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Maschinenbauer Gildemeister "Liebe zum Detail"

Der Gildemeister-Chef Rüdiger Kapitza über seinen neuen Ankeraktionär Mori Seiki und seine Pläne, die eigene Beteiligung an dem japanischen Maschinenbauer zu erhöhen.

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Rüdiger Kapitza Quelle: Picture-Alliance/dpa

WirtschaftsWoche: Herr Kapitza, wird es Gildemeister im Jahr 2020 noch geben?Kapitza: Aber sicher. Auch im Jahr 2040 noch. Gildemeister gibt es seit 140 Jahren, und wir werden noch weitere 140 Jahre Werkzeugmaschinen bauen.

Aber Ihr Partner Mori Seiki, mit dem Gildemeister eine Überkreuzbeteiligung von je 5 Prozent hat, will jetzt seinen Anteil auf rund 20 Prozent hochfahren.Ja, und darüber freuen wir uns sehr. Der Anteil der freien Aktionäre beträgt bei uns 95 Prozent. Das wäre dauerhaft eher eine instabile Situation. Ich bin seit 15 Jahren Vorstandschef von Gildemeister und muss jedes Jahr permanent meine Eigentümer für eine zufriedenstellende Hauptversammlungs-Präsenz zusammensuchen. Das ist anstrengend. Wir haben künftig mit Mori Seiki einen zuverlässigen Ankeraktionär.

Befürchten Sie nicht, dass Ihr Ankeraktionär Hunger auf mehr bekommt und Gildemeister seine Selbstständigkeit verliert?Nein. Auch wir werden mittelfristig bei Mori Seiki zukaufen. Je nach Finanzausstattung wird Gildemeister nach Durchführung der Kapitalmaßnahmen Geld in den Kauf von Mori-Seiki-Aktien investieren. Langfristig könnten weitere Aufstockungen dazukommen.

In welcher Höhe?Dazu kann ich jetzt noch nichts sagen – auf jeden Fall bleiben wir deutlich unter den 20 Prozent, mit denen Mori Seiki an uns beteiligt ist. Sonst würde das alles keinen Sinn ergeben. Wir wollen jetzt erst einmal unsere Eigenkapitalseite und die Kosten der Fremdfinanzierung verbessern. Wir zahlen heute für das Fremdkapital von rund 300 Millionen Euro circa 9,5 Prozent Zinsen. Wenn Mori Seiki in einem ersten Schritt zehn Prozent von Gildemeister kauft im Rahmen einer Kapitalerhöhung ohne Bezugrechte, dann ist das schon einmal gut für unser Eigenkapital. Im zweiten Schritt wollen wir Aktien mit Bezugrechten für alle unsere Aktionäre ausgeben.

Und danach ist die Bilanz saniert?Wir haben dann so gut wie keine Bankschulden mehr. Der kleine Rest ist durch die Kreditlinien gesichert.

Warum wollen Sie denn Teile des offenbar ja dringend benötigten Geldzuflusses in Mori-Seiki-Aktien investieren?Wir haben im Krisenjahr 2009 mit der Kooperation begonnen und diese durch eine Überkreuzbeteiligung mit jeweils fünf Prozent symbolisch untermauert. Eine Aufstockung von Gildemeister bei Mori Seiki würde die Zusammenarbeit nach außen hin bekräftigen. Auch wir wären bei Mori Seiki ein willkommener Investor. Derzeit gibt es aber hierfür keinen dringenden Handlungsbedarf und keinen Zeitplan.

Wäre Gildemeister ohne den Mori-Seiki-Einstieg an die Wand gefahren?Unsinn. Wir haben langfristige Finanzierungsverträge, und wir hätten auch so weitermachen können. Aber jetzt finanzieren wir uns deutlich günstiger, und das schlägt sich unmittelbar in den Erträgen nieder.

Noch einmal: Wird es bei der 20-Prozent-Beteiligung bleiben?Wir sind froh, einen stabilen Ankeraktionär zu haben, und wir wollen in den kommenden Jahren die Partnerschaft ausbauen. Weitere Veränderungen in der Kapitalstruktur stehen nicht auf der Agenda.

Abgesehen von den Finanzierungsvorteilen – warum ist die Erhöhung des Mori-Seiki-Anteils für Sie so wichtig?Mori Seiki ist Werkzeugmaschinenhersteller wie wir und damit ein industrieller Investor. Unserem Partner geht es nicht um schnelles Geld. Das würde auch der japanischen Mentalität widersprechen. Das Unternehmen wird von einem Familienmitglied geführt und hat eine stabile Eigentümerstruktur.

Was wollen Sie zusammen erreichen?Unsere Partnerschaft besteht schon seit Anfang 2009. Wir sind dabei, unsere Vertriebs- und Serviceaktivitäten in ausgewählten Märkten zusammenzulegen, die Entwicklung gemeinsamer Maschinenplattformen voranzutreiben und bieten bereits gemeinsame Finanzierungsmodelle für unsere Kunden an. Auch in der Produktion und beim Service haben wir schon gemeinsame Standorte geschaffen – etwa in China und in der Türkei.

Angeschlagene Partner

Fürchten Sie keinen Know-how-Verlust?Im Gegenteil: Es geht um gegenseitige Know-how-Befruchtung. Der Wissensaustausch ist ein wichtiges Ziel der Zusammenarbeit. Das läuft in den Arbeitsgruppen gut. Deutsche und japanische Ingenieure und Facharbeiter haben viel gemeinsam: die Liebe zum Detail, die Beharrlichkeit beim Ringen um die beste Lösung. Die Deutschen sind bekannt für Spitzentechnik, die Japaner für Qualität und Komponenten, die ausgereift sind, wenn sie auf den Markt kommen.

Wie ist es zu der Idee eines Zusammengehens gekommen? Beim Messe-Bier?Ich kenne den CEO von Mori Seiki, Masahiko Mori, schon lange. Wir sehen uns seit Jahren häufig bei den großen Messen und Branchentreffs. Als die Finanzkrise begann, war mir klar, was das für den Werkzeugmaschinenbau bedeuten würde. Die Aufträge in der Branche sind seit dem Herbst 2008 abrupt um mehr als 60 Prozent eingebrochen. In Japan war die Krise noch heftiger. In dieser Situation sind wir uns schnell einig geworden, dass wir künftige Krisen gemeinsam besser durchstehen.

Warum gerade Mori Seiki?Weil Mori Seiki der beste Partner auf dem Markt ist. Und Masahiko Mori ist ein führungsstarker Manager. Er wurde unter anderem in den USA ausgebildet, für einen japanischen Chef ist er mit 49 Jahren jung, kennt Europa und die westliche Mentalität. Und wir verstehen uns gut. Das ist wichtig bei einem solchen Projekt.

Aber Mori Seiki ist nur halb so groß wie Gildemeister und hat unter der Krise mehr gelitten.Das Unternehmen hat eine Eigenkapitalquote von 80 Prozent. Die größere Fertigungstiefe bei Mori Seiki bringt naturgemäß stärkere Ergebnisschwankungen mit sich. Nun, wo die Branche aus der Krise kommt, wird sich das Ergebnis deutlich verbessern.

Wir hoch sind die Synergien?Das Ziel unserer Win-win-Partnerschaft lautet für beide Seiten, Synergien von rund 15 Millionen Euro pro Jahr zu erzielen. Und da kommt noch ein gutes Stück hinzu. Wie viel genau, kann ich jetzt noch nicht sagen.

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