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Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne "Leichte Belebung"

Warum der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne gern eine Tochter der Deutschen Bahn kaufen würde.

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** ARCHIV ** Klaus Michael Quelle: AP

WirtschaftsWoche: Herr Kühne, Sie sind Großkunde der Deutschen Bahn. Was erwarten Sie vom neuen Bahn-Chef Rüdiger Grube?

Grube: Ich wünsche mir, dass er den Konzern wieder auf seine Hauptfunktion ausrichtet, den Bahnverkehr. Dort müsste das Unternehmen noch besser werden und Marktanteile gegenüber der Straße gewinnen.

Es stört Sie also, dass die Bahn den Hauptumsatz mit Logistik macht, als Konkurrenz zu Kühne+Nagel?

Der Staat als Eigentümer der Bahn muss Verkehrsinfrastruktur zur Verfügung stellen. Die Bahn müsste ihre Logistikaktivitäten verkaufen. Die Milliardenerlöse könnte sie in Schienenwege investieren und leistungsfähiger werden. So entstünden dringend notwendige Neukapazitäten für den Güterverkehr.

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    Hätten Sie denn Interesse an den Logistikfirmen der Bahn?

    Ja. Der Landverkehr von DB Schenker ist eine Perle. Daran hätten wir konkret Interesse. Aber dieser Teil der Bahn-Tochter kann wohl kaum separat erworben werden.

    Könnten Sie sich das leisten? Auch Kühne+Nagel dürfte von der Wirtschaftskrise betroffen sein.

    Der Abschwung ist heftig. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir einen guten Jahresabschluss hinbekommen, wenngleich er geringer ausfallen wird als im Vorjahr. Die Situation ist aber nicht so dramatisch wie vielfach befürchtet. Das gilt auch für unsere Konkurrenten. Global werden immer noch viele Güter bewegt.

    Werden Sie Mitarbeiter entlassen? 

    Das ist leider nicht zu vermeiden. Es fehlt Geschäftsvolumen. Insgesamt trennen wir uns von fünf bis acht Prozent unserer derzeit rund 55.000 Mitarbeiter weltweit. Der Großteil entfällt auf den Abbau von Zeitarbeitern. Verschlimmert sich die Krise, kann ich weiteren Personalabbau nicht ausschließen.

    Gibt es denn Hoffnungszeichen? 

    In unserem stärksten Geschäft, dem Seeverkehr, gab es in den vergangenen Wochen eine leichte Belebung. Wir haben Neugeschäft abgeschlossen. Aber so ganz traue ich dem Frieden nicht.

    Kühne+Nagel hat jüngst einen Öl-Logistiker gekauft. Denken Sie an weitere Zukäufe?

    Ja. Wir investieren in der Krise. Wir haben auch zusätzliche Verkäufer eingestellt, um verringertes Geschäftsvolumen bei bestehenden Kunden durch Neugeschäft auszugleichen.

    Sie wollen Marktanteile steigern?

    Richtig. Wenn wir Umsatz stabilisieren, während andere ihn verlieren, werden wir Marktanteile gewinnen. Je länger die Krise dauert, desto eher ist das der Fall, weil wir Durststrecken länger aushalten können.

    Ihnen gefiele also eine lange Krise? 

    Für die Marktposition ist sie gut, für das Ergebnis nicht. Eine Krise drückt auch auf die Preise. Ich wünsche mir keine lange Krise.

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      Was müsste der Staat tun, um in der Krise den Logistikstandort Deutschland zu stärken?

      Er müsste die Seeschifffahrt unterstützen, etwa über Bürgschaften. Sie ist ähnlich stark getroffen wie die Automobilindustrie.

      Mit dem Einstieg bei Hapag-Lloyd verhinderten Sie zusammen mit Hamburger Kaufleuten den Verkauf der Reederei ins Ausland, die Mitarbeiter feierten Sie. Jetzt fordern Sie Jobabbau. War alles nur Bluff?

      Nein. Die wirtschaftliche Lage von Hapag-Lloyd gibt jedoch Anlass zur Besorgnis. Hier sollte man gegensteuern. Wäre die NOL aus Singapur, die auch am Kauf interessiert war, zum Zuge gekommen, hätte sie rigoros durchgegriffen; das hatte sie im eigenen Unternehmen bewiesen.

      Bei dem 4,5 Milliarden Euro teuren Kauf hilft TUI nun mit einem Milliarden-Kredit. Doch diese Konstellation scheint Ihnen nicht zu gefallen? 

      Meine Kritik richtet sich gegen die starke Abhängigkeit der Hapag-Lloyd von der TUI. Letztere stellt den Aufsichtsratsvorsitzenden, Herrn Dr. Frenzel, obwohl sie langfristig kein Interesse an der Schifffahrt hat. Als Mehrheitsgesellschafter sollte sich das Hamburger Konsortium verstärkt in die Krisenbewältigung einschalten.

      Was fordern Sie konkret? 

      Ich habe leider keinen Einblick in die Zahlen bei Hapag-Lloyd. Auch nach dem Abschluss des Kaufvertrags fließen die Informationen spärlich. Ich fordere konkrete Zahlen, weil ich gerne Anstöße geben will, bekomme aber nur pauschale Antworten.

      Heißt das, Herr Frenzel hat mehr Informationen als Sie?

      Ja, davon gehe ich zurzeit aus.

      Stehen Sie mit Hapag-Lloyd-Chef Michael Behrendt in Kontakt?

      Das ist in letzter Zeit leider nicht mehr der Fall. Wir sollten so schnell wie möglich in einen engen Dialog mit dem Hapag-Lloyd-Vorstand eintreten.

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