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Milliardengrab Landesbank Anatomie des BayernLB-Skandals

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Zu ihnen gehört die Wörtherseebühne, auf der Haider musikalische Festspiele etablieren will. Das Projekt leidet von Beginn an unter Intendantenwechseln und wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die HGAA finanziert auch das Schlosshotel Velden, das zu einer ebenso luxuriösen wie unausgebuchten Edelherberge aufgerüstet wird, die Jahr für Jahr Millionenverluste macht. Auch als Wahlkampffinanzierer für die Kärntner Parteien hält die Bank her. Gleichzeitig spielt Haider den sozialen Wohltäter. So führt er den „Teuerungsausgleich“ ein, bei dem er Bedürftigen einen 100-Euro-Schein in die Hand drückt.

Um die Rolle des Förderers spielen zu können, muss die HGAA wachsen. Da der österreichische Markt nicht viel hergibt, geht das nur im Ausland: Anvisiert wird Südosteuropa, vor allem auch Kroatien.

Kulterer schickt eine junge Truppe los, die das junge, wilde Land erobern soll. Regeln und Infrastruktur sind kaum vorhanden. Der Krieg hat die Touristen vertrieben, die Grundstückspreise sind überall im Keller. Es gibt jede Menge Chancen, wenn man entschlossen und skrupellos ist und die nötigen Kontakte besitzt.

„Wir waren sehr aggressiv unterwegs“, sagt ein ehemaliger HGAA-Banker. „Sicher macht man dann auch mal Geschäfte, die man im Nachhinein besser nicht gemacht hätte.“ Es ist ein Geben und Nehmen: Viele die der Hypo mit Kontakten helfen, werden von ihr auch geschäftlich unterstützt.

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    Das Geschäft lohnt sich zunächst: Die Grundstückspreise etwa an der istrischen Küste vervielfachen sich binnen weniger Jahre. Die HGAA bläht sich immer mehr auf. Von 1992 bis 2007 steigt ihre Bilanzsumme von 2 auf fast 38 Milliarden Euro. In Ex-Jugoslawien arbeiten 2007 mit mehr als 5000 Angestellten fast fünfmal so viele Menschen für sie wie in Österreich.

    Tricks und Skandale

    Viele Banken machen in dieser Zeit in Osteuropa Geschäfte, die nach westeuropäischen Maßstäben dubios sind. Kein anderer Name taucht jedoch öfter auf als der der Hypo Alpe. Schon früh gibt es in den Medien Berichte über Geldwäsche. Zudem wird die Bank verdächtigt, einflussreichen Politikern, Exgenerälen und Geschäftsleuten dabei behilflich gewesen zu sein, für den Wiederaufbau Kroatiens bestimmte Gelder auf private Konten gelenkt zu haben.

    Die interne Überwachung hält mit dem Wachstum nicht Schritt. 2007 attestieren die Prüfer der Österreichischen Nationalbank der Bank eine „Negierung der Kontrollinstrumente, insbesondere in der Institution des Risikomanagements“. Laut Prüfbericht vergibt die Bank Kredite an gute Kunden auch mal ohne Sicherheitsdokumente.

    Die Prüfer liefern noch weitere Einblicke in das wilde Treiben: Zum Teil konnten sie die Eigentums- und Kontrollverhältnisse von Gesellschaften gar nicht klären. Solche Gesellschaften stellten ein „aus Geldwäschereisicht nicht abzuschätzendes Gefahrenpotenzial“ dar. Zudem stießen sie auf HGAA-finanzierte Gesellschaften, bei denen Käufer und Verkäufer dieselbe Person waren.

    Bei den Grundstücksgeschäften gibt es noch weitere Merkwürdigkeiten. So werden manche Naturschutzgebiete direkt nach dem Kauf zu Bauland umgewidmet. Die HGAA gibt Kredite für riesige Hotelprojekte und Einkaufszentren, mitunter von zweifelhaften Investoren ohne Erfahrung. Sie steigt ins Leasinggeschäft ein, finanziert Yachten, Autos und Flugzeuge. Viele Geschäfte sind offenbar Luftbuchungen, so gelten etwa 400 Yachten als vermisst.

    Bald fehlt der Bank das nötige Kapital, um ihr Wachstumstempo zu halten. Deshalb schöpfen ihre Manager offenbar alle möglichen Tricks aus, um die wahre Lage zu verschleiern und zu beschönigen.

    So vergibt die österreichische Holding-Mutter Kredite direkt an ihre kroatischen Kunden und lässt sich für diese dann wieder Garantien von der kroatischen BankTochter geben. Dieses von der österreichischen Nationalbank gerügte Verhalten spart Eigenkapital. Zu diesem Zeitpunkt müssen Banken in Kroatien einen bestimmten Prozentsatz Kapital bei der Zentralbank hinterlegen, um Kredite vergeben zu dürfen. Für Garantien gilt das nicht.

    In die gleiche Richtung weist ein Bericht, den die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young im Auftrag der BayernLB vor dem Kauf 2007 über die Kärntner Bank erstellen. Sie finden heraus, dass unter dem Etikett Leasing an den Auslandsstandorten viele klassische Immobilienfinanzierungen laufen. Dabei handelt es sich laut Ernst & Young „um Bau- und Projektfinanzierungen“. Die zugehörigen Verträge seien jedoch Leasingverträge.

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