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Lee-Jae-yong Samsung-Erbe zu fünf Jahren Haft verurteilt

Der Erbe des milliardenschweren Samsung-Konzerns ist wegen Korruption und anderen Vorwürfen schuldig gesprochen worden. Ein Gericht in Südkorea verurteilte Lee Jae-yong zu fünf Jahren Haft.

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Quelle: Reuters

Seoul Der Erbe des milliardenschweren Samsung-Konzerns ist wegen Korruption und anderen Vorwürfen schuldig gesprochen worden. Ein Gericht in Südkorea verurteilte Lee Jae-yong zu fünf Jahren Haft.

Die Sonderermittler hatten zwölf Jahre Haft für Bestechung, Veruntreuung von Firmengeldern, versteckte Auslandszahlungen und Falschaussage vor einem Parlamentsausschuss gefordert. Und das war außergewöhnlich in einem Land, in Haft- oder Bewährungsstrafen ein normales Berufsrisiko der Chefs von Südkoreas riesigen Familienkonglomeraten, den sogenannten Chaebol, sind.

„Das ist meines Wissen die höchste Forderung in der an Klagen reichen Geschichte“, sagte Jason Chung, Chef des Chaebol-Beobachters chaebul.com, vor dem Urteil. Und der Grund ist für ihn, dass Lee stellvertretend für den koreanischen Klüngel aus Konzernen und Politik im größten Skandal von Südkoreas Nachkriegsgeschichte angeklagt wurde, der im März in der Amtsenthebung der damaligen Präsidentin Park Geun-hye und später ihrer Verhaftung gipfelte.

Auslöser des Skandals waren 2016 Berichte, dass Park ihre enge Freundin Choi Song-sil nicht nur widerrechtlich als private Vertraute mit Staatsgeschäften betraut habe. Sie soll auch Druck auf die Konzerne des Landes ausgeübt haben, Chois Stiftungen und Organisationen zig Millionen Euro zu spenden.

Empörte Bürger forderten daraufhin im Herbst in Großdemonstrationen den Rücktritt der Präsidentin. Und als die sich weigerte, beschloss das Parlament beschloss im Dezember mit großer Mehrheit, die Präsidentin des Amtes zu entheben. Ein Gericht bestätigte die Amtsenthebung im März.

Die meisten Konzernchefs kamen damals rechtlich ungeschoren davon. Denn sie stellten sich als Opfer einer erpresserischen Präsidentin dar, deren Wunsch sie sich aus Angst vor Benachteiligungen nicht verwehren konnten. Auch Lee beteuerte seine Unschuld. Denn die vom Parlament eingesetzten Sonderermittler wollten ihm Bestechung nachweisen, um ihn damit unfreiwillig zum Kronzeugen einer Anklage gegen die frühere Präsidentin zu machen.

Der wichtigste Vorwurf lautete, dass der Samsung-Erbe Choi für politische Gefälligkeiten 43 Milliarden Won bezahlt oder versprochen habe. Parks Vertraute soll daraufhin 2015 über das Gesundheitsministerium Druck auf den staatlichen Pensionsfonds ausgeübt haben, eine umstrittene Fusion zweier Samsung-Firmen zu unterstützen.

Mit der sicherte sich der Sohn bei der Machtübernahme von seinem schwer erkrankten Vater und nominellen Verwaltungsratsvorsitzenden Lee Kun-hee die Kontrolle über das Familienimperium. Allerdings beschwerten sich Aktionäre der einen Firma, dass ihre Beteiligungen unterbewertet wurden, um die Aktienanteile von Lee und seinen zwei Schwestern zu mehren.

Lee hat die Vorwürfe immer zurückgewiesen und sich wie seine Kollegen als Opfer Parks dargestellt. Er stellte sich dabei als abgehobener Vorsitzender der Firmengruppe hin, der sich vor allem um Flaggschiff der Gruppe, Samsung Electronics, kümmerte, aber nicht um die Beziehungspflege.

Beobachter nehmen ihm die Rolle des naiven, entrückten Patriarchen zwar nicht ab. Aber juristisch war Verteidigungsstrategie geschickt. Bestechung sei kaum juristisch handfest, sondern nur auf Grundlage von Indizien nachzuweisen, meint ein Beobachter vor dem Prozess. „Doch die Richter werden wohl wenigstens in erster Instanz aus politischen Gründen eine Haftstrafe aussprechen.“ Zu gravierend wären die innenpolitischen Folgen.
Besonders ein Freispruch im Anklagepunkt Bestechung hätte einen „politischen Torando“ ausgelöst, erklärt Chaebol-Beobachter Chung. Denn damit wäre wahrscheinlich auch die Präsidentin in ihrem Prozess freigesprochen worden, der voraussichtlich im Oktober endet.

Öffentliche Empörung über die Chaebol-Macht wäre eine Folge gewesen. „Es hätte wieder große Demonstrationen geben können“, meint Chung. Gleichzeitig drohten Anhänger der konservativen Tochter von Südkoreas legendärem Diktator Park Chung-he die Legitimität von Südkoreas im Mai neu gewählten Präsidenten Moon Jae-in anzuzweifeln. Dem Land drohte damit eine politische Lähmung.

Die Folgen für Samsung fallen dagegen weniger ins Gewicht. Die Inhaftierung des Patriarchen hat zwar intern die Freude über den neuen Rekordgewinn gedrückt, den der Elektronikriese im zweiten Quartal gebucht hat. Außerdem erschwert der Fall die halb abgeschlossene Nachfolge und strategische Entscheidungen.
Lees Vater mag seit 2014 handlungsunfähig sein. Doch offiziell ist er noch Chairman von Samsung Electronics, Lee Junior als Vizevorsitzender allerdings der faktische Chef. Und wichtige Entscheidungen werden traditionell vom Patriarchen getroffen, was schwieriger ist, wenn er im Gefängnis sitzt.
Samsung steht nun vor dem Dilemma, keinen Plan B für eine andere Nachfolgeregelung zu haben. Allerdings sehen Analysten für die Samsung-Firmen und vor allem für Samsung Electronics geringere Folgen. „Die Geschäfte werden von professionellen Managern geführt“, erklärt der Samsung-Experte Park Sang-in, Wirtschaftsprofessor an der Seoul National-Universität. Und wirtschaftlich könnte es derzeit nicht besser laufen.
Die wichtige Speicherchipsparte surft gerade auf einem Superzyklus, der nach Meinung von Analysten noch für mehrere Jahre hohe Gewinne verspricht. Bei den boomenden Displays aus organischen Leuchtdioden (Oled) für mobile Geräte ist Samsung derzeit Monopolist und wird noch auf Jahre unbestrittener Marktführer sein.
Und auch das Mobilgeschäft hat sich von dem Debakel um explodierende Akkus erholt, nach dem Samsung im Herbst 2016 sein großformatiges Smartphone Galaxy Note 7 vom Markt genommen hatte. Am Mittwoch begann der Konzern, auch diese Scharte auszuwetzen. In London stellte Samsung das Galaxy Note 8 vor - auch ohne seinen Patriarchen.

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