Todesfallschutz, Verwaltung und Vertrieb (Abschlusskosten) drauf.

Mit niedrigen Abschlusskosten punktet im Rating vor allem Testsieger LVM aus Münster, günstig bei den Verwaltungskosten sind Europa und Neue Leben. Fünf Lebensversicherer im Rating können einen besonders hohen Anteil ihrer Versichertengelder riskant anlegen: Neckermann, PBV, Mecklenburgische, Allianz und Stuttgarter Leben. Sie verfügen über mehr als zehn Prozent freies Risikokapital. Diese Anbieter haben die besten Chancen, hohe Erträge zu erzielen. Im Rating fällt ihr realistisch erzielbarer Zins am höchsten aus.

Unter dem Strich bieten LVM, HUK-Coburg und Debeka Kunden die besten Chancen auf hohe Auszahlungen. In die Top-Riege hochgearbeitet hat sich die Mecklenburgische Leben. Sie steigerte die Leistungsfähigkeit um knapp 20 Prozentpunkte, vor allem, weil sie Kunden stärker an erzielten Überschüssen beteiligt. Verschlechtert haben sich etwa die Neue Leben und die Itzehoer. Sie rutschten vor allem wegen höherer Abschlusskosten ab.

Im Durchschnitt erzielten die 71 größten Lebensversicherer, die Finsinger exklusiv für die WirtschaftsWoche analysiert, seit 2003 mit ihren Kapitalanlagen 4,5 Prozent Rendite pro Jahr. Der starke Einbruch des Jahres 2008, als die Branche nach GDV-Angaben nur auf 3,5 Prozent Rendite kam, ist vorerst abgehakt. Für die Zukunft hält Finsinger weiter 4,5 Prozent Zinsen für realistisch. Voraussetzung ist allerdings eine Zinswende, mit den aktuellen Niedrigzinsen wären 4,5 Prozent nicht zu schaffen. Finsinger setzt bei seinen Berechnungen für risikoarme Anlagen maximal 4,9 und für risikoreichere bis zu 8 Prozent Rendite an. Sollten die Versicherer in Zukunft aber nicht mehr auf solche Renditen kommen, bliebe weniger übrig. Viel weniger darf es nicht werden: Zwar werden in neuen Policen heute nur noch 2,25 Prozent garantiert. Wer neue Kunden gewinnen will, muss aber mehr bieten als den Garantiezins – über eine möglichst hohe freiwillige Überschussbeteiligung.

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