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Markenverbands-Chef Falke "Billig kann teuer werden"

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Aber tragen die Unternehmen nicht ihren Teil zu der Situation bei, indem sie die Mediaagenturen schlecht oder gar nicht bezahlen? Dadurch zwingen sie diese doch geradezu, andere Einnahmequellen zu suchen, etwa Kickbacks, also Rücküberweisungen von Verlagen und Sendern oder Gratiswerbeplätze, die die Mediaagenturen anschließend auf eigene Rechnung an die Unternehmen verkaufen.

Wir haben keine Einsicht in die Verträge der Unternehmen mit den Mediaagenturen. Grundsätzlich aber gilt, dass Unternehmen ihre Mediaagenturen angemessen und leistungsgerecht vergüten sollten. Ist dies nicht der Fall, müssen die Mediaagenturen das von den Unternehmen einfordern.

Eine Finanzierung über Kickbacks, die ja aus den Werbeausgaben der Unternehmen stammen, läuft darauf hinaus, dass die Mediaagenturen den Unternehmen Rabatte oder Werbeplätze vorenthalten. Das ist der falsche Weg und gefährdet die optimale Platzierung der Werbung in Medien, weil die Anzeigen und Fernsehspots möglicherweise nicht dort landen, wo sie am meisten bewirken, sondern wo Mediaagenturen am meisten für sich selber herausschlagen.

Kommen die Unternehmen nach dem Danone-Urteil aus eigener Kraft aus diesem Teufelskreis, oder benötigen sie dazu staatliche Hilfe?

Ich bin dafür, dass die Marktpartner ihr geschäftliches Miteinander selbst regeln. Wenn allerdings der faire Lesitungswettbewerb gefährdet ist, vertragliche Vereinbarungen nicht eingehalten werden oder der bestehende Rechtsrahmen gebrochen wird, besteht schon heute die Möglichkeit, andere Instanzen wie Kartellbehörden oder Gerichte einzuschalten...

... was die Entwicklung in den vergangenen Jahren nicht verhindert hat.

Das ist richtig, die Entwicklungen der vergangenen Jahre waren für niemanden wirklich von Vorteil: nicht für die Werbungtreibenden, die die Transparenz bei ihren Werbeausgaben verloren haben. Nicht für die Mediaagenturen, deren vielfältige Leistungen oft einzig auf Preis und Rabatt reduziert wurden.

Und nicht für die Medien, die durch überzogene Rabattforderungen heute oftmals mit dem Rücken zur Wand stehen. Alle Akteure müssen entscheiden, ob sie diesen Weg weiter gehen wollen. Von den Werbeagenturen erwarten wir eine exzellente Kreativleistung und von den Mediaagenturen qualitativ hochwertige Planung und Beratung zu transparenten und fairen Konditionen.

Wieso sparen Sie bei Ihren Forderungen die Großunternehmen unter Ihren Mitgliedern aus, die mit der Forderung nach hohen Rabatten den beschriebenen Teufelskreis mit in Gang gesetzt haben?

Es waren sicherlich nicht die Unternehmen, die diesen Teufelskreis in Gang gesetzt haben. Aber ich schließe die Werbung treibenden Unternehmen ausdrücklich mit in die Forderung ein, die Fehlentwicklungen zu korrigieren.

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