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Luftfahrtbranche Airbus-Sanierungsprogramm Power8 wird zur Überlebensfrage

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Denn Lean heißt nicht nur mehr Produktion pro Arbeitnehmer, sondern auch weniger Leute für die gleiche Arbeit. Beim Start des Programms sollten noch jedes Jahr ein paar Maschinen mehr aus den Hallen rollen. Jetzt muss Airbus erstmals in seiner Geschichte die Produktion herunterfahren, laut einer Studie von Credit Suisse sogar um fast ein Viertel bis 2011. Wenn Lean wie geplant weitere 30 Prozent mehr Effizienz bringt, braucht das Unternehmen 2012 rein rechnerisch nur halb so viele Mechaniker wie heute.

Darum muss Boto bei den anderen Modulen mehr Gas geben, weshalb ein Power8-Rundgang am besten bei Nicole Lecca endet. Wäre in ihrem Büro nicht die Zeichnung einer Flugzeugkabine mit durchsichtiger Decke, nichts deutete darauf hin, dass die lebhafte Chefstrategin die Architektin der Zukunft bei Airbus ist. Im Gegensatz zu den meisten anderen Konzernmanagern ist ihr Fokus bodenständig. Airbus soll mehr Service rund ums Flugzeug bieten. „Das wollen wir kräftig ausbauen“, sagt sie. In den nächsten Jahren soll sich der Umsatz von heute einer Milliarde Euro verdreifachen. Bis 2020 könnte er sich nach internen Planungen noch mal mehr als verdoppeln, gut die Hälfte davon sollen Unternehmen liefern, die Airbus noch zukaufen will.

Ob Training des Personals, Kabinenrenovierung oder Ersatzteillieferung, Airbus will kompletten Service bieten und am Ende vielleicht sogar die Flieger quasi betreiben, sodass die Fluglinien nur noch pro Flugstunde bezahlen. Bei diesem Geschäft schwanken die Einnahmen weniger stark als beim Verkauf von Flugzeugen, und es mindert die Dollar-Abhängigkeit, weil Kosten und Einnahmen in der gleichen Währung anfallen.

Der größte Vorteil ist jedoch, dass Airbus die Produkte immer im Auge hat und leichter verbessern kann. „Das gilt nicht nur für die bestehenden Programme, sondern vor allem für die künftigen“, sagt Vorstand Brégier.

Denn Power8 mag eine kurzfristige Überlebensfrage sein. „Der Kern von Airbus ist nicht sparen, sondern noch bessere Flugzeuge zu bauen als unsere Konkurrenten“, sagt Brégier. Das Überleben von Airbus hängt am Erfolg des neuen Langstreckenflugzeugs A350, der ab 2013 ausgeliefert werden soll. Hätte der ähnliche Probleme wie der A380 und Militärtransporter A400M, könnte es Airbus dauerhaft schwächen.

Das gilt erst recht für den Nachfolger des Mittelstreckenbestsellers A320. Hier sorgen Embraer aus Brasilien und Bombardier aus Kanada sowie Neulinge aus Japan, China, Russland und vielleicht Indien für mehr Konkurrenz und drastisch sinkende Preise. Steffen Gänzle, Experte der Beratung A.T. Kearney: „Da gibt es nur einen Schuss und der entscheidet wer Marktführer wird.“

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