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Mexico City Gepanzerte Limousinen: Das Geschäft mit der Angst

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Innenleben einer gepanzerten Limousine: Zentimeterdicke Glas- und Panzerplatten rundherum Quelle: Daimler AG

Aber der Preis ist nicht das einzige Vorteil von Umrüstern wie Arturo Delgado vom Spezialisten Delta Pavesi, der seine Autos bisweilen sogar nach Deutschland liefert: „Wir sind flexibler und schneller“. Während die BMW Security-Modelle in Mexiko gerade komplett ausverkauft sind, hat er nur Lieferfristen von sechs bis zwölf Wochen. Und vor allem baut er mit seinen rund 60 Mitarbeitern fast alles um, was ihm die Kunden auf den Hof stellen. Die meisten seiner 50 bis 70 Autos im Jahr sind zwar große Geländewagen wie der Chevrolet Suburban, der Jeep Cherokee oder der Toyota Land Cruiser. Doch immer mal wieder panzert er auch einen Chrysler 300 C und oft genug sogar VW Bora und Passat oder Audi A3. „Denn je unscheinbarer die Autos, desto kleiner ist das Risiko.“

Das ist auch ein Grund dafür, warum die Panzerwagen in Mexiko so bescheiden auftreten. Während solche Limousinen in Moskau oft mit Blaulicht und Rammschutz ausgestattet sind und von einem ganzen Schwarm von Einsatzfahrzeugen begleitetet werden, „gibt man sich bei uns am besten gar nicht zu erkennen“, sagt Delgado. „Je unauffälliger du bist, desto geringer ist die Gefahr. Das beginnt beim Auto, das du fährst und endet bei der Uhr, die du trägst“, sagt einer der bedrohten Kunden und zeigt auf sein leeres Handgelenk. Aber nicht alle Mexikaner sind so dezent, freut sich Delgado. Deshalb panzert er gelegentlich auch Porsche Cayenne und 911 und hatte sogar schon Ferraris und einen Bentley Continental GT in der Halle stehen. Für 350.000 Dollar hat er auch das britische Coupé zum Tresor auf Rädern umgebaut.

Weltweit steigt die Nachfrage

Mexiko ist zwar ein großer und wichtiger Markt für diese Fahrzeuge. Aber er isrt nicht der einzige. „Nicht nur in Mittel- oder Südamerika, in politisch labilen Krisenregionen oder in Mafiahochburgen, auch im vermeintlich zivilen Mitteleuropa fährt die Angst immer öfter mit“, sagt BMW-Verkäufer Suarez: „Die Kriminalität nimmt weltweit zu. Ethische, soziologische und politische Konflikte erhöhen die Gewaltbereitschaft, die zunehmend auch auf der Straße eskaliert.“ Vor diesem Hintergrund registriert die Industrie eine wachsende Nachfrage. Zu den jährlich rund 2000 Hochsicherheitsfahrzeugen für Regierungschefs, Diplomaten und Vorstandsbossen kommen deshalb nach Schätzungen aus dem Mercedes-Marketing noch einmal rund 18.000 Autos in der leichteren Schutzklasse B4, von denen allerdings viele nur eine nachträglich eingebaute leichte Panzerung haben.

Mit der Angst machen die Autohersteller stattliche Umsätze. Denn der große Aufwand hat seinen Preis: Für den X5 Security verlangt BMW einen stolzen Aufschlag von 49.000 Euro, die Guard-Version der S-Klasse kostet in der höchsten Schutzstufe etwa 250.000 Euro mehr als das Serienmodell, und für den neuen Mercedes Pullman, eine auf über sechs Meter gestreckte und ebenfalls in der maximalen Stärke gepanzerte XXL-Version der S-Klasse werde „ein hoher sechsstelliger Betrag“ fällig, heißt es in Stuttgart vornehm zurückhaltend.

Panzerung ab Werk

Mercedes reklamiert mit dem Dienstwagen für den japanischen Kaiser von 1930 nicht nur den ersten gepanzerten Wagen der zivilen Auto-Geschichte. Die Schwaben feiern sich auch als Marktführer in diesem kleinen aber feinen Segment. Schließlich waren sie die ersten 50 Jahre zumindest aus deutscher Sicht allein auf weiter Flur. Denn bei BMW gingen die ersten Panzerwagen kurz nach den Terroranschlägen der RAF vor in der Siebener-Reihe in Serie, und Audi spielt mit den gepanzerten Versionen von A6 und A8 erst seit wenigen Jahren in dieser Liga mit.

Vor allem die drei deutschen Premiumhersteller bieten eine Panzerung ab Werk an. Zwar kann man auf einigen Märkten auch VW Phaeton und Tuareg, Jaguar XJ und den Range Rover, den Toyota Land Cruiser oder den Volvo XC90, große US-Limousinen und Geländewagen von Cadillac, Chevrolet, Jeep oder Ford sowie die Flaggschiffe von Bentley und Rolls Royce mit Panzerung kaufen. Doch sind das in der Regel Auftragsarbeiten von externen Spezialisten, die allenfalls den Segen der Fahrzeughersteller haben. Solche Spezialisten gibt es freilich nicht nur in Mexiko. Auch in Italien, Spanien und vor allem in Deutschland hat sich eine Reihe von Karosseriebauern auf die harte Schale für die Oberklasse spezialisiert. Neben Firmenfuhrparks und Privatiers beliefern sie insbesondere die Justiz- und die Polizeibehörden, für die bisweilen auch weniger luxuriöse Sonderserien aufgelegt werden. Schließlich muss die öffentliche Hand bei aller Sicherheit sparen. Panzerplatten ja, Ledersitze nein, heißt dann das Credo.

Zwar steigt der Bedarf an nach solchen Fahrzeugen in den letzten Jahren kontinuierlich, hat BMW-Verkäufer Suarez registriert. Doch schwankt die Nachfrage mit der Nachrichtenlage: „Ist es mal ein paar Wochen ruhig, geht das Geschäft nur schleppend.“ Doch kaum melden die Zeitungen wieder ein prominentes Opfer, geht bei den Reichen die Angst um, und Suarez Telefon steht nicht mehr still.

So wie vor ein paar Wochen, als in Mexiko der Industriellensohn Fernando Marti ermordet wurde. Die Meldung lief am Montag über den Ticker. Zwei Tage später hatte Suarez sieben Autos verkauft.

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