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Lebensversicherungen im Vergleich Die besten Policen in Zeiten niedriger Zinsen

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Grafik: Anlagestrategien Lebensversicherer

Solange Versicherer noch genügend Anleihen im Portfolio haben, auf die sie jährlich höhere Zinsen kassieren, ist das kein Problem. Noch rettet die langfristige Anlagestrategie der Versicherer ihre Renditen; die meisten halten genügend langlaufende Papiere mit akzeptabler Verzinsung. Doch das Polster schwindet. Neue Investments gibt es eben nur zu Niedrigzinsen – oder mit mehr Risiko.

Und so beobachtet Heermann von Assekurata, dass diverse Versicherer in höher verzinsliche Anleihen der hoch verschuldeten Staaten Portugal, Irland, Italien und Spanien investieren. Irische Papiere etwa rentieren mit 7,4 Prozent, rund 4,9 Prozentpunkte höher als deutsche.

Höhere Zinsen bekommt, wer Kapital länger festlegt, also länger laufende Anleihen kauft. „Statt neun Jahre legen Lebensversicherer nun durchschnittlich eher für zehn Jahre an“, sagt Ockenga. Die bessere Verzinsung wird – nichts ist umsonst – mit höherem Kursrisiko erkauft. Zieht das Zinsniveau an, verlieren niedrig verzinste Papiere an Wert, weil Anleger sich auf neue Anleihen mit höheren Kupons stürzen.

Versicherer haben unterschiedliche Anlagestrategie

Auf besonders lange Laufzeiten zwischen 20 und 30 Jahren setzt zum Beispiel die Debeka aus Koblenz. Finanzvorstand Rolf Florian fuhr damit gut: Mit durchschnittlich 5,5 Prozent, so die Analyse von Finsinger, verdiente Florian im Vergleich zur Branche zwischen 2003 und 2009 die höchsten Zinsen auf die Kapitalanlagen. Bei einem plötzlichen und raschen Zinsanstieg aber stünde Florian mit seiner Strategie schlagartig schlecht da. Steigen die Zinsen, fallen die Anleihekurse an der Börse. Verkauft Florian in Zeiten steigender Zinsen und hoher Inflation, muss er Kursverluste realisieren. Sitzt er diese aus und hält seine Papiere bis zum Ende der Laufzeit, bis er wieder 100 Prozent zurückbekommt, hängen er und seine Kunden überdurchschnittlich lange in vergleichsweise niedrig verzinsten Papieren fest.

Jürgen Meisch geht den entgegengesetzten Weg. Frei werdende Gelder legt der Finanzvorstand der Gothaer jetzt für sechs bis sieben Jahre fest, kürzer als der Durchschnitt der Branche. „Ich rechne bis Ende 2011 mit einem Zinsanstieg in Deutschland“, sagt Meisch. Das deutsche Zinsniveau sei übertrieben niedrig „und nur durch die Flucht verunsicherter Anleger aus Euro-Peripherie-Märkten nach Deutschland getrieben“. Bei einer Euro-Inflation von 1,5 Prozent im Jahr 2012 liege die angemessene Rendite für Bundesanleihen bei mindestens 3,5 Prozent. Liegt Meisch richtig, profitieren seine Kunden besonders schnell von steigenden Zinsen, denn die Gothaer steckt bei höheren Zinsen dann nicht so lange in niedrig verzinsten Anleihen fest. Geht seine Zinswette nicht auf, müssen seine Kunden dagegen mit weniger Überschuss rechnen als etwa die Versicherten der Debeka.

So oder so – Wetten müssen alle Anlagechefs eingehen. „Es dürfte kaum einen Lebensversicherer geben, der in seinen Kapitalanlagen und den Laufzeiten so aufgestellt ist, dass ihn die derzeitige Kapitalmarktsituation kalt lässt“, sagt Heermann.

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