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Locomore Rail "Wir sind billiger als die Deutsche Bahn"

Der Chef des Bahnbetreibers Locomore Rail erklärt, warum sein Angriff auf die Deutsche Bahn schwerer ist als gedacht und wie er trotzdem für mehr Wettbewerb auf der Schiene sorgen will.

Derek Ladewig Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Herr Ladewig, eigentlich wollten Sie die Deutsche Bahn im August mit gebrauchten Intercity-Zügen auf der Strecke Hamburg - Köln angreifen. Daraus wird jetzt aber nichts, warum? 

Ladewig: Leider. Wir verschieben den Start auf April 2011. Dann fahren wir morgens, mittags und abends von Hamburg nach Köln und zu gleichen Zeiten in die Gegenrichtung.

Was hat den Start verzögert?

Bis heute wussten wir nicht, ob wir die sechs Trassen, die wir bei DB Netz bis 2014 beantragt haben, auch wirklich bekommen werden. Keolis, die Tochter der französischen Staatsbahn SNCF, wollte die Strecke ebenfalls bedienen — leider zu denselben Zeiten wie wir. Bei vier der sechs Trassen kam es zum Konflikt.

Die SNCF hat ihren Angriff aber inzwischen abgeblasen...

Dadurch haben wir die Chance, die freien Trassen für unsere Züge zu erhalten. Im anderen Fall hätte Keolis die Trassen für sich in Anspruch nehmen können, da die Franzosen mit Fahrten bis Straßburg längere Wege geplant hatten und dadurch höhere Umsätze für DB Netz generiert hätten. Das Eisenbahnrecht hätte ihnen Vorrang eingeräumt. Um endgültige Planungssicherheit zu erhalten, muss uns DB Netz die Trassen gemäß Eisenbahnrecht erneut anbieten. Darauf warten wir. Alle Investitionen wie den Umbau der Waggons stellen wir so lange zurück.

Ein Ticket der Deutschen Bahn für die Fahrt von Köln nach Hamburg kostet zwischen 29 und 80 Euro. Das wollen Sie unterbieten?

Ja. Wir werden billiger sein. Konkrete Preise nennen wir aus Wettbewerbsgründen noch nicht. Ziel ist eine hohe Zugbindung. Sehr preiswerte Tickets gibt es für diejenigen, die sich für einen konkreten Zug entscheiden. Natürlich bieten wir auch guten Service an. 

Was heißt das konkret? 

Wir machen einzelnen Gruppen gezielt Angebote. So bekommen Familien mit Kindern mehr Freiraum, Geschäftsreisende gute Arbeitsmöglichkeiten, Radreisende Stauraum für Fahrräder.

Dafür kommen sie später in Köln oder Hamburg an als mit der Deutschen Bahn.

Maximal eine Viertelstunde. Wenn wir Glück haben, bekommen wir von DB Netz noch bessere Fahrtzeiten angeboten. Dann dauert eine Fahrt in beide Richtungen 4:06 Stunden — nur wenige Minuten langsamer als die DB.

Locomore verfügt über eine Kaufoption für 16 Fernreisezüge von Siemens. Kaufen Sie? 

Nein. Die zwei weiteren geplanten Strecken von Frankfurt über Köln nach Berlin und von Stuttgart über Frankfurt nach Hamburg, die wir eigentlich ab 2011 anbieten wollten, werden wir auf absehbare Zeit nicht bedienen. Das rigide Eisenbahnrecht und die Krise machten uns vorerst einen Strich durch die Rechnung.

Wieso?

Spätestens Dezember 2011 hätten wir starten müssen, um den Rahmenvertrag, der uns konkrete Trassen und Zeiten bis 2024 garantiert, zu erfüllen und Strafen zu vermeiden. Siemens hätte bis dahin nur eine Handvoll Züge produzieren können. Zudem ist die Finanzierung neuer Züge derzeit mehr als schwierig.

SNCF bläst den Angriff ab, Sie streichen Strecken. Kann sich Wettbewerb im Fernverkehr überhaupt entwickeln?

Davon bin ich überzeugt, aber langsamer als erhofft.

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