WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Managerhaftung Die Zähmung der Widerspenstigen

Seite 4/4

83

Das neue „Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütungen“ schreibt vor, dass Boni eine „mehrjährige Bemessungsgrundlage“ haben müssen und dass Aktienoptionen frühestens nach vier Jahren ausgeübt werden dürfen. Das soll verhindern, dass Vorstände kurzfristig Gewinne in die Höhe treiben und dann hohe Prämien kassieren – egal, ob sich die Gewinne als nachhaltig erweisen oder nicht. Zudem darf die Vergütung das „landes- und branchenübliche Niveau“ nur noch in Ausnahmefällen überschreiten

Für Banken sollen im Herbst noch strengere Vorschriften in Kraft treten. Laut Gesetzentwurf des Bundesfinanzministeriums darf ein „erheblicher Teil“ der variablen Vergütung erst „nach mindestens drei Jahren“ ausgezahlt werden.

Reichen die neuen Regeln, um Fehlanreize für spekulierfreudige Manager zu verhindern – oder lassen die vielen schwammigen Begriffe weiter genug Spielraum? Experten glauben, dass Auswüchse seltener werden. „Aufsichtsräte werden bei der Gewährung von Boni vorsichtiger agieren“, meint von Wietzlow. Viele Kontrolleure würden „künftig den Rat unabhängiger Experten einholen, um die Höhe der angemessenen Vergütung zu bestimmen“, sagt Klaus Riehmer, Partner der Kanzlei Cleary Gottlieb.

Zudem hat der Gesetzgeber ein weiteres Instrument eingebaut, das Auswüchse verhindern soll: das „Say on pay“. Aktionäre, die Aktien im Nennwert von mindestens 500 000 Euro oder fünf Prozent des Grundkapitals halten, können eine Abstimmung über Vergütungen auf der Hauptversammlung erzwingen. „Viele große Unternehmen aus Dax und MDax werden die Abstimmung von sich aus auf die Tagesordnung setzen“, sagt Mutter.

Say und Pay senkt Gehaltsniveau nicht

Allerdings ist ein Votum der Aktionäre gegen eine zu hohe Vergütung nicht bindend. Der Aufsichtsrat kann die Boni dennoch durchsetzen. „Es ist zu befürchten, das Unternehmensleitungen hier negative öffentliche Signale in Kauf nehmen“, fürchtet Bruno Wagner von der Aktionärsvereinigung Deminor.

Riehmer von Cleary Gottlieb rät davon ab, eine öffentliche Watsche von Aktionären zu riskieren. „Das hätte eine katastrophale Außenwirkung“, sagt er. „Unternehmen sollten vor der Hauptversammlung mit Aktionärsvereinigungen und Investoren sprechen und deren Haltung ausloten.“ In Großbritannien, wo es „Say on Pay“ bereits seit einigen Jahren gibt, hat sich laut Riehmer gezeigt, dass das Instrument „Ausreißer und Exzesse“ verhindern könne. „Die Regelung hat aber nicht dazu geführt, dass das Gehaltsniveau auf breiter Front sinkt.“

Den Chefs der Dax-Unternehmen, allen voran Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, dürften ihre fürstlichen Gehälter also erhalten bleiben. Abzukassieren wie einst Wiedeking wird schwieriger. 2007/08 strich der Ex-Porsche-Chef geschätzt 75 Millionen ein, weil Optionsgeschäfte, die später zu Verlusten führten, zwischenzeitlich hohe Gewinne abwarfen – und damit die Managersaläre nach oben katapultierten.

Eine derart „sittenwidrige“ Vergütung hätten die Aufsichtsräte nicht abnicken dürfen, meint eine Aktionärsgruppe um den Berliner Rechtsanwalt Martin Weimann. Sie klagt deshalb vor dem Landgericht Stuttgart gegen die Entlastung des Aufsichtsrats. Ein Urteil wird im Mai erwartet. 

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%