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Ludwig Poullain im Interview "Der Markt nimmt grausam Rache"

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"Die Banker sind damit beschäftigt, notleidende Papiere weiterzuverkaufen"

Wird die Branche die Risikokontrollen ändern?

Derzeit ist der Punkt dafür nicht erreicht. Die Banker sind damit beschäftigt, notleidende Papiere weiterzuverkaufen. Die brauchen ein Jahr zur Flurbereinigung. Die Banker sind im Stadium der Panik.

Was muss bei der Risikokontrolle in den Banken anders werden?

Industriemanager haben ein anderes Risikobewusstsein als Banker, sie setzen bei der Entwicklung eines Produkts an. Banker sehen einen anrollenden Zug und springen drauf – in der Angst, etwas zu verpassen. Fährt der Zug bergab, steigt die Geschwindigkeit durch das Gewicht der Aufspringenden, und er entgleist.

Blutet Ihnen das Herz, wenn Sie das Drama bei Ihrer alten Bank, der WestLB, betrachten?

So viel Blut hätte ich gar nicht.

Was ist das Grundproblem der WestLB?

Das Problem ist die Organisation in der Sparkassengruppe. Die Verteilung des Geschäfts hat sich hin zu den Sparkassen verlagert, sodass die Landesbanken ausgeblutet sind.

"Ordnungspolitik findet in der Bundesrepublik Deutschland nicht mehr statt"

War die Stärkung der Sparkassen ein Fehler?

Mir war klar, dass es zulasten der Landesbanken geht, wenn die Sparkassen wachsen. Doch der damalige Bundesminister für Wirtschaft und Finanzen, Karl Schiller, hat den öffentlichen Auftrag für die Sparkassen erfunden: Er lautete, Wettbewerbsgleichheit mit den privaten Banken herzustellen. Das ist jetzt erreicht. Daher gibt es nun keinen Grund mehr für die öffentliche Hand, Banken zu betreiben.

Wird die Politik diesen Schluss ziehen?

Ordnungspolitik findet in der Bundesrepublik Deutschland nicht mehr statt. Die wird seit Längerem in Brüssel gemacht. Ich vermute, dass Wirtschaftsminister Glos diesen Begriff nicht einmal definieren kann. Wenn die Sparkassen heute mit ihrem Zustand satt und zufrieden sind, hat das mit der Wirklichkeit wenig zu tun. Augenscheinlich vermag die Sparkassen-Organisation nicht aus eigener Kraft zu einer Neuaufstellung zu gelangen. In einem solchen Falle muss dann halt die ordnungspolitische Hand der Europäischen Union die Dinge richten.

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