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Maschinenbau Mittelständler Hermle: Das Wunder von der Alb

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Umsatz und Jahresüberschuss der Hermle AG

Selbst im Musterländle Baden-Württemberg gilt die Maschinenfabrik Berthold Hermle AG – so der offizielle Name – als das „Wunder von der Alb“. „Traditionell hohe Margen, extreme Flexibilität, kostengünstige Konzentration auf einen Produktionsstandort“, so beschreibt Stefan Maichl, Maschinenbauanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg, das langjährige Erfolgsrezept, von dem das Unternehmen bis heute zehrt. „Hermle wird zwar Federn lassen müssen, aus der bevorstehenden Konsolidierung der Branche aber als Sieger hervorgehen.“

Andere Werkzeugmaschinenbauer fahren in diesen Tagen ihren Personalstand herunter wegen des branchenweiten Umsatzrückgangs von rund 30 Prozent 2009. Gildemeister in Bielefeld trennt sich von 1000 Mitarbeitern, rund 16 Prozent der Belegschaft. Der Pressenhersteller Schuler in Göppingen baut 600 Stellen von 5500 ab. Angesichts des erwarteten weiteren Umsatzrückgangs von zehn Prozent dürfte der Jobverlust weitergehen.

Hohe Ausbildunkskosten

Davon ist in Gosheim wenig zu spüren. Hermle hat beim Personal sogar noch zugelegt. Noch im August – mitten in der Krise – hatte das Familienunternehmen zehn Prozent mehr Lehrlinge eingestellt. 2010 will Hermle die Ausbildungsquote halten. „Wenn wir genug geeignete Bewerber finden“, schränkt Hermle ein. 817 Mitarbeiter beschäftigt der Mittelständler insgesamt, 18 mehr als im Vorjahr.

Der Großaktionär und Firmenchef betont immer wieder, dass zu seinem Familienbetrieb eine Politik des Heuern und Feuerns nicht passen würde. Die Mitarbeiter, sagt er, seien der wichtigste Schatz des Unternehmens. „Wir geben Jahr für Jahr 1,5 bis 2 Millionen Euro für die Ausbildung aus“, sagt Hermle, „wenn ich dann unsere gut ausgebildeten Mitarbeiter wieder rausschmeiße, dann ist das wirtschaftlich gesehen so, als ob ich gute und teure Maschinen auf den Schrott bringe.“

Hermle ist ein Musterbeispiel

Jahresproduktion und Beschäftigung im deutschen Werkzeugmaschinenbau

Hermle gilt als Musterbeispiel für ein atmendes Unternehmen. Die Mitarbeiter können auf einem Konto bis 200 Stunden Arbeitszeit ansparen oder ins Minus fahren. In den vergangenen Jahren, in denen der Umsatz häufig um jährlich 20 Prozent oder mehr wuchs, waren Überstunden und bis zu drei Schichten pro Tag die Regel.

So stieg die Mitarbeiterzahl in den Jahren zwischen 2004 und 2008 nur um ein Drittel an, obgleich der Umsatz auf 278 Millionen Euro hochging. Jetzt arbeiten die Hermle-Leute nur noch 28 bis 32 Stunden statt 44 bei einer tariflichen Wochenarbeitszeit von 38 Stunden.

Den aktuellen, überhöhten Personalstand will der Firmenchef dennoch so lange wie möglich halten, um für den Aufschwung gerüstet zu sein. Mit der Kurzarbeit kann das Unternehmen noch einige Zeit recht gut leben, obwohl diese einen mehrstelligen Millionenbetrag pro Jahr kostet.

In Liquiditätsprobleme kommt der schwäbische Maschinenbauer dank der hohen Eigenkapitalquote nicht. „Mit Banken haben wir gottlob nicht viel zu tun, wir stemmen unsere Investitionen aus dem Cash-Flow“, sagt Hermle.

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