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Messen Kongressgeschäft wird für Städte wichtiger

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Grafik: Die wichtigsten Kongressstädte weltweit (Klicken Sie auf die Grafik für eine erweiterte Ansicht)

Als bevorzugte Tagungsdestination rangiert Deutschland in Europa mit großem Abstand an erster Stelle – so die Ergebnisse des jüngsten Meeting- und Eventbarometers europäischer und deutscher Kongressverbände. Rund 37 Prozent der Befragten gaben Deutschland den Vorzug, die Zweitplatzierung ging mit zwölf Prozent an Spanien.

„Infrastruktur, Sicherheit, ein gutes Hotelangebot und eine große Auswahl an Top-Kongresszentren“ seien die Gründe, warum sich beispielsweise die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) für Städte wie München oder Berlin entscheide, sagt ESC-Kongressmanager Ben Hainsworth. Tatsächlich finden sich zwischen Saarbrücken und Görlitz mehr als 6000 Tagungsstätten. Die größten Hallen wie der Hauptsaal des Berliner ICCs können über 5000 Personen aufnehmen, die kleinsten immerhin 100.

So gut wie unschlagbar ist der Kongressstandort Deutschland auch bei den Übernachtungspreisen. Kostet eine Nacht in einem Drei-Sterne-Hotel in München oder Berlin nach Berechnungen des Nürnberger Reservierungsservice Hotel.de zwischen 79 und 89 Euro, zahlen Gäste in Moskau oder New York mit 158 und 168 Euro fast doppelt so viel.

Auch bei Dienstleistungen hat Deutschland aufgeholt

Servicewüste Deutschland, das war einmal. „Wo immer es um standardisierte Dienstleistungen, also um Organisation, geht, waren die Deutschen schon immer gut – daher stammt ja auch die Führungsposition als Standort für Messen“, sagt Norbert Stoeck, Messe- und Eventexperte der Unternehmungsberatung Roland Berger. „Doch in den vergangenen zehn Jahren haben sie bei den Dienstleistungen insgesamt aufgeholt.“

Jetzt entdecken auch Deutschlands Messefürsten, dass die Kongresse mehr sind als nur ein interessantes Zusatzgeschäft. Bisher machen Kongresse meist deutlich weniger als zehn Prozent des Gesamtumsatzes der Messen aus. Doch nun wollen die Messemacher ein größeres Stück vom Kongresskuchen. Bei Messegesellschaften wie Leipzig oder Berlin macht das Kongressgeschäft bereits deutlich mehr als ein Zehntel aus.

Messen verschmelzen zu Kongressen

Grafik: Anzahl der Kongressteilnehmer weltweit (Klicken Sie auf die Grafik für eine erweiterte Ansicht)

Der Trend geht ohnehin zur Verschmelzung von Messe in Kongress. „In den USA entstanden die Messen oft aus Lobbyschauen am Rande der Kongresse“, sagt Nürnbergs Messechef Bernd Diederichs, „in Europa ist das umgekehrt: Zunehmend entstehen wichtige Kongresse aus Nebenveranstaltungen von Messen.“ Die großen Kongresszentren wie das CCD in Düsseldorf, das ICM in München, das Congress-Centrum Koelnmesse oder das Congress Center in Frankfurt sind ohnehin räumlich und organisatorisch Teil der jeweiligen Messeplätze. Vorteil für die Kongressmacher: Bei der Teilnehmerzahl gibt es kaum Grenzen, denn moderne Messehallen können schnell zu Kongresssälen umgebaut werden.

Wermutstropfen: Die Margen im Kongressgeschäft liegen für die Messegesellschaften deutlich unter denen der selbst veranstalteten Messen, weil sie sich die Erträge mit den Kongressveranstaltern teilen müssen. Das stört die Eigentümer der Messe- und Kongresszentren, in der Regel Städte und Bundesländer, aber wenig: „Die Umwegrentabilität ist entscheidend“, sagt Messeexperte Stoeck, „Stadt- und Regionalpolitiker sehen Messen wie Kongresse in erster Linie als Wirtschaftsförderung für die Stadt.“

Nicht immer geht die Rechnung auf. Oft sprengen die Baukosten wie seinerzeit in Berlin alle Budgets. Oder die Stadt bleibt auf Risiken in dreistelliger Millionenhöhe sitzen wie beim aktuellen Bonner Krimi um den Neubau des Kongresszentrums. Windige Investoren hatten die Stadtverwaltung herein- und eine fulminante Pleite hingelegt. Ob die Bonner von ihrem Kongresszentrum je profitieren, steht in den Sternen.

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