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Luftfahrt Was die Golf-Airlines besser machen als Lufthansa & Co.

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Nabel der Flugwelt. Die Flughäfen der Emirate (zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)

Keiner der Emirats-Linien geht die Krise so an die Substanz wie etwa British Airways – weil sie kaum mit anderen Airlines vergleichbar sind. Auch die drei Golf-Carrier schicken Airbus- und Boeing-Maschinen von einem Ort zum anderen – doch Emirates, Etihad und Qatar haben ein anderes, überlegenes Geschäftsmodell mit einem meist besseren Produkt als die Mitbewerber und niedrigeren Kosten (siehe Kasten). Geraten sie dennoch mal in die roten Zahlen, halten sie länger durch.

Denn alle drei haben staatliche Eigentümer mit Ambitionen, die über die Fliegerei hinaus reichen. Auch wenn der Emirates-Konzern heute rund zehn Prozent des Sozialprodukts von Dubai erwirtschaftet, war er ursprünglich nur ein Nebenprodukt beim Versuch, den heutigen Reichtum in die Zeit nach dem Öl hinüberzuretten.

Vorbild war Singapur: Der Stadtstaat startete Mitte des 20. Jahrhunderts ähnlich bescheiden und hat nun das höchste Pro-Kopf-Einkommen Südostasiens. „Die Idee war, erst in einfache Dinge wie Häfen einzusteigen und sich dann über Tourismus, Handel, Finanzen und Industrie nach oben zu hangeln“, sagt Bob Genise, Chef von Dubai Aerospace Enterprise, einer staatlichen Investmentgesellschaft.

Emirate finanziell gut abgesichert

Emirates kann zwar vom angeschlagenen Emirat Dubai derzeit keine Kapitalspritze erwarten. Doch die Linie war vor der Krise so profitabel, dass sie genug Reserven hat. Notfalls könnte auch Abu Dhabi helfen: Führende Mitarbeiter gehen davon aus, dass das Nachbaremirat inzwischen einen Anteil an Emirates hält – als Gegenleistung für eine Milliardenspritze an Dubai im Frühjahr. Dem wohlhabenden Abu Dhabi gehört Etihad.

Der kleine Staat kann mit seinem staatlichen Investmentfonds im Wert von angeblich fast einer Billion Dollar selbst rote Zahlen in Milliardenhöhe ein paar Jahre unbeschadet überstehen. Qatar Airways ist dank der Gasvorräte seiner Heimat ähnlich gut abgesichert.

Falls die Krise länger dauert und um den Kostenvorteil zu den Europäern zu halten, wollen Emirates-Boss Clark und sein Etihad-Kollege Hogan mit Sparprogrammen ihre Kosten bis Jahresende um bis zu 20 Prozent drücken. „Wir holen nach, was wir wegen des gewaltigen Wachstums verschoben haben“, sagt Hogan.

Kampfpreise und guter Service werben Kunden ab

Für den Rest der Branche sind das schlechte Nachrichten. „Mit ihren Stärken jagen sie der Konkurrenz die Kunden ab“, sagt Marktforscher Harbison, „und wahrscheinlich können sie die nach der Krise halten.“

Die Offensive vom Golf trifft das Gros der etablierten Konkurrenten in Europa, Asien und Nordamerika stärker als zuvor der Angriff der Billigflieger. Die schadeten durch ihre Schnäppchentickets nur dem ohnehin oft defizitären Regionalverkehr.

Emirates, Etihad und Qatar hingegen nehmen Lufthansa und Konsorten auf der Langstrecke in die Zange, dem Kerngeschäft – mit Kampfpreisen und zugleich besserem Service. Beim führenden Marktforscher Skytrax bekommen alle Golf-Linien im Schnitt bessere Noten als die Europäer. Qatar liegt gar an der Spitze mit den Qualitätsführern Singapore Airlines und der Hongkong-Linie Cathay Pacific.

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