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Maersk-Chef Nils Andersen "Was nicht passt, wird verkauft"

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Rechnen Sie mit einer harten Bereinigung, bei der es auch Insolvenzen geben wird?

Ja. Am Ende werden einige Wettbewerber nicht überleben. Sie werden gezwungen sein, Schiffe zu verkaufen. Dann werden wir uns Übernahmen möglicherweise auch überlegen. Sie waren früher Chef der dänischen Brauerei Carlsberg und Anfang der Neunzigerjahre auch Geschäftsführer deren Düsseldorfer Altbier-Tochter Hannen. Was haben Sie dabei für den Job an der Spitze eines Konglomerats wie A.P. Moeller gelernt? Der Fokus auf den Kunden und der Vergleich mit Wettbewerbern ist ein Merkmal der Bierbranche. Diesen Marktfokus habe ich mitgenommen. Außerdem habe ich versucht, Geschäftsabläufe zu vereinfachen, um die Effizienz zu erhöhen.  

Sowohl Carlsberg als auch A.P. Moeller-Maersk werden von großen Familienstiftungen kontrolliert. Hilft oder schadet Ihnen das in der gegenwärtigen Krise?

Es hilft uns absolut. Wir können im Management sehr langfristig denken. Das ist ein Riesenvorteil. Wir müssen nicht über die Schultern gucken, ob wir möglicherweise von irgendeinem übernommen werden oder aufgeteilt werden. Wir können uns auf langfristige Wertschöpfung konzentrieren.  

Wo findet sich das in der Unternehmenskultur von A.P. Moeller-Maersk wieder?

In der Risikobereitschaft. Wir sind schon immer mit hohen Investitionen in neue Länder und in kalkulierte Risiken hinein gegangen. Es ist Tradition, in Ungewissheit zu investieren. Das ist unsere Stärke. Wir sind zudem eine der wenigen Weltkonzerne, die ihren Mitarbeitern sagen können, dass sie in der ganzen Welt arbeiten können, auch in afrikanischen und asiatischen Entwicklungsländern. Wer dazu bereit ist, kann schnell große Projekte, hohe Budgets und Verantwortung übernehmen. Das ist fantastisch.  

Wie oft treffen Sie den 96-jährigen Stiftungsvorsitzenden Maersk McKinney Moeller?

Mindestens einmal die Woche. Wenn ich auf Reisen bin, natürlich weniger.  

Besprechen Sie strategische Entscheidungen und nimmt Herr Moeller noch Einfluss?

Wir sind ein ganz normales Unternehmen mit einem Aufsichtsrat, der große Entscheidungen abnicken muss. Mit Herrn Moeller spreche ich über alle möglichen Dinge. Es ist interessant, ihm zuzuhören, denn er ist ja bereits quasi seit seiner Geburt im Geschäft.

Bei der Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember hoffen Sie auf Entscheidungen, die Ihnen helfen, irgendwann einmal Geschäfte mit der Speicherung des klimaschädlichen Kohlendioxids in ausgebeuteten Öl- und Gasfeldern unter dem Meeresboden zu machen. Gleichzeitig sind Ihre Containerschiffe mit ihren monströsen Dieselaggregaten Mitverursacher des Klimawandels. Was sagen Sie Kritikern dazu?

Das ist kein Widerspruch. Denn für die Umwelt sind Schiffe sehr günstige Transportmittel. Ein durchschnittliches Containerschiff verbraucht pro Tonnenkilometer dreimal weniger Öl als ein Zug. Die modernsten Schiffe sparen noch mehr. 

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