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Metro Kandidaten für Cordes-Nachfolge

Externer, Rückkehrer oder Übergangslösung? Die Kandi‧daten auf der Shortlist für die Nachfolge von Metro-Chef Eckhard Cordes eint eines: Fast alle haben Expertise im Handel zu bieten.

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Eckhard Cordes Quelle: dpa

Die Suche ist schwierig nach einem neuen Chef für den Düsseldorfer Handelsriesen mit den Vertriebslinien Metro Cash & Carry, MediaMarkt/Saturn, Real und Galeria Kaufhof, 280 000 Mitarbeitern und 67 Milliarden Euro Umsatz: Gute Handelsmanager sind dünn gesät und meist bei ihrem jetzigen Arbeitgeber gebunden. Die schwierige Eigentümerstruktur – 60 Prozent der börsennotierten Metro gehören den Großaktionären Haniel, Beisheim und Schmidt-Ruthenbeck –, die auch Cordes zu schaffen machte, erleichtert die Sache nicht. Anfang November trifft sich der Aufsichtsrat zur nächsten Sitzung und wird sicher auch über die Nachfolge beraten. Welche Kandidaten haben Personalberater herausgefiltert, welche drängen sich intern auf? Was haben sie bisher geleistet, und wie gut sind ihre Chancen auf den Chefsessel bei Metro?

Das Multitalent

An seinem Dialekt herauszuhören, was für ein Landsmann Thomas Martin Hübner ist, ist nicht einfach. Seine Wiege stand im österreichischen Kärnten, eingeschult wurde er im Schweizer Kanton Graubünden. Österreichische, schweizerische und deutsche Idiome haben sich beim polyglotten Schweizer Staatsbürger gleichmäßig vermengt. Der 53-Jährige stammt aus einer Hoteliersfamilie. Ansporn genug für Hübner, um nach dem Abitur und der Grundausbildung in der Schweizer Armee auf die Hotelfachschule in Lausanne zu gehen. Seine Lehrer fanden, dass er sich zu viel um Sport und zu wenig um die Ausbildung kümmere – Vorwürfe, die er sich auch schon während der Internatszeit hatte anhören müssen. Dort hatte sein Müßiggang zum Rauswurf geführt.

Oberhaupt der Cash & Carry-Sparte

Hübner wechselte auf eine Hotelfachschule in Zürich, die er mit Bravour absolvierte, und bekam eine Stelle in einer Nobelherberge in Gstaad. Nach verschiedenen Stationen in der Hotellerie wechselte er ins Osteuropa-Management des Bulettenbraters McDonald’s, führte anschließend den Schweizer Gastro-Großhändler Prodega und heuerte im Sommer 2000 bei Metro an. Dort stieg er zwei Jahre später zum Oberhaupt der Cash & Carry-Sparte auf und machte vor allem mit der Expansion nach Osteuropa und Zentralasien auf sich aufmerksam.

Lars Olofsson (L), Chairman Quelle: Reuters

Bis zum Januar 2008. Hübner verlasse die Metro aus „gesundheitlichen Gründen“, hieß es in einer Presseerklärung. Das erstaunte die Branche, war Hübner doch als durchtrainierter Manager bekannt. Endgültig zur Lachnummer geriet die Begründung, als er wenige Tage später putzmunter beim Weltwirtschaftsforum in Davos auftauchte und kaum zwei Monate später als neuer Chef des Molkereiunternehmens Müller-Milch präsentiert wurde.

Hübner habe sich nach dem Rauswurf von Metro-Chef Hans-Joachim Körber wohl Hoffnungen auf den Chefsessel gemacht, hieß es seinerzeit. Doch auf Körber folgte Cordes – und mit dem stocksteifen Theoretiker konnte der weltgewandte und lockere Praktiker Hübner überhaupt nicht.

Kennt alle Facetten des Handels

Im beschaulichen Allgäu bei Joghurt-Mogul Theo Müller machte der Zwei-Meter-Hüne wiederum Schlagzeilen: Nach nur zwei Monaten hatte er sich mit dem exzentrischen Milch-Milliardär derart überworfen, dass er hinschmiss. Seitdem war es ruhig um den Hobby-Schlagzeuger geworden, bis er im Juli dieses Jahres wieder auftauchte: im Vorstand des französischen Handelsriesen Carrefour, verantwortlich für die Länder Spanien, Italien, Belgien, Griechenland, Polen und Rumänien. Hübner hat Erfahrung mit allen Facetten des internationalen Groß- und Einzelhandels, spricht Deutsch – und kennt die Metro aus dem Effeff.

Der Buchhalter

Mit Pierre Bouchut ist offenbar noch ein zweiter Carrefour-TopManager in die Rasterfahndung der Metro-Eigner geraten. Bouchut war bis vor knapp zwei Monaten Finanzvorstand des französischen Handelsriesen mit einem Jahresumsatz von 100 Milliarden Euro. Nun verantwortet er das Geschäft in Schwellenländern. Der Franzose verfügt über langjährige Erfahrung in der Handelsbranche: Der 54-Jährige arbeitete zwischen 1990 und 2005 unter anderem als Finanzvorstand für den Carrefour-Konkurrenten Casino, bevor er für einige Jahre in gleicher Position zum französischen Elektro-Mischkonzern Schneider wechselte. Im Mai 2009 kam Bouchut dann zu Carrefour.

Die Franzosen kämpfen derzeit in vielen Märkten mit großen Schwierigkeiten und gaben in den vergangenen Monaten mehrmals Gewinnwarnungen heraus. Bouchuts Position dürfte intern durch einen jahrelang unbemerkt gebliebenen Betrugsfall in Brasilien sowie die gescheiterte Allianz Carrefours mit dem brasilianischen Handelskonzern Pao de Acucar, die seine Idee gewesen sein soll, geschwächt sein. Aber vor allem: Bouchut liebt Zahlen, die Metro braucht aber einen Mann, der Waren liebt.

ARCHIV - Der Quelle: dpa

Zu den internen Kandidaten für den Spitzenjob bei Metro gehört der Shootingstar im Krämer-Konzern: Finanzchef Olaf Koch. Seit der 41-Jährige im September 2009 vom Beteiligungsunternehmen Permira zu Metro wechselte, wird dem Manager intern wie extern ein hohes Maß an Kompetenz bescheinigt. Schon qua Amt darf Koch einerseits als analytisch und zahlengetrieben gelten. Andererseits kann der Manager, der privat an einem Musikportal beteiligt ist und selbst E-Gitarre spielt, seine Mannschaft mitreißen, bringt also Führungsstärke mit. Auch bei Sitzungen des sogenannten Kleinen Kreises, dem zentralen Führungsgremium des Metro-Großaktionärs Haniel, kamen Kochs Präsentationen offenbar an.

Kochs Mankos: Er wäre sehr jung für den Chefposten bei Deutschlands größtem Handelskonzern. Und er hat bisher kaum operative Erfahrung. Zwar war Koch am Konzernumbauprogramm Shape 2012 beteiligt und in Investorengespräche über einen möglichen Verkauf von Real und Galeria Kaufhof involviert. Aber eine größere Konzernsparte stand noch nicht unter seinem direkten Kommando.

Wichtiger noch: Den Cordes-Gegnern unter den Großaktionären ist Kochs Loyalität zu seinem Mentor womöglich zu groß. Beide Manager kennen sich aus gemeinsamen Tagen beim Autokonzern Daimler. So soll Koch in den vergangenen Wochen seine eigene Vertragsverlängerung an das Schicksal von Cordes geknüpft haben. Demnach plante er im Fall der Demission seines Ziehvaters, selbst den Konzern zu verlassen. Dass er nun einspringt, um das derzeitige Chaos übergangsweise zu beseitigen, würde kaum zum bisherigen Stil Kochs passen.

Der Heimwerker

Vielleicht lassen sich die Metro-Eigentümer ja bei ihrem Düsseldorfer Dax-Nachbarn Henkel inspirieren. Der Hersteller von Pril, Persil und Pritt wird seit Jahren nahezu skandalfrei und durchaus erfolgreich von einem Dänen geführt: Kasper Rorsted. Ob die Headhunter bei Rorsteds Landsmann Peter Høgsted ähnlich ins Schwarze treffen würden, ist schwer einzuschätzen.

Über den 42-Jährigen ist wenig bekannt. Høgsted ist derzeit Chef des internationalen Geschäfts bei Europas größtem Baumarktbetreiber, der britischen Kingfisher, mit einem Umsatz von umgerechnet knapp zwölf Milliarden Euro. Kingfisher ist auch mit 21 Prozent am deutschen ‧Baumarktbetreiber Hornbach beteiligt. Høgsted kam im September 2008 zu den Briten, nachdem er vorher 13 Jahre beim schwedischen Möbelkonzern Ikea war. Dort war er nicht nur Großbritannien-Chef, sondern auch als Aufsichtsratschef für das Geschäft in Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Irland verantwortlich. Zuvor war der glatzköpfige Manager von 1988 bis 1995 beim Handelsunternehmen Co-op in Dänemark. Sein Alter und die fehlende internationale Vernetzung sprechen zwar eher gegen Høgsted. Die gleicht er jedoch durch zwei Jahrzehnte Handelserfahrung locker aus.

Der Vollbluthändler

Joël Saveuse, im Metro-Vorstand für den SB-Warenhausbetreiber Real und den europäischen Teil der Großmarktsparte Cash & Carry zuständig, würden in der Branche viele die Cordes-Nachfolge zutrauen.

Der Franzose hat bereits die taumelnde SB-Warenhaustochter Real flottgemacht und gilt im Gegensatz zu seinen Vorstandskollegen als Vollbluthändler. Während der frühere Daimler-Manager Cordes im Metro-Reich oft als Handelslaie belächelt wurde, der mehr Ahnung von Einspritzern als von Eisbergsalat habe, gilt Saveuse intern wie extern als Manager, der sich um jedes Detail kümmert. Wann immer er Läden besichtigt und einen Fehler entdeckt, legt er selbst Hand an oder gibt mit charmantem französischem Akzent Anweisung, Ware umzuplatzieren oder Regale aufzufüllen. Bei den Arbeitnehmern im Aufsichtsrat hat sich Saveuse mit der Real-Mission Respekt verschafft.

Altersbedingt käme Saveuse ohnehin nur als Interimskandidat infrage. Der 58-Jährige war bereits für den Sanierungsjob bei Real aus dem Ruhestand geholt und mit viel Überredungskunst von seiner Villa in St. Tropez nach Düsseldorf gelotst worden.

Eine weitere Vertragsverlängerung hatte er bisher abgelehnt. Bei Gesprächen mit Investoren über einen möglichen Verkauf von Real soll der Manager vor ein paar Monaten immerhin seine Bereitschaft signalisiert haben, bei Real auch unter einem neuen Eigentümer vorerst an Bord zu ‧bleiben. Ob er auch übergangsweise für den Spitzenposten bei Metro zur Verfügung stünde, ist offen.

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