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Lebensversicherungen im Vergleich Die besten Policen in Zeiten niedriger Zinsen

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Grafik: Funktionsweise Lebensversicherung

Versicherer dürfen Kunden maximal 60 Prozent der durchschnittlichen Bundesanleihe-Rendite der vergangenen zehn Jahre garantieren. Deren Mittelwert liegt nach Daten der Ratingagentur Assekurata bei derzeit rund vier Prozent. Damit wäre noch ein Garantiezins von 2,4 Prozent möglich. Doch die Branche drängt auf einen Puffer. Ab 2012 wird der Garantiezins für Neuverträge deshalb wohl von derzeit 2,25 auf dann 1,75 Prozent sinken. Die in der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) organisierten Versicherungsmathematiker signalisieren dies bereits. „Ich gehe davon aus, dass das DAV-Verfahren eine Rechnungszinssenkung anzeigen wird“, sagt Johannes Lörper, Ergo-Leben-Vorstand und stellvertretender Vorsitzender der DAV.

Über den Garantiezins hinaus zahlen Versicherer bislang noch Überschüsse. Auch diese freiwilligen Zahlungen werden wohl weiter sinken. Die Ratingagentur Fitch geht davon aus, dass die Lebensversicherer in diesem Jahr am Rentenmarkt zu Sätzen zwischen 3,7 und 4,3 Prozent anlegen konnten. Im Schnitt, über alle Anlageklassen, erwartet Fitch für 2010 eine Nettoverzinsung des angelegten Kapitals um die vier Prozent – verglichen mit 4,2 Prozent im Jahr 2009. Das Kapitalanlageergebnis 2010 bestimmt maßgeblich, was Versicherten für 2011 gutgeschrieben wird – im Zweifel wieder etwas weniger: „Die Überschüsse für 2011, die Ende 2010 festgelegt werden, werden wohl weiter sinken, ebenso wie die Nettoverzinsung“, sagt Ockenga von Fitch.

Nicht alle werden überleben

Das Finsinger-Rating fungiert als Frühwarnsystem. So fallen Delta Lloyd und Bayerische Beamten, die Schlusslichter des aktuellen und des vergangenen Jahres, vor allem durch Kosten auf, die doppelt so hoch sind wie im Branchenschnitt. Wer viel Geld von Beiträgen abzweigt, kann weniger anlegen und holt weniger Rendite. Diese aber ist das wichtigste Verkaufsargument im hart umkämpften Markt. Wer hinten liegt, bekommt kaum neue Kunden. Und so hat Delta Lloyd das Neugeschäft weitgehend eingestellt und die Bayerische Beamten ihres abgegeben.

Die kleine Hamburger Leben will keine neuen Kunden mehr, ebenso die große, aber eher leistungsschwache Victoria. Sie gehört zu Ergo, der Erstversicherungs-Tochter der Munich Re. Die bündelte gerade das Leben-Geschäft der Gruppe, zu der auch die Hamburg-Mannheimer zählt, unter der Dachmarke Ergo.

Fitch-Analyst Ockenga erwartet, dass sich in Zukunft weitere Versicherer aus dem deutschen Markt zurückziehen. „Einige müssen sich eingestehen, dass sie unter den derzeitigen Umständen nicht mehr wettbewerbsfähig sind“, sagt er. Diverse Versicherer stellten ihr Neugeschäft ein, „ohne dass es an die Öffentlichkeit dringt“. Kunden solcher meist kleiner Anbieter mit geringem Marktanteil droht der Verkauf ihrer Policen an Finanzinvestoren, die kein Interesse an Neukunden haben und nur noch nach Vorschrift zahlen würden – im schlimmsten Fall nur den Garantiezins.

Zur zusätzlichen Gefahr für Kunden schwacher Versicherer werden die ab 2013 geltenden neuen europäischen Eigenkapital-Regeln. „Sie sind eine Bedrohung für kleine Versicherer“, sagt Ockenga von Fitch.

Die Solvency II genannten Regeln könnten Versicherer zwingen, künftig stärker in Staatsanleihen zu investieren. Sie sollen ihr Eigenkapital in Zukunft an das Risiko ihrer Anlagen anpassen. Für Aktien sollen sie nach heutigem Planungsstand bis zu 40 Prozent Eigenkapital nachweisen. Immobilien schlagen mit bis zu 25 Prozent zu Buche, Staatsanleihen in der EU mit null – das gilt selbst für jene aus Griechenland. Rund 50 Milliarden Euro frisches Kapital brauchen deutsche Lebensversicherer, um ihre Anlagen in den geforderten Quoten mit eigenem Kapital abzusichern, schätzt Carsten Zielke, Versicherungsanalyst der Société Générale.

Ebenfalls schmerzhaft: Gerät ein Staat in Zukunft in Schieflage, können sich Käufer von Staatsanleihen nicht mehr allein auf Rettungspakete der Steuerzahler verlassen. Die Regierungschefs der EU wollen, dass sich Gläubiger an der Sanierung von Staaten und Banken beteiligen. Will heißen: Sie müssten auf Teile der Rückzahlung verzichten oder Anleihen länger halten als beim Kauf vereinbart.

Gerät eine Großbank in Schieflage, könnten Schulden – mit kräftigen Abschlägen – in Aktien umgewandelt werden. Das ist ein Problem für Lebensversicherer, denn zwei Drittel ihrer Kapitalanlagen hängen an Bankenrisiken. So könnte die Finanzkrise, die für Lebensversicherte bisher noch glimpflich verlief, diese letztlich doch noch einholen.

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