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Ludwig Poullain im Interview "Der Markt nimmt grausam Rache"

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Merkel moderiert nur

Was haben Sie von den Sparkassen denn erwartet?

Die Sparkassen-Organisation darf nicht nur auf die Entscheidungen der Politik warten. Früher sprach ein Verbandspräsident mit dem Finanzminister. Heute fehlt dieser Zugang.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Peer Steinbrück setzen sich für strengere Regeln ein, zum Beispiel für Hedgefonds.

Merkel moderiert nur: Sie stößt etwas an und zieht dann zurück. Am ehesten traue ich dem Finanzminister etwas zu. Von Regulierung halte ich überhaupt nichts, auch bei Hedgefonds.

Deutsche-Bank-Chef Ackermann oder der Deutschland-Chef von Goldman Sachs haben die Vergabe riskanter Großkredite – zum Beispiel an Private-Equity-Unternehmen, die damit ihre Firmenübernahmen finanzieren – mit dem Argument gerechtfertigt, dass ansonsten ein Konkurrent das Geschäft gemacht hätte.

Das habe ich in meiner aktiven Zeit auch gehört: „Warum tun wir es nicht, wenn die Konkurrenz es macht?“ Von dieser Denkweise müssen wir weg. Ich kann mich doch nicht von den Überlegungen der Konkurrenz leiten lassen.

Sollte der Baseler Bankenausschuss der Branche höhere Eigenkapitalsätze für riskante Geschäfte vorschreiben?

Hier müssen die Beteiligten selbst handeln. Es kommt auf die Art der Geschäfte an. Ich bin gegen außerbilanzielle Geschäfte. Wenn ich Vorstand einer Bank bin und nehme etwas nicht auf die Bilanz – so wie die IKB –, dann zeigt das, dass ich an dem Geschäft zweifle. Die wussten doch alle, dass da etwas nicht stimmt. Mir tut es leid, dass die IKB nicht pleitegegangen ist. Das wäre das richtige Zeichen gewesen.

Nun wird der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate von Staat und Banken gestützt, doch der Bankvorstand bleibt im Amt. Machen Sie den Verantwortlichen dort einen Vorwurf wegen der Verluste mit Kreditderivate-Fonds? Die Papiere mit den US-Ramschanleihen hat der Fondsmanager gekauft, nicht der Vorstand.

Dennoch sehe ich den Vorstand in der Verantwortung. Die Vorgänge sind so gravierend und außergewöhnlich: Da muss die Alarmklingel angehen. Das ist doch kein normales Geschäft. Da ist der Vorstand eingeschaltet.

"Wenn ich den Dax ansehe, würde ich sicher keine Bankwerte kaufen"

Erwarten Sie eine Kreditverknappung, die Unternehmen außerhalb der Finanzbranche belastet?

Ich sehe die Probleme eher bei den Banken untereinander. Wenn ich den Dax ansehe, würde ich sicher keine Bankwerte kaufen. Das Misstrauen darüber, was noch in den Bankbilanzen ist, zeigt sich auf dem Geldmarkt, und der ist zum Erliegen gekommen. Das Problem ist, dass ein Banker dem anderen nicht traut und nicht bereit ist, ihm Geld zu leihen.

Könnte der 700 Milliarden Dollar schwere US-Rettungsplan zum Aufkauf notleidender Papiere dieses Problem lösen?

Wenn der Staat so viel Geld bereitstellen muss, ist das kein Signal, das Vertrauen bildet.

Woran liegt es, dass das jahrhundertealte Geschäft der Staatsfinanzierung in Not gerät, wie bei der belgisch-niederländischen Dexia oder der Hypo-Real-Estate-Tochter Depfa?

An den Kreditnehmern – also den Staaten – kann das nicht liegen, denn die sind gesund. Aber dieses Geschäft hat den Betreibern zu wenig Geld eingebracht. Eine normale Rendite war nicht mehr genug. Da mussten neue Geschäfte dazu. Die sind alle unglaublich gierig.

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