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Medienkonzern Dünne Luft bei Bertelsmann

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Eigentümerpaar Reinhard und Quelle: dpa

Doch Privatsender fahren eh mit deutlich geringerem Personalbestand als die öffentlich-rechtliche Konkurrenz. Im Fokus stehen daher die Programmkosten. „Und das wird auf Sicht zulasten der Qualität gehen“, sagt Medienexperte Horst Röper vom Dortmunder Formatt-Institut.Sendungen, die nun nicht produziert werden, „fehlen zudem in den Folgejahren, wo man sie kostengünstig als Wiederholung hätte laufen lassen können“, sagt Röper.

Gleichzeitig greift Konkurrent Sat.1 mit prominenten Neuzugängen wie Johannes B. Kerner und Oliver Pocher an. Ob überforderte Teenager, die Babys hüten, und der ewig laute Dieter Bohlen RTL reichen, um den Vorsprung zu halten? Zudem schauen auch Sender in anderen Ländern aufs Geld. Das, so Röper, bekomme RTLs Produktionszweig Fremantle Media zu spüren: „Die Verkäufe ins Ausland dürften angesichts der internationalen Medienkrise sinken.“

"Da läuft ein Machtspiel"

Zur Nervosität trägt bei, dass im Vorstand weiter Unruhe herrscht. Ob ungewollt oder gezielt – als vor wenigen Tagen die eilig dementierte Zahl von 10.000 Stellen kursierte, die bei Bertelsmann gestrichen werden sollten („falsch und pure Spekulation“), wurde die von Branchenkennern schnell in Verbindung gesetzt mit einem Interview, das Finanzchef Rabe Mitte Mai im Bertelsmann-Intranet gegeben hatte.

Darin erklärte Rabe, wie McKinsey-Berater zurzeit in Gütersloh die Konzernzentrale und die Stabsstellen der Sparten nach Sparpotenzialen durchforsten. Das gehört zu Rabes Beritt, der wie die übrigen Spartenchefs nach Einsparungen sucht. Aus dem laut Bertelsmann nur auf die Zentralbereiche gerichteten Projekt wurde in der Medienöffentlichkeit prompt das große Bertelsmann-Sparprogramm und aus Rabe der oberste Spar-Star. Sauer stieß manchem Bertelsmann auch auf, dass Rabe überhaupt externe Berater hinzuzog.

„Da läuft ein Machtspiel“, sagt ein langjähriger Kenner des Konzerns. Ostrowski sitze zwar solide im Sattel und könne sich des Rückhalts der Familie Mohn sicher sein. Daher wundert sich mancher, „warum ist Rabe nicht längst weg?“.

Ostrowski habe schon andere Stellen wie die Spitze von Random House mit Vertrauten besetzt - für den Finanzposten fände sich sicher einer. Das liegt wohl auch daran, dass Rabe den Mohns vor drei Jahren einen Dienst erwiesen hat: Er half dabei, den 25-prozentigen Anteil des belgischen Milliardärs Albert Frère zurückzukaufen, um einen Börsengang zu verhindern.

Dafür, heißt es, seien die Mohns ihm dankbar und wollten ihn an Bord halten. Ihre Gunst könnte Rabe bisher vom Wechsel auf einen Spritzenposten anderswo abgehalten haben - und ihm die Hoffnung erhalten, irgendwann in Gütersloh den womöglich ersehnten Chefsessel zu ergattern. Das macht Ostrowskis Arbeit nicht eben einfacher.

Die Luft ist dünn - sei es in der Top-Liga der Medienriesen oder unter Fußballern der sechsten Spielklasse.

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