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Luftverkehr Der teure Wettbewerb um die Billigflieger

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Eine Maschine der ungarischen Quelle: dpa/dpaweb

Im Jahr 2000 begann dieser Traum in Lübeck. Damals startete Ryanair mit einem Linienflug nach London-Stansted, später kamen Ziele wie Stockholm und Palma de Mallorca dazu. Und während sich im Ratskeller hanseatische Töne mit italienischen und spanischen mischten, wuchs die Abhängigkeit mit jedem Jahr mehr. Derzeit fliegt neben Ryanair nur noch der ungarische Billigflieger Wizz Air viermal die Woche nach Danzig und dreimal nach Kiew.

Lutz Lange ist heute Aufsichtsratsvorsitzender des Flughafens und zieht ein nüchternes Fazit: "Bei den aktuellen Passagierprognosen sieht die Zukunft des Flughafens düster aus. Vorwürfe wegen einer Verschwendung von Steuergeld werden immer lauter." Lange hat kein Kerosin im Blut, wie so viele in der Branche gern von sich behaupten. Doch der Diplom-Kaufmann kennt sich gut mit Zahlen aus. Und die sind eindeutig. Seit 2005 habe der Flughafen rund 30 Millionen Euro Verluste eingefahren, zulasten der Stadt. Allein die Zinslast betrage inzwischen etwa 1,5 Millionen Euro im Jahr. "Ein normales Unternehmen wäre längst insolvent", sagt Lange und fügt hinzu: "Bei rund zwei Euro Kosten für jeden Euro Umsatz kein Wunder." Bereits im vergangenen Frühjahr schloss ein Gutachten des städtischen Rechnungsprüfungsamtes mit der Bemerkung, die Hansestadt Lübeck solle in Erwägung ziehen, den Flughafen abzuwickeln.

Die Rahmenbedingungen müssen stimmen

Danach erst begann das schlimmste Jahr. Vulkanasche und Fluglotsenstreiks ließen die Passagierzahlen schrumpfen. Dann folgte die "Blutgrätsche des Bundesfinanzministers", sagt rückblickend der Flughafen-Geschäftsführer Michael Lange, nicht verwandt mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden. Denn die Ankündigung einer Luftverkehrsabgabe von acht Euro für innereuropäische Flüge nahm Ryanair zum Anlass, "den großen Max" zu machen, wie Lange es nennt. Anstatt wie versprochen Flugzeuge fest in Lübeck zu stationieren, strich der Billigflieger alle deutschen Verbindungen radikal zusammen, auch in der Hansestadt. Für 2011 rechnet Lange daher nur noch mit 400.000 Passagieren, 2009 waren es noch 702.000. Doch selbst das reicht längst nicht, um den Flughafen profitabel zu betreiben.

Der Deutsche-Bank-Volkswirt Eric Heymann warnte bereits 2005 in einer Studie vor einem Subventionswettlauf. Dessen Folge sei, dass Steuergelder für Regionalflughäfen "zum Teil an ausländische Billigfluggesellschaften und deren Fluggäste fließen". Heute fühlt er sich bestätigt. "Niedrige Start- und Landegebühren gehören häufig zu deren Geschäftsstrategie. Stimmen die Rahmenbedingungen nicht mehr, dann ziehen die Unternehmen schnell wieder weg." Wegen der Luftverkehrsabgabe hat etwa Ryanair die Strecken von und nach Deutschland so massiv gekürzt, dass die Passagierzahlen für 2011 voraussichtlich um drei Millionen sinken werden. Heymann hält deshalb die Ausbaumaßnahmen der Regionalflughäfen "in den allermeisten Fällen für unnötig".

Flughafenchef Lange glaubt indes weiter an die schwarze Null. Der Manager, der sich gleichzeitig bei der Stadt um das Beteiligungsmanagement kümmert, will investieren und hat die Rückendeckung der Bevölkerung. Die kippte vergangenes Jahr in einem Bürgerentscheid einen Ratsbeschluss und sprach sich für die weitere Förderung des Flughafens aus. Vier Millionen Euro sollen nun investiert werden, damit ein moderneres Landesystem installiert werden kann. Erst vor knapp zwei Wochen hat der Kieler Wirtschaftsminister Jost de Jager (CDU) 1,76 Millionen Euro Förderung für den Ausbau genehmigt.

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