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Lizenz erhalten Tui darf in China Touristen nach Deutschland locken

Nach jahrelangem Lizenzpoker hat Tui jetzt den Zuschlag bekommen, Deutschland in China als Reiseland zu vermarkten. Da winkt Tui ein lukratives Geschäft - und den großen Städten asiatischer Flair. VON EBERHARD KRUMMHEUER

Tui darf jetzt Auslandsreisen für Chinesen anbieten. Quelle: handelsblatt.com

Es war ein langer Marsch. Schon 2003 gründete der Reisekonzern mit Stammsitz in Hannover in Peking seine Auslandstochter Tui China Travel. Erklärtes Ziel der Firma, an der zu einem Viertel die staatliche chinesische Tourismusbehörde CNTA beteiligt ist, war bereits damals: Auslandsreisen für chinesische Urlauber zu organisieren – vor allem nach Europa.

Doch das „Outbound“-Geschäft, wie es in der Fachsprache der Touristiker heißt, ließ bis jetzt auf sich warten. Um die Lizenz für das potenzielle Millionengeschäft pokerten Reisekonzerne aus aller Welt. Den Zuschlag bekamen nunmehr Tui – als einziger europäischer Reiseveranstalter – und zwei asiatische Tourismuskonzerne, teilte Tui mit.

„Wir begrüßen außerordentlich die lang erhoffte Entscheidung der chinesischen Behörden, Outgoing- Lizenzen zu erteilen. Mit der Genehmigung einer Lizenz an die Tui verknüpfen wir die Erwartung für weiteres starkes Wachstum des Tourismus aus China nach Deutschland“, sagte Petra Hedorfer, Chefin der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT), dem Handelsblatt. Im vergangenen Jahr habe die Hotellerie bereits 1,1 Millionen Übernachtungen von Chinesen in Deutschland registriert. „Unsere Prognose, bis 2020 dieses Aufkommen zu verdoppeln, wird mit dieser Entscheidung deutlich gestärkt“, hofft Hedorfer. „Die Position von Deutschland als einem der beliebtesten Reiseziele in Europa kann somit weiter ausgebaut werden.“

„Die chinesische Outbound-Lizenz ist ein großer Durchbruch für die Tui“, bestätigte Klaus Laepple, Präsident des Bundesverbands der Tourismuswirtschaft. Gleichzeitig werde dies auch deutliche Impulse für den deutschen Incoming-Markt haben: „Denn viele Unternehmen in Deutschland von Hotels und Gaststätten über den Einzelhandel bis hin zu den Reisebussen werden davon profitieren, wenn einer der weltweit wichtigsten touristischen Wachstumsmärkte seinen Einwohnern das Reisen nach Europa auf diesem Weg deutlich erleichtert.“

Bislang war der Tourismus mit China überwiegend eine Einbahnstraße in der Gegenrichtung: Etwa 50000 Touristen aus Europa reisen pro Jahr mit Tui China ins rote Riesenreich. Zudem hat die Konzerntochter im kleinen Grenzverkehr Erfahrungen gesammelt und Reisen nach Hongkong und Macau organisiert, sagte ein Tui-Sprecher. Diese Ziele seien kein Ausland, aber Sonderwirtschaftszonen, die für viele Chinesen nicht ohne weiteres erreichbar sind.

„Wir haben frühzeitig und vorausschauend im Wachstumsmarkt China investiert“, erklärte Tui-Vorstandschef Michael Frenzel. Er verwies darauf, dass Tui China das einzige Joint Venture im Reisesektor sei, bei dem der ausländische Investor die Mehrheit hält. Nach Branchenschätzungen wächst der Auslandsreisemarkt mit Chinesen rasant und legt heute bereits von Jahr zu Jahr um zwölf Prozent zu, weitere Steigerungen nicht ausgeschlossen. Die Tourismus-Organisation der Uno (UNWTO) erwartet, dass im Jahr 2020 bereits 100 Millionen Ankünfte von Chinesen in Hotels im Ausland registriert würden.

Mit der Lizenz erwartet Tui nicht etwa einen großen Strom von Individualtouristen, sondern Reisegruppen. „Die wollen nicht Sonne und Strand, die wollen Städte, Sightseeing und vor allem Shopping,“ sagte ein Sprecher. Dabei seien die chinesischen Urlauber bereit, ihren wachsenden Wohlstand einzusetzen. Bevorzugte Ziele seien gute Hotels und hochwertige Einkaufsmeilen.

Ähnlich wie die ersten japanischen Europa-Touristen vor Jahrzehnten würden die Kunden aus China perfekt bis in alle Einzelheiten vorausgeplante Gruppenreisen für ihre Tour in die Alte Welt auswählen. „Chinesen reisen anders als Europäer und Amerikaner. Sie sind im Schnitt jünger und unerfahrener als westliche Zielgruppen und oft in großen Gruppen unterwegs“, bestätigte Achim Fechtel, Tourismusexperte der Boston Consulting Group in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

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