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Managergehälter Fragwürdige Vorstandsboni mit Nobel-Rente

Die Öffentlichkeit weiß heute mehr über Vorstandsgehälter und Bonuszahlungen als je zuvor. Aber Grund zur Kritik bleibt: Die Vergütungssysteme werden immer undurchsichtiger, die Vergleichbarkeit bleibt auf der Strecke. Vor allem bei den Pensionsregelungen.

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Josef Ackermann, Jürgen Grossmann, Peter Löscher Quelle: dpa, AP

Seit einigen Jahren stehen die Gehälter und Bonuszahlungen der Konzernlenker unter strenger Beobachtung, gesetzliche Vorgaben und freiwillige Verhaltensregeln sollten die Vorstandsbezüge transparenter machen. Tatsächlich veröffentlichen die meisten Unternehmen die Vergütungen für ihre Manager – was regelmäßig zu Diskussionen über Managergehälter in Millionenhöhe führt. Allerdings gibt es noch immer schwarze Schafe im Hinblick auf die Transparenz und die Nachvollziehbarkeit der Zusammenhänge zwischen der Unternehmensentwicklung und der Bonushöhe.

Eine Studie der Technischen Universität München und der Anlegerschützer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat die Vorstandsvergütungen deutscher Top-Manager untersucht und auf internationaler Ebene verglichen. Erstes Fazit: Die Vorstände der 80 wichtigsten börsennotierten Unternehmen in Deutschland verdienen sehr gut, im internationalen Vergleich ist das Salär weder über- noch untertrieben. Im Durchschnitt verdiente etwa ein Vorstand eines Dax-Unternehmens im vergangenen Jahr 2,4 Millionen Euro. Verglichen mit 2008 ist die Einkommenssteigerung mit 3,1 Prozent auch noch moderat, obwohl die Mehrheit der Unternehmen ihr Ergebnis verbessert haben. Zudem liegen die Bezüge noch immer mehr als 20 Prozent unter den Höchstwerten des Jahres 2007.

Einsame Ausreißer

Wie immer gibt es einzelne Ausreißer: So zahlt etwa die Deutsche Bank ihren Vorstandsmitgliedern im Schnitt knapp 5,6 Millionen Euro, der Konkurrent Commerzbank bleibt aufgrund der von Staatsseite gedeckelten Vorstandsbezüge mit 550.000 pro Vorstandsmitglied Schlusslicht. Spitzenreiter ist der neuen Studie zufolge wieder Deutsche-Bank-Chef  Josef Ackermann mit einem Einkommen von 9,6 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2009, gefolgt von RWE-Chef Jürgen Großmann und seinem Siemens-Kollegen Peter Löscher mit jeweils mehr als sieben Millionen Euro.

Im Vergleich liegen die deutschen Gehälter der Vorstandsvorsitzenden dennoch deutlich hinter den Verdienstmöglichkeiten in den USA zurück. Dort erhielten Vorstandschefs von im Leitindex DowJones notierten Konzernen 2009 im Durchschnitt 13,1 Millionen US-Dollar, was umgerechnet 9,8 Millionen Euro entspricht. Dabei sind das 20 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Zum Vergleich: In der Schweiz verdienten die Spitzenmanager auf Euro-Basis im Mittel 4,0 Millionen, in Frankreich 2,7 Millionen Euro. Vorstandsvorsitzende deutscher Unternehmen liegen mit 3,8 Millionen Euro somit beim Einkommen knapp hinter ihren Schweizer und deutlich vor ihren französischen Kollegen.

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    Auch im Verhältnis zu den gesamten Personalkosten der Top-Konzerne bleiben die Managergehälter moderat und sind sogar leicht von 0,58 auf 0,5 Prozent der Personalaufwendungen gesunken. Bei den Unternehmen in der zweiten Börsenliga MDax ist sogar Bescheidenheit ausgebrochen: Im Durchschnitt verdiente ein MDax-Vorstand 2009 rund 1,1 Millionen Euro – was einem Rückgang von mehr als 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

    Fehlreize für Manager

    Kritisch zu sehen ist noch immer die Zusammensetzung der Vorstandsvergütungen in Deutschland: Zwar macht das Festgehalt nur ein Drittel der Bezüge aus, bei den übrigen zwei Dritteln, variablen Bonuszahlungen und aktienbasierten Bestandteilen, „dominieren leider immer noch die kurzfristigen Anreize“, sagt Professor Gunther Friedl von der TU München. Die Untersuchung an seinem Lehrstuhl für Controlling und Betriebswirtschaftslehre ergab, dass die kurzfristigen Anreize für die Manager die mittel- bis langfristigen noch immer zu 60 Prozent überwiegen. Etwas besser als im Vorjahr zwar, aber noch immer schief angesichts des lauten Rufs nach nachhaltigem Wirtschaften.

    Außerdem würden die Jahresboni die Gewinnentwicklung der Unternehmen nicht ausreichend widerspiegeln. „Bei vielen Unternehmen schein der Jahresbonus nicht auf Gewinneinbrüche zu reagieren“, so Friedl. So hat etwa der Softwarekonzern SAP die Bonuszahlungen trotz leicht rückläufiger Gewinn um satte 80 Prozent erhöht, HeidelbergCement hat den Jahresbonus um mehr als zwei Drittel erhöht, obwohl der Nettogewinn sogar um mehr 90 Prozent einbrach. Plausible Gründe nennen die Unternehmen dafür nicht.

    Etliches bleibt intransparent

    HeidelbergCement verweigert zudem ebenso wie Merck KGaA als einzige Dax-Unternehmen genauen Einblick in die Vergütung einzelner Vorstände. Von den 50 Konzernen im MDax verschweigen sogar 15 eine genaue Auskunft. Überhaupt gibt es in punkto Transparenz noch einiges zu bemängeln. So ist etwa die Bewertung der aktienbasierten Gehaltskomponenten nicht nachvollziehbar, weil oftmals die zugrunde gelegten Aktienkurse nicht angegeben werden.

    Noch undurchsichtiger sind die Manager-Gehälter im Hinblick auf die Altersvorsorgezahlungen der Unternehmen. Das stört auch die Anlegerschützer der DSW. Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker hält das nicht für hinnehmbar: „Pensionszusagen machen in den meisten Unternehmen eine bedeutenden Teil der Gesamtvergütung aus, bleiben aber im Ringen um mehr Transparenz bislang völlig außen vor.“

    Beste Versorgung im Alter

    Überwiegend gibt es leistungsorientierte Pensionspläne der Unternehmen, bei denen die Unternehmen ihrem jeweiligen Vorstand eine festgelegte Rente ab einem bestimmten Alter zusagen. Obwohl in diesem Modell das Unternehmen für die zugesagte Summe bis zum Lebensende des jeweiligen Vorstands gerade stehen muss und somit das volle Risiko trägt, ist dieser Weg bei den Dax-Unternehmen üblich.

    Nur elf der 30 Spitzenkonzerne wählen eine andere Variante: Sie zahlen in beitragsorientierte Pensionspläne ein, etwa in einen Fonds, und befreien sich damit von weitergehenden Verpflichtungen. Diese beiden Modelle sind eigentlich nicht miteinander vergleichbar, zumal die Pensionsverpflichtungen nicht überall exakt und oftmals ohne wesentliche Angaben wie zum Beispiel zu den Zinssätzen angegeben werden, moniert der Münchner Wissenschaftler Friedl. Ihm zufolge ist die Darstellung der verschiedenen Vergütungsbestandteile in diesem Punkt ungenügend: „Es muss hier mehr Transparenz her, damit Aktionäre und Eigentümer auch über die Pensionen vernünftig diskutieren können.“

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      Der Wissenschaftler konnte immerhin 22 von 30 Pensionsplänen der Dax-Unternehmen miteinander vergleichen. Demnach erhalten die Vorstandschefs der Konzerne Pensionszahlungen im Volumen von mehr als einer halben Million Euro jährlich. Die höchste Pensionszusage erhält Volkswagen-Chef Martin Winterkorn mit 1,19 Millionen Euro pro Jahr. Im Durchschnitt sind die Ex-Vorstandschefs im Alter von 62 Jahren pensionsberechtigt. Allerdings schwankt die Altersgrenze zwischen den Unternehmen stark. So dürfen sich beispielsweise die Konzernchefs von Allianz, BASF  oder Bayer mit 60 in den gutbezahlten Ruhestand begeben, bei Adidas, K+S oder Linde muss der Chef erst 65 Jahre alt werden, bevor es die Pension vom Arbeitgeber gibt.

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