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Managerhaftpflicht Versicherer fürchten Klagewelle gegen Manager

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Höhere Deckungssummen

200 Millionen Euro will die Quelle: AP

Zwar sind die Deckungssummen seit 2009 um 50 Prozent gestiegen. Das ergab eine Umfrage von Hendricks & Co., bei der 120 Unternehmen Auskunft gaben. Dennoch warnt der Anwalt: „Das D&O-Prämienvolumen in Deutschland von 500 Millionen Euro jährlich kann durch zwei bis drei Großschäden verbraucht werden. Versichert sind aber gut 30 000 Unternehmen.“

Allein bei Chartis, einer Abspaltung des US-Versicherungsriesen AIG, melden die deutschen Kunden monatlich 35 Neuschäden, so kam es kürzlich auf einer Branchentagung heraus. Dabei schweigt die Zunft sonst eisern über geleistete Zahlungen oder Einnahmen. Müssen die Versicherer bei der D&O zunehmend gewaltige Schadenquoten verkraften, werden sie die, so Hendricks, nur eine begrenzte Zeit mit den Gewinnen aus anderen Sparten quersubventionieren können.

Bisher drückt noch der Kampf um Marktanteile die Prämien. Die Hälfte der D&O-Anbieter hierzulande kommt aus dem angelsächsischen Raum. Vorreiter waren die Chubb und AIG (heute Chartis), später folgten die deutschen Assekuranzen. Heute ist die Allianz-Gruppe führend.

Renomierte Anwälte für Managerhaftung

Damit sich das Geschäft dennoch rechnet, werden die Policen immer trickreicher. Auch wenn sie juristisch wasserdicht sind, spielen manche Versicherer auf Zeit und signalisieren ihrem Kunden, dass sie es auf einen Prozess ankommen lassen. So läuft das meiste hinter verschlossenen Türen ab: 90 Prozent aller Managerhaftungs-Fälle enden mit einem Vergleich, schätzt Hendricks, und von der geforderten Summe zahlten die Versicherer laut seiner Studie im Schnitt nur 30 Prozent.

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    Dass so wenige der Fälle vor Gericht kommen liegt daran, dass die Unternehmen die Öffentlichkeit scheuen. Und die Versicherer wollen Gerichtsurteile zu ihren Ungunsten verhindern, um keine Präzedenzfälle zu schaffen. Zudem fürchten alle Beteiligten die Kosten: Zehn Prozent des Streitwerts addieren sich für Anwalts-, Gutachter- und Gerichtskosten. Die Stundenhonorare namhafter D&O-Advokaten (siehe Tabelle) liegen bei bei 400 Euro, einzelne Koryphäen kassieren bis zu 700 Euro. Ihr Geschäft brummt, je heftiger im Schadensfall gestritten wird.

    Trügerische Sicherheit

    Die kreativen Versuche mancher Versicherer, im Schadensfall die Zahlung abzubügeln, sind ein Risiko für die versicherten Führungskräfte. „Die Manager wiegen sich in trügerischer Sicherheit und meinen, eine D&O-Versicherung wäre ein Rundum-sorglos-Paket“, beobachtet Wirtschaftsstrafrechtler Jürgen Wessing aus Düsseldorf. Besonders gefährdet sind die Reichen unter den Managern. Der Vorstand haftet immer gesamtschuldnerisch, also der Marketingvorstand auch für Fehler des Finanzvorstands – und zwar voll und mit seinem kompletten Privatvermögen.

    Viele Führungskräfte kennen nicht mal den Namen des D&O-Versicherers, wissen nicht, wie hoch die Deckungssumme ist oder welche Risiken schon im Versicherungsvertrag ausdrücklich oder verklausuliert ausgeschlossen sind – zumal der Vertrag jedes Jahr neu verhandelt wird.

    Dabei können sich Manager ein Auskunftsrecht im Arbeitsvertrag festschreiben lassen, es geschieht nur zu selten. Eckhard Schmid von der Kanzlei CMS Hasche Sigle in München schätzt, dass „nur fünf Prozent der Manager eine Kopie der D&O-Police ihres Unternehmens haben“.

    Lückenhafter Schutz kann teuer werden. „In keinem anderen Land werden die Manager so hart verfolgt wie in Deutschland“, sagt D&O-Pionier Hendricks. Die Rechtsprechung zwingt Aufsichtsräte dazu, Vorstände für deren Managementfehler zur Kasse zu bitten. Tun die Kontrolleure das nicht, müssen sie selbst haften.

    Die Versicherer wiederum beklagen eine gestiegene Anspruchsmentalität der Unternehmen gegenüber entlassenen Vorständen, Aufsichtsräten und Geschäftsführern, berichtet ein Insider. Und komme es zum Prozess, sei heute oft die erste Frage des Richters, ob es eine D&O-Police gebe – in der Hoffnung auf einen Vergleich. Denn dann erspart sich der Richter komplizierte Beweisaufnahmen und braucht kein Urteil zu schreiben.

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