WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Lkw-Allianz Volkswagen will MAN übernehmen

Der Volkswagen-Konzern treibt seine Lastwagen-Allianz voran: Der Autobauer hat für den Lkw-Hersteller MAN eine Übernahmeofferte unterbreitet - und kauft fleißig Aktien zu.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
MAN-Lastwagen: Volkswagens Lkw-Allianz nimmt Formen an. Quelle: handelsblatt.com

Volkswagen will aus seiner Lkw-Tochter Scania und MAN einen neuen Nutzfahrzeugriesen schmieden. Um die schon länger geplante Zusammenarbeit der Unternehmen ausbauen zu können, hat der Wolfsburger Konzern seinen Anteil an dem Münchner Lastwagenbauer MAN auf etwas über 30 Prozent der Stammaktien erhöht und macht den übrigen Aktionären nun ein Pflichtangebot. Wie VW am Montag in Wolfsburg mitteilte, sollen für den Dax-Konzern voraussichtlich 95 Euro je Aktie geboten werden. Ziel sei eine engere Kooperation aller beteiligten Unternehmen in Einkauf, Entwicklung und Produktion. Außerdem sei dies ein Schritt "auf dem Weg zum integrierten Nutzfahrzeugkonzern aus MAN, Scania und Volkswagen".

Scania und MAN arbeiten bereits zusammen

VW hielt an MAN bisher 29,9 Prozent der Anteile, inzwischen sind 30,47 Prozent der Stammaktien im Besitz der Wolfsburger. Das Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle erfordere es, den übrigen MAN-Aktionären ein Angebot zu unterbreiten, erklärte Europas größter Autobauer. Sofern die Aufsichtsbehörden zustimmen, soll die Offerte "voraussichtlich spätestens Ende Mai veröffentlicht werden“. MAN und Scania arbeiten seit längerem an einer Zusammenarbeit bei Komponenten, zum Beispiel bei Achsen und Hybridantrieben. Gespräche laufen seit Herbst vergangenen Jahres. Am Ende sollen die Unternehmen fusionieren, der genaue Zeitplan ist noch offen. Volkswagen will mit dem Zusammenschluss seiner beiden Lkw-Töchter zu den Weltmarktführern Volvo und Daimler aufschließen.

Zuletzt hatte MAN Selbstvertrauen demonstriert: "Wir sind sehr zuversichtlich für das zweite Quartal", sagte Vorstandssprecher Georg Pachta-Reyhofen vergangene Woche. "Wir rechnen in allen Märkten mit Wachstum."Die Konkurrenten profitieren zurzeit von der steigenden Nachfrage nach Lastwagen - und auch bei MAN ist das Lkw-Geschäft im Aufwind. Der Umsatz stieg zwischen Januar und März um 19 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 3,7 Milliarden Euro. Der operative Gewinn hat sich mit 325 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Zudem buchte MAN die Wertsteigerung seiner Anteile an Scania in die Bilanz, so dass unter dem Strich ein Gewinn von 565 Millionen Euro steht.

MAN expandiert nach China

Während das Geschäft mit Kraftwerken und Turbomaschinen stagniert, hält der Nachfrageboom bei Lastwagen an. Der Auftragseingang in der Lkw-Sparte, die für zwei Drittel der Erlöse steht, stieg um knapp 40 Prozent. Die europäischen Werke in Deutschland, Polen und Österreich nähern sich damit wieder der vollen Auslastung. In den Schwellenländern setzen die Münchener weiter auf Expansion. So soll das 2009 von Volkswagen übernommene brasilianische Lkw-Werk seine Kapazität 2011 erneut um knapp zehn Prozent auf 82 000 Lkws pro Jahr erhöhen. In Russland baut MAN in diesem Jahr eine neue Fabrik. In China wollen die Münchener gemeinsam mit Sinotruk bis 2018 rund 200 000 Lkws pro Jahr herstellen. Das wäre mehr als die heutige MAN-Jahreskapazität.

Mit Volkswagen plant MAN den Einstieg in das untere Segment des Lkw-Marktes. Bislang bauen die Münchener in Europa nur Lkws mit mehr als 7,5 Tonnen. Pachta-Reyhofen kündigte an, dass MAN gemeinsam mit Volkswagen an Fahrzeugen arbeiten wird, die leichter als fünf Tonnen sind. MAN könne dabei auf VW-Technik zurückgreifen und so Kostenvorteile nutzen. Die Bekanntgabe der Fusionspläne sind zum jetzigen Zeitpunkt dennoch ein wenig überraschend. Denn eigentlich sollte MAN erst die Probleme bei der ehemaligen Tochter Ferrostaal lösen. Denn die schwelenden Risiken des Industriedienstleisters behindern den von VW favorisierten Aktientausch zwischen MAN und Scania. Die Münchener halten immer noch 30 Prozent an dem Industriedienstleister. Der Mehrheitseigentümer IPIC aus Abu Dhabi weigert sich aber, die Restanteile zu übernehmen, seitdem die Staatsanwaltschaft München Ferrostaal wegen massiver Schmiergeldvorwürfe ins Visier genommen hat. IPIC fordert seinerseits vor einem Schiedsgericht die Rückabwicklung des Ferrostaal-Verkaufs. Immerhin zeichnet sich Bewegung ab, IPIC hat MAN vergangene Woche öffentlich zu neuen Gesprächen aufgefordert. "Wir haben die Äußerung erfreut zur Kenntnis genommen", sagte MAN-Finanzchef Frank Lutz.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%